Es duftet nach Filterkaffee und nach frisch gebackenen Waffeln in dem kleinen Ulmer Café mit der Adresse Breite Gasse 6. Es hat gleich zwei passende Namen: Auf Deutsch „OMW! Das kleine Café“ und auf Englisch mit großen Anfangsbuchstaben „Oh My Waffle“. An der einen Wand reicht das Holzregal bis unter die Decke. Als Deko hat Cafébetreiber Tobias Rocholl alte Bücher aus dem Antiquariat der nahen Buchhandlung hineingestellt. Auf einem durch einen goldenen Bilderrahmen getarnten Flachbildschirm erscheint immer wieder ein anderes Landschaftsfoto. Im Fenster steht eine Einstein-Figur von der Kunst-Installation auf dem Münsterplatz.

Von der „Vorglühbar“ zum „Oh My Waffle“

Richtig Leben in die ehemalige „Vorglühbar“ bringen seit fast zweieinhalb Jahren aber täglich die Stammgäste – außer dienstags, am Ruhetag. Neue Kunden werden vor allem durch die Hinweistafel auf der Straße ins Café gelockt, denn man kann kaum hineinsehen aufgrund der hoch eingebauten Fenster. Aber man sieht auf der Gass’ die Außenbestuhlung für weitere 24 Gäste unter dem großen Schirm. „Ich zahle die Außenbestuhlung das ganze Jahr durch bei den milden Wintern“, sagt der Chef.

Ist beispielsweise samstags ab 12 Uhr Hochbetrieb, laufen die beiden Waffeleisen buchstäblich heiß, wenn Süßes und Salziges bestellt wird. Und fürs Personal wird es eng in der Mini-Küche. Auf der Karte steht beispielsweise der Klassiker aller Waffeln: mit Zimt und Zucker. Für Schokofans gibt es „Oh My Double Chocolate“, denn die Waffel besteht aus Schokoteig mit Schokoladenstückchen. Als Toppings stehen zur Auswahl: Karamell mit Meersalzflocken, weiße und dunkle Schokolade mit Knusperperlen oder das Top-Topping aus Vanilleeis, Ulmer Festungshonig und leicht gefrorenen Johannisbeeren. Frische Erdbeeren gibt es nur in der Saison. Ebenso regional ist das Zwetschgenmus, das Rocholl selbst einkocht.

Waffelrezepte in allen Variationen

Dabei ist er eigentlich gar kein Koch, sondern der gelernte IT-Systemkaufmann, der in Albeck aufgewachsen ist, betreibt nebenher noch ein Fotostudio in der Frauenstraße, Richtung alter Friedhof. „Ich mach’ Dinge, auf die ich Lust habe“, sagt der heute 37-Jährige. Als er bei einem Fototermin Waffeln serviert bekam, fand er Gefallen daran und begann Waffelrezepte auszuprobieren.

Sieger war schließlich die dicke belgische, rechteckige Form, bei der eine Waffel knapp 200 Gramm wiegt und schon ohne Belag satt macht. Als Mehl kauft Rocholl regionales Dinkelmehl von der Junginger Schapfenmühle. Die veganen Waffeln sind aus Dinkelvollkornmehl. Obst und Gemüse werden auf dem Ulmer Wochenmarkt gekauft. Denn es gibt im Café auch herzhafte Waffeln mit Tomate, Salatblättern und Mozzarella, mit Spiegelei und Speck oder mit Guacamole und Räucherlachs. Guacamole ist ein Avocado-Dip aus der mexikanischen Küche.

Und wozu steht im Innenhof noch ein Waffelanhänger? Damit fährt Rocholl als Caterer auf Firmenfeste und Hochzeiten. Für Letztere backt er dann auf Wunsch Waffeln am Stiel mit rosa Zuckerglasur oder Waffelhäppchen zum Sektempfang. Bei einem Event für 60 bis 100 Personen sei man ab 1000 Euro dabei, verrät der Geschäftsmann. Er fährt zu Streetfood-Festen, und seit drei Jahren backt er die dicken Waffeln ebenso auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt.

Spieleabend alle zwei Wochen

Sonntags gibt es im Café ab 12 Uhr ein fast normales Frühstück mit Kaffee, Marmelade, Lachs, Schinken, Käse und Rührei. Nur: Statt Brötchen erhält man in Streifen geschnittene Waffeln, die sich jeder selbst belegt. Und alle zwei Wochen findet mittwochs von 18 bis 22 Uhr ein Spieleabend statt – mit vorhandenen oder mitgebrachten Gesellschaftsspielen. Auch dazu kämen bereits Stammkunden. Rocholl: „Ich bin glücklich, wie es läuft.“

Kaffee aus Großmutters Porzellanfilter


Nachhaltig Den Filterkaffee brüht sich jeder Gast am Tisch selbst in Großmutters Porzellanfilter samt Filterpapier auf – und sieht dabei zu, wie das Getränk in ein Glas oder einen Mehrwegbecher tröpfelt. Denn To-go-Einwegbecher kommen Rochol nicht ins Haus. „So viel Zeit muss sein, dass man sich kurz hinsetzt und den Kaffee, den Tee oder die heiße Schokolade genießt.“ Ebenso legt er Wert auf Verpackung aus kompostierbarem Material. Und in kalten Getränken wie Eistee stecken Trinkhalme aus Glas. „Die kommen extrem gut an.“