Bücher Bulgarische Literatur: Klar, was gemeint ist

Gedenktafel für Ivailo Petrov an seinem einstigen Wohnhaus in Sofia.
Gedenktafel für Ivailo Petrov an seinem einstigen Wohnhaus in Sofia. © Foto: Babradov
Ulm / Otfried Käppeler 29.08.2018

Bulgariens Literatur und insbesondere der Schriftsteller Ivailo Petrov sind bei uns kaum präsent. Trotzdem oder gerade deshalb haben  die Buchhandlung Aegis und der Literatursalon Donau ihnen einen informativen Abend gewidmet. Referentin war Gertrud Roth-Bojadzhiev aus Augsburg, eine Kennerin des Metiers.

Wie oft in repressiven Gesellschaften, folgte auch Petrov der literarischen Strategie des Humors und der Ironie: Man benennt etwas nicht klar, der Leser erkennt aber genau, was gemeint ist. Folgt man der Referentin, konnten mit dieser literarischen Strategie die bulgarische Nomenklatura, das Problem der Mangelgüter (natürlich Bananen), das Schlangestehen oder die Planwirtschaft kritisiert werden. Ein ganzes Genre humoresker, sprachlich oft derber Literatur ist daraus in Bulgarien entstanden.

Petrov griff in seinem Roman „Ein göttliches Werk“ auf die Schöpfungsgeschichte zurück. Er geht nicht nur der Frage nach, was Gott eigentlich vor der Schöpfung getan habe. Auch die schwierige Erschaffung von Adam und Eva wird erzählt und es wird auch klar, wie der Teufel in die Welt kommt.

Adam ist Gott nicht so recht gelungen, viel zu antriebsarm hängt er im Paradies herum. Sein zweiter Versuch ist Eva; die gelingt auch nicht ideal, weil sie zu Adam eine rein platonische Beziehung pflegt. So wird das nichts mit der Menschheit.

Also startet Gott einen dritten Versuch, und es gelingt ihm ein recht pfiffiges Kerlchen. Sein Name: Satanail. Fazit: Ohne den Satan wäre es schon nach Adam und Eva vorbei gewesen mit der Menschheit. Die Erschaffung des Menschen überhaupt und die des neuen Menschen im Sozialismus hat also ihre Tücken.

Leider sei die Literatur Bulgariens bei uns noch ein weißer Fleck, sagte Gertrud Roth-Bojad­zhiev. Die Werke von Ivailo Petrov liegen aktuell nicht auf Deutsch vor. Allenfalls antiquarisch seien sie erhältlich, da sie zu Zeiten der DDR dort übersetzt worden seien.

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