Es wird bis zu 30 Jahre dauern, bis ein Standort für ein Atommüll-Endlager ausgewählt ist. Nochmal 30 Jahre gehen ins Land, bis der Standort ausreichend überprüft sein wird. Bis das Endlager gebaut und der Atommüll x-fach verpackt eingelagert ist, dauert es 50 Jahre, bis es verschlossen ist weitere 20. Und für die Überwachung werden 200 Jahre angesetzt. "Das ist ein Wahn, was unsere Gesellschaft da mit der Atomenergie angerichtet hat." Geologe Marcos Buser aus Zürich, der bereits eine Endlagersuche in der Schweiz begleitet hat, führte rund 80 Zuhörern im Haus der Begegnung drastisch vor Augen, welche zeitliche Dimension hinter so einer Atommüllentsorgung steckt. Die Kosten lassen sich heute noch gar nicht abschätzen.

Der Ulmer BUND hatte zur Diskussion "Wohin mit dem Atommüll" geladen. Moderator Raimund Kamm, Vorsitzender des Forums "Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik", war "froh um jeden Zuhörer" in Ulm, denn die Gesellschaft kümmere sich einfach nicht um das Thema Atommüll und die langen Halbwertszeiten etwa von Plutonium. Gut 30 000 Generationen seien davon betroffen.

Sedimente und Vulkanite sind für ein Endlager geeignete Wirtgesteine, erklärte Geologe Buser. Aber genauso der Opalinuston, weil er radioaktive Elemente binden kann. Dieser Ton kommt auch in der Ulmer Region bis Riedlingen in geeigneter Tiefe vor, weswegen der hiesige Standort genauso geprüft werden müsse wie das Salzlager in Gorleben. Bevor ein Endlager jedoch gebaut wird, müssten alle Unsicherheiten ausgemerzt sein: "Wir dürfen nicht das Problem begraben."

Und vor allem müssten die Bürger bei der Endlagersuche von Anfang an beteiligt werden und sei es über eine interaktive Homepage. Darin waren sich Experte Buser und Sylvia Kotting-Uhl, die atompolitische Sprecherin der Grünen aus Karlsruhe, einig. Sie unterscheidet zwischen der Transparenz - "vor allem regional" - als gesellschaftspolitischer Prozess und den Untersuchungen als wissenschaftlicher Part. Sorgen macht sie sich hierbei vor allem darum, dass keiner mehr Atomphysik studieren wolle. "Dieses Wissen stirbt jetzt bereits."

Bei der Diskussion mit dem Publikum antwortete Buser auf die Frage, warum man den Atommüll nicht auf den Mond schieße, das sei unbezahlbar. Und warum schließt man die europäische Lösung aus, außerhalb von Deutschland ein Endlager für alle zu bauen? Dann müsste erst der Atomausstieg europaweit greifen. Buser: "Wenn wir in Deutschland einen sicheren Standort haben, sind wir besser dran, als in 500 Kilometern Entfernung einen unsicheren zu haben."