Es war der Freitag vor einer Woche. Daniela Kamp (Name geändert) wartete gegen 19.45 Uhr an der Bushaltestelle am Ehinger Tor. Sie freute sich aufs Wochenende, war auf dem Weg zu einer Verabredung mit Freunden. Als die Linie 4 in Richtung Rathaus einfuhr, stieg die 36-Jährige zu. Während der Bus der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) mehrere Minuten lang mit geöffneten Türen hielt, fiel Kamp ein junger Mann auf. Begleitet von zwei Kompagnons bahnte er sich den Weg durch das Gedränge im Innenraum des Busses und forderte mehrere Personen dazu auf, ihren Fahrschein vorzuzeigen. Er beäugte die Tickets kritisch, nickte. Dann wandte er sich Kamp zu.

Ulm: Falscher Kontrolleur lief hastig aus dem Bus

„Es war eine wirklich komische Situation“, sagt die Ulmerin rückblickend, „erfahrungsgemäß prüfen die Mitarbeiter der SWU die Karten erst, nachdem der Bus losgefahren ist.“ Dennoch habe sie ihre Jahreskarte herausgeholt, erzählt Kamp weiter. Als ihr der vermeintliche Kontrolleur das Ticket abnahm und monierte, dass es ungültig sei, fragte Kamp nach seinem SWU-Dienstausweis. „Ich wusste, dass er lügt. Selbstverständlich war mein Fahrschein gültig“, betont sie. Da der Mann zögerte, griff sie nach ihrer Karte und nahm sie wieder an sich. Daraufhin verließen der Mann und seine beiden Begleiter den Bus hastig durch die noch offen stehende Tür, berichtet Kamp. Wenige Augenblicke später fuhr der Bus los.

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Ulm

Kamp vermutet, dass der Mann ein falscher Kontrolleur war, der wertvolle Fahrscheine oder Bußgelder einheimsen wollte: „Nachdem die zuvor geprüften Tickets offensichtlich nur Einzelfahrscheine waren, hätte er mit meiner Jahreskarte eine deutlich bessere Beute gemacht.“

Kamp schätzt die Größe des Mannes auf 1,80 Meter, sein Alter auf Ende 20. Er hatte ihren Angaben zufolge dunkelblonde, mittellange Haare und einen Vollbart. Zudem trug er Jeans sowie eine dunkle Jacke. Obwohl sie der Vorfall beschäftige, habe Kamp von einer Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei abgesehen. Sie entschied sich dafür, die SWU schriftlich über die Ereignisse zu informieren.

SWU-Kontrolleure zeigen Dienstausweis unaufgefordert vor

Bernd Jünke, Pressesprecher der SWU, betont, dass Kamps Schilderungen darauf hindeuten, dass es sich tatsächlich um einen versuchten Betrug gehandelt habe. Er erklärt: „Unsere Kontrolleure steigen meist zu zweit oder zu dritt in die Busse. Wenn sie um das Vorzeigen der Tickets bitten, halten sie gleichzeitig unaufgefordert ihren Dienstausweis hoch.“ Vor diesem Hintergrund habe sich die Frau richtig verhalten, als sie nach dem Dokument fragte und den mutmaßlichen Schwindler somit in Bedrängnis brachte. Jünke rät den Fahrgästen bei einer Kontrolle daher, ihr Ticket erst dann vorzuzeigen, wenn sie zuvor den mit Lichtbild versehenen Dienstausweis des SWU-­Mitarbeiters gesehen haben.

Die Masche des falschen Kontrolleurs ist den Stadtwerken durchaus bekannt. Derartige Vorkommnisse seien allerdings selten, so Jünke: „In den vergangenen Jahren wurde uns nur von wenigen Einzelfälle berichtet.“ Wie oft falsche Kontrolleure im Stadtgebiet tatsächlich schon unterwegs waren, wird in der Statistik der Polizei Ulm nicht explizit erfasst. Ein Sprecher rät allerdings auf Anfrage, jeden Fall konsequent anzuzeigen.