Ulm / gha/hut  Uhr
65 Millionen Euro aus dem GVFG-Bundesprogramm stellt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für den Neubau der Straßenbahn- Linie 2 in Ulm zur Verfügung.

Diese Nachricht des BMVI ging gestern an die baden-württembergische Landesregierung. Das Landesverkehrsministerium muss nun den formalen Förderbescheid ausstellen.

Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim BMVI: „Ich freue mich, dass wir auch die Stadt Ulm beim Neubau der Straßenbahnstrecke Linie 2 unterstützen können. Mit diesem Projekt gewinnen die bestehenden Verbindungen für die Ulmer deutlich an Attraktivität.“ Das Linienkonzept für den Straßen- und Busverkehr in Ulm werde im Bereich Kuhberg, Innenstadt/Hauptbahnhof und Wissenschaftsstadt neu geordnet und verbessert. Es werde eine optimale Verknüpfung zwischen dem innerstädtischen ÖPNV, dem Schienenpersonennahverkehr und dem Schienenpersonenfernverkehr erreicht.

Der Neubau der Streckenabschnitte Ehinger Tor bis Kuhberg sowie Theater bis Wissenschaftsstadt mit Anpassung der Ulmer Stammstrecke ist nun endgültig ins Bundesprogramm des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) aufgenommen. Jüngsten internen Berechnungen zufolge verteuert sich der Streckenneubau um 22 Millionen auf 192 Millionen Euro (wir berichteten). Offen ist, wie hoch der Landesanteil ausfallen wird. Damit ist auch noch unklar, welche Summe am Ende an der Stadt hängen bleibt. Ulm hat in den vergangenen Jahren für den Straßenbahnausbau eine Rücklage von 80 Millionen Euro angespart. 

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Gedämpfte Freude

Natürlich ist das ein Ulmer Freudentag: Die Stadt bekommt eine zweite Straßenbahnlinie. Sie wird nicht alle, aber doch maßgebliche Verkehrsprobleme in und zu zwei Zentren der Stadtentwicklung lösen – den Schulen auf dem Kuhberg, der Wissenschaftsstadt auf dem Eselsberg. Das Bundesverkehrsministerium hat als entscheidende Instanz die Weichen für den Schienenausbau gestellt, grünes Licht aus Stuttgart ist reine Formalie. Der grüne Landesverkehrsminister Winfried Hermann hat das Ulmer Projekt ja längst befürwortet.

Für OB Ivo Gönner ist die Nachricht aus dem Bundesministerium späte Genugtuung. Schließlich hat die Tram ihm 1999 eine seiner wenigen, aber eine bittere Niederlage beschert, als das Fünf-Linien-Konzept an einem Bürgerentscheid scheiterte. Irgendwie ist es diesem OB aber doch gelungen, Ulm im Nahverkehr in die Spur zu bringen. Erst die Verlängerung der Eins nach Böfingen, nun die Zwei auf die Berge des Lernens, Lehrens, Wissens. Dennoch dürfte die Freude gedämpft sein. Noch ist offen, wie hoch die Zuschüsse insgesamt sein werden, was das Land noch draufsattelt, was die Stadt bei inzwischen auf 192 Millionen Euro hochgerechneten Gesamtkosten selber bezahlen muss. Die Linie 2 wird auf jeden Fall ein finanzieller Kraftakt, der auf anderen Ebenen zu Verzichten zwingt. Zudem wird sie Ulm eine weitere Großbaustelle bescheren, die allen Ulmern Gelassenheit und Geduld abverlangt.