Ulm Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im ausverkauften SWP-Forum

Wolfgang Schäuble (Mitte) im Gespräch mit Chefredakteur Ulrich Becker (rechts) und dem stellvertretenden Chefredakteur Ulf Schlüter: Stuttgart 21 und die Neubaustrecke sind nach dem Beschluss des Bahn-Aufsichtsrates jetzt entschieden, gab sich der Finanzminister beim SWP-Forum im Stadthaus überzeugt. Foto: Lars Schwerdtfeger
Wolfgang Schäuble (Mitte) im Gespräch mit Chefredakteur Ulrich Becker (rechts) und dem stellvertretenden Chefredakteur Ulf Schlüter: Stuttgart 21 und die Neubaustrecke sind nach dem Beschluss des Bahn-Aufsichtsrates jetzt entschieden, gab sich der Finanzminister beim SWP-Forum im Stadthaus überzeugt. Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / RUDI KÜBLER HANS-ULI THIERER 08.03.2013
Er wirkt, wenn er hereinfährt im Rollstuhl, fragil, verletzlich. Sein Auftritt im SWP-Forum ist aber so, wie aus dem Fernsehen bekannt: standhaft, schwergewichtig: Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Von wegen, dass die Stimme der Alten kein Gewicht mehr habe. Nun ist Wolfgang Schäuble, der Bundesfinanzminister, mit taufrischen 70 Jahren für heutige Verhältnisse ja nicht wirklich alt. Aber wenn einer 40 Jahre Bundestag auf dem Buckel hat, ist er allemal ein altgedienter Politiker. Einer freilich, dessen Wort Gewicht hat, auf den die Leute hören - und den sie hören wollen. Bewiesen am Donnerstagabend, als Schäuble Gast des Forums der SÜDWEST PRESSE war und den Saal im mit mehr als 300 Besuchern ausverkauften Stadthaus wohl auch zweimal gefüllt hätte.

Der CDU-Politiker, der seit zwei Jahrzehnten vom Rollstuhl aus agiert und argumentiert, stellte sich den Fragen des Chefredakteurs Ulrich Becker und dessen Stellvertreters Ulf Schlüter über Europa und die CDU, über S 21 und die eigene Karriere in gewohnter Manier: überwiegend sachlich und nüchtern, mal messerscharf und schneidend, doch auch mal heiter und für einen Badener schwäbisch knitz. Allemal ein Elder Statesman, dem das in der Politik verbreitete Poltern ziemlich fremd ist. Nicht 70 Jahre und kein bisschen leise, schon viel eher 70 Jahre und ein wenig weise.

Und wenn einer mit der politischen Beschlagenheit von 40 Jahren im Deutschen Bundestag, die er sich dort überwiegend an den Brennpunkten des Geschehens angeeignet hat, mal wortreich nichts sagt, dann geschieht dies immerhin in unterhaltsamen Drumherumreden. Etwa als es um die Homo-Ehe geht und Schäuble andeutet, dass er die Hetero-Ehe schon für das Übliche hält, die Homo-Ehe für das Ungewöhnliche. Aber: Am Schluss erneuert er seine unlängst in der Landespartei heftig diskutierte These, dass die CDU sich in der Gesellschaftspolitik bewegen müsse, weil sie sonst nicht mehr viel bewegen werde. Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde träfen im Blick auf Partnerschaften eben auch auf gleichgeschlechtliche Beziehungen zu - nicht zuletzt vor der Verfassungsgerichtsbarkeit. Dass die CSU-Schwester eine steuerliche Gleichbehandlung ausbremsen könnte, glaubt Schäuble nicht. "Die bayerischen Freunde stehen am Ende immer an der Spitze des Fortschritts. Das war schon unter Franz Josef Strauß so."

Schäubles wichtigste Einschätzung aus Ulmer Sicht: Er ist überzeugt, dass das Milliardenprojekt Stuttgart-Ulm durch den jüngsten Beschluss des Bahn-Aufsichtsrats die allerletzte Hürde überwunden hat. Alle politischen und juristischen Instanzen seien - samt Volksentscheid - durchgepaukt. Teils mehrfach sogar. "Es ist entschieden, jetzt wird gebaut."

Gibt es in einer so langen Karriere eine Sternstunde, einen Höhepunkt? Schäuble, für den Moment noch immer berührt: "Der Mauerfall war das bewegendste Erlebnis." Und: "Es gibt nichts Vergleichbares", sagt einer, der in der Politik des Kalten Krieges groß geworden ist und nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten Politik im vereinigten Deutschland macht - und für ein vereinigtes Europa und einen stabilen Euro. Dessen Wert bewertet Wolfgang Schäuble im Stadthaus so: "Was wäre, wenn wir ihn nicht hätten? Unsere Exporte und damit unsere Wirtschaft würden zusammenbrechen."

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