Ulmer Zelt Calexico spielt im Zelt Musik gegen Mauern

Bereits zum vierten Mal im Ulmer Zelt: Calexico mit Frontmann Joey Burns.
Bereits zum vierten Mal im Ulmer Zelt: Calexico mit Frontmann Joey Burns. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 07.07.2018

„Allen Flüchtlingen auf der Welt“ widmen Calexico ihren Song „Voices In The Field“, und Frontmann Joey Burns sagt im gut gefüllten Ulmer Zelt: „Wir hören eure Stimmen!“, ohne dass es penetrant wäre. „Girl In The Forest“ wird mit dem emotionalen Appell vorgetragen, Mädchen und Frauen zu stärken. Burns fragt das Publikum aber auch „Are you ready to party?“, was bejaht wird.

Calexico bringt beides zusammen, seit zwei Jahrzehnten: vielfältige musikalische Feinkost und gesellschaftspolitische Inhalte. Die Band kommt aus Arizona; das südliche Grenzland der USA und eine soziale Sensibilität haben schon immer Themen und Sound bestimmt (Calexico ist eine kalifornische Stadt und ein Kunstwort aus California und Mexico). Doch was seit jeher eine klare Haltung – mit Empathie und Gewissen – ausdrückte, ist in den Zeiten von Trump und seinen Abschottungs-Plänen eminent politisch. Ihr Tex-Mex-Sound und ihre Texte sind für eine Americana-Band ein Statement. Es ist Musik, die Mauern einreißen will, wenn auch mit Trompeten statt mit Posaunen.

Gleichberechtigung, Toleranz, Völkerverständigung, geerdeter Humanismus ohne Pathos: Da müssen die Nordeuropäer (dort lokalisiert Burns Deutschland) und Nord­amerikaner mit integrer Gesinnung zusammenhalten. Wozu anzumerken ist: Calexicos aktuelles Album „The Thread That Keeps Us” war nirgendwo so erfolgreich wie in Deutschland (Platz sieben), in den USA aber gar nicht in den Charts.

Aus diesem Album wird viel gespielt, aber manchmal, etwa mit „Stray“ und „Gypsy‘s Curse“, geht es weit zurück in die Bandgeschichte – und damit in die Zelt-Historie, denn Calexico spielte schon 1999 in der Au, nun sind sie zum vierten Mal da. „Schön, wieder hier zu sein“, sagt Burns und freut sich auf „Barbecue und Lagerfeuer“.

Musikalisch schaffen es die Sieben noch immer, zugleich mit großer Seriosität und mit Freude aufzutreten. Und mit welcher Energie! Gitarren, Trompeten, Kontrabass, Akkordeon, Vibraphon, Keyboard, Schlagzeug und mehr: Farbig instrumentiert nehmen sie einen mit auf eine Hörreise ins Grenzland, klanglich manchmal geradezu zart, mit Raum für Soli, aber auch oft mit Druck, den Klang verdichtend. Der Sound im Zelt war bei aller Power schön transparent.

Da spielen sie wunderbar Atmosphärisches wie „Thrown To The Wild“ und derbere Gitarrennummern wie „Dead In The Water“, Klassiker wie „Crystal Frontier“ und Abräumer wie „Cumbia de Donde“. Mal schmettern die Trompeter los, mal attackieren sie mit Staccato-Karacho, und schließlich treffen die zünftigen Mariachis auf eine funky Wah-Wah-Gitarre. Nach zwei Stunden, vier Zugaben-Songs und Jubel ist klar: Haltung und Feiern, bei Calexico geht das zusammen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel