Festung Bundesfestung Ulm schafft originalgetreues Ausstellungsstück an

830 Kilogramm schwer, zweieinhalb Meter lang: die nachgebaute Festungskanone an ihrem Museumsplatz.
830 Kilogramm schwer, zweieinhalb Meter lang: die nachgebaute Festungskanone an ihrem Museumsplatz. © Foto: Matthias Kessler
BEATE STORZ 11.07.2016
Ulm ist gerüstet. Im Fort Oberer Kuhberg steht nun eine Kanone. Beruhigend für alle Pazifisten: Sie ist nur ein Ausstellungsstück.

Eine neue Festungskanone steht auf dem Kuhberg. Teil eines Terrorbekämpfungsprogramms? Nein, diese Kanone kann nicht schießen. Wir sind ja kein Militär-, sondern Geschichtsverein“, sagt Uli Dewein vom Förderkreis Bundesfestung Ulm. Das Sechs-Pfünder-Festungsgeschütz ist Bestandteil des neuen Festungsmuseums im Südturm des Forts Oberer Kuhberg am Hochsträß. Es wurde feierlich übergeben. Dabei  machte es oben am Kuhberg trotzdem lautstark „bumm“. Aber das waren Böllerschüsse, nicht die Kanone.

Oberbürgermeister Gunter Czisch lobte das Engagement des Vereins. „Da ist so viel Leidenschaft bei Euch, das ist schon bemerkenswert.“ Zur Eröffnung war denn auch das Museum brechend voll, rund 70 Besucher waren gekommen, um sich die neue Kanone anzusehen. Vereinsvorsitzender Matthias Burger erklärte, dieser originalgetreue Nachbau des Sechs-Pfünders dürfte wohl einmalig in Europa sein.

Recherchen des Vereinsmitglieds Markus Theile haben schlussendlich ergeben, dass die originalen Geschütze aus dem Jahr 1848 recht schnell wieder eingeschmolzen worden waren, weil es bald bessere, leistungsstärkere und modernere Kanonen gab. Auch in Ulm standen derartige Exemplare vor 170 Jahren. Laut Theile sind keine Kanonen dieser Bauart irgendwo im Original erhalten geblieben.

Bereits 2008 kam dem Verein die Idee, eine eigene Kanone zu bauen, damit die Festung authentischer wirkt. Doch die Recherchen erwiesen sich schwierig. Markus Theile und Markus Staigmüller übernahmen die Projektplanung. Nur durch Zufall stießen sie auf Originalpläne. Diese fanden sie im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt und danach erfolgte der Neubau im Maßstab 1:1.

Von vorne herein stand fest: Es sollte eine Attrappe sein, keine schusstüchtige Waffe. So hat das Replikat keinerlei Schießfunktion. Rund vier Jahre dauerte es, bis die Kanone fertig war. Sie wiegt 830 Kilogramm und ist stattliche 2,50 Meter lang.

Die Gießerei Nehr und Saurer in Göppingen war in der Lage, das Rohr zu gießen, und die Schreinerei Junginger in Neenstetten stellte die Eichenholzteile her. Die Rohrteile stammen von der Firma Blech und Technik in Vöhringen, gefertigt mit einer Laserschneideanlage. All diese Firmen gewährten dem Verein sehr günstige Preis.

Damit das kostbare Stück in dem feuchten Festungsgebäude nicht gleich rostet, spendierte die Söflinger Metallveredelungsfirma Krämer die Verzinkung. Spendieren heißt tatsächlich kostenlos. Krämer verzichtete auf eine Bezahlung. Außerdem haben viele Vereinsmitglieder Arbeitsleistung in die Kanone wie auch ins Museum selbst gesteckt, von rund 3000 Stunden spricht Markus Staigmüller. Nun ist das Museum eröffnet. Wie es sich gehört, mit viel Bumm drumherum. Dafür sorgten die Pfuhler Böllerschützen.

Jeden ersten Sonntag

Öffnungszeiten Das Festungsmuseum der Bundesfestung ist jeden ersten Sonntag im Monat ab 14 Uhr geöffnet. Der Förderkreis Bundesfestung wurde 1974 gegründet und setzt sich in Ulm und Neu-Ulm gleichermaßen für den Erhalt der Festungsanlage ein. Jährlich bietet er 450 Führungen an, zu denen  mehr als 10.000 Besucher kommen.