Ulm Cantus Novus feiert singend Geburtstag

Ulm / SIBYLLE SCHÄFER 14.07.2015
20 Jahre Cantus Novus: Den Besuchern des Jubiläumskonzertes wurde am Samstagabend im Stadthaus ein Hörgenuss der Spitzenklasse geboten.

"Bei diesem Konzert begrüßen die Musiker das Publikum!" Das erklärte Helmut Steger nach dem Einzug "seines" Frauenkammerchors, und er hatte damit nicht zu viel versprochen. Im Gegenteil: Unter den einzelnen Programmabschnitten "Sommer" und "Liebe - es ist, was es ist" im ersten Teil des Jubiläumskonzerts entführten die Sängerinnen ohne Umschweife in die "Faszination Kammerchor". Engelsgleiche Stimmen, zarte Nuancen, kraftvolle Einwürfe: Die ganze Bandbreite der Gefühlswelt brachten die Künstlerinnen gekonnt und mit geschliffener Intonation auf die Bühne des Stadthauses.

Dazu hatten sie sich erstklassige Unterstützung geholt. Nach der Absage des Countertenors Benno Schachtner wurde mit der Sängerin Ruth Katharina Peeck eine zauberhafte Mezzosopranistin gefunden, die von Anbeginn an mit ihrer reinen Stimme für Gänsehaut sorgte.

Bei der Liedauswahl überwogen die nachdenklichen, elegischen, geradezu melancholischen Werke, die durch Instrumentalstücke wie Rachmaninoffs "Vocalise" oder der "Elegie" aus Anton Arenskys zweitem Klaviertrio ergänzt wurden. Denn auch dafür hatte Cantus Novus gesorgt: Mit Lukas Gruber am Fagott, Jens Schlichting (Klavier) und Bernhard Veil (Klarinette) rundeten drei musikalische Könner das Konzertprogramm ab.

Eine anspruchsvolle Aufgabe, wie auch die Überschriften zum zweiten Teil erahnen ließen: "von Zeit. . .", "ich denk' an dich" und "zum Abend und zur Nacht". Mit dem Barockgedicht "Die Zeit ein stetes heute" stieg Steger stimmungsvoll nach der Pause wieder ein: "Was heute gestern heißt, das hieß man gestern heute. . ." Nicht nur einmal untermalten klug ausgewählte Gedichte die wundervolle Abendstimmung. Ob Shakespeares Sonett "Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen" oder "Unsterblicher Lindenduft" von Ina Seidel: Cantus Novus traf - ob gesungen oder gesprochen - buchstäblich den richtigen Ton. Und mit seinen Eigenkompositionen "Der Wassermann", "Wirf deine Angst in die Luft" und "Puisque tout passe" setzte Steger dazu besondere Hörakzente. Mit einem geradezu ergreifenden "Der Mond ist aufgegangen", bei dem das Publikum zum Mitsingen eingeladen war, zogen die Sängerinnen am Ende aus dem Saal hinaus. Diesem Chor wünscht man mindestens noch weitere 20 Jahre.

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