Wasserrecht BUND lobt Kläranlage in Lonsee-Halzhausen

Der BUND hat die Kläranlage in Lonsee-Halzhausen gelobt.
Der BUND hat die Kläranlage in Lonsee-Halzhausen gelobt. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Carolin Stüwe 30.12.2017
Umweltschützer fordern, dass auch die Klärwerke in Ehingen, Blaubeuren und Schelklingen eine vierte Reinigungsstufe bauen.

Untersuchungen von Flussabschnitten des Instituts für Seenforschung in Langenargen haben ergeben, dass auch in schwäbischen Flüssen abschnittsweise bis zu 90 Prozent der Fische – also auch viele Männchen – weiblich ausgeprägt sind, weil im Flusswasser zu viel Östrogene enthalten sind.

„Das ist ein Alarmzeichen“, sagt BUND-Regionalvorsitzender Ulrich Müller. Daher verlange der BUND, dass die Kläranlagen in Ehingen, Blaubeuren und Schelklingen vor dem Hintergrund ihrer neuen wasserrechtlichen Genehmigung den Stand der Technik baldmöglichst verbessern.

Das heißt konkret, dass nach der mechanischen, biologischen und chemischen Reinigungsstufe die vierte Stufe mit Aktivkohlefiltern gebaut wird. Diese laufe bereits erfolgreich im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm und sei in Lonsee geplant (wir berichteten). Was „diese kleine Anlage“ vorhabe, sei vorbildlich, lobt Müller.

Denn: Die Aktivkohle holt aus dem vorgeklärten Abwasser auch noch Rückstände von Röntgenkontrastmitteln und Medikamenten heraus; ebenso besagte Östrogene, die zum Teil vom Menschen ausgeschieden werden, wenn Frauen die Pille einnehmen.

Gar nicht zufrieden sind die regionalen Umweltschützer mit „den laschen Auflagen der wasserrechtlichen Behörde“. Im laufenden Jahr seien für die Kläranlagen in Ehingen, Blaubeuren, Schelklingen und Lonsee neue wasserrechtliche Genehmigungen beantragt worden, da die alten Genehmigungen ausgelaufen sind. „Im Falle der Anlage in Ehingen sogar seit Ende 2015, ab da ist von einem illegalen Betrieb der Anlage zu sprechen“, sagt Walter Birnbaum, der bei der BUND-Geschäftsstelle für die Koordination von Stellungnahmen verantwortlich ist.

Es reiche nicht aus, bei den Kläranlagen in Ehingen, Blaubeuren und Schelklingen „nur kleinere Maßnahmen“ zur Vermeidung der Grenzwertüberschreitungen bei Stickstoff und Phosphor vorzunehmen. Wobei diese Verbesserung in Ehingen immerhin knapp 700.000 Euro kosten wird.

Ein weiteres Problem in den drei Anlagen sind die Kapazitäten. Insbesondere im Fall der Kläranlage Ehingen sei jene ausgereizt und es komme bei Starkregen-Ereignissen „zu unkontrollierten und ungeklärten Schadstoffzuläufen in die Schmiech und die Donau“, beklagt Müller.

Ursache dafür sei unter anderem der Zuwachs an Abwassereinleitern, und dass es versäumt worden sei, die Anlagengröße anzupassen. Der Umweltverband befürchtet, dass die Genehmigung für die Kläranlage verlängert wird, ohne dass sich groß etwas ändert. „Der übliche Zeitraum einer wasserrechtlichen Erlaubnis sind 30 Jahre.“

Eine vierte Reinigungsstufe ist sehr teuer

Investition Lonsee, Amstetten und Nellingen müssen für die vierte Reinigungsstufe, Erweiterung und Sanierung der gemeinsamen Kläranlage bei Lonsee-Halzhausen Kosten in Höhe von 3,65 Millionen Euro schultern.

Wirkung Laut Ingenieur Werner Maier werden mit der neuen Reinigungsstufe – die Fertigstellung ist für 2020 geplant –  340 Stoffe zusätzlich aufgefangen, auch Medikamentenrückstände. Die Stufe sei notwendig, damit die Betriebserlaubnis nicht erlischt. Auf der Alb mit dem karstigen Untergrund seien Spurenstoffe ein sensibles Thema wegen der Trinkwasser­entnahme im Donauried. „Was auf der Alb versickert, kommt am Blautopf wieder raus.“ sab