Ulm / JÜRGEN KANOLD  Uhr
Vorhang auf für die "Junge Ulmer Bühne": Die Stadt fördert das Kinder- und Jugendtheater neu, und der Kulturausschuss gibt grünes Licht für die Fusion von Theater an der Donau und Jungem Akademietheater. <i>Mit einem Kommentar von Jürgen Kanold: Keine Ausreden mehr.</i>

Die Fachjury mäkelt unverdrossen: Marco Süß, Leiter der jungen WLB in Esslingen, und seine Kollegen zeigen sich "irritiert", dass der Ulmer Gemeinderat zwar das Kinder- und Jugendtheater in der Stadt mit mehr Geld fördert, aber "inhaltlich keinen mutigen Schritt vorwärts" macht. Die Fachleute haben nämlich kein Vertrauen in die Arbeit einer "Junge Ulmer Bühne", die aus der Fusion des Theaters an der Donau (Sven Wisser) und des Jungen Akademietheaters der AdK (Ralf Rainer Reimann) hervorgehen wird.

In einer schriftlich vorgelegten Einschätzung vermisst die Jury "wirkliche Visionen und Konzepte", sie hat große Bedenken an der Qualität der "Jungen Ulmer Bühne", empfiehlt nach wie vor eine nationale Ausschreibung um die Fördermittel. Ein ziemlicher Verriss der Bewerbung - würde man im Theaterjargon sagen. Aber: Der Kulturausschuss des Gemeinderats hat am Freitag einstimmig beschlossen, die "Junge Ulmer Bühne" für die Jahre 2017 bis 2019 zu fördern, mit 315.000 Euro pro Jahr - allerdings "auf Probe" bis Juli 2018, um zu sehen, ob sie sich bewährt. Zudem werden das Erste Ulmer Kasperletheater mit jährlich 20.000 Euro und die Kinder-Theater-Werkstatt mit 5000 Euro an Zuschuss bedacht.

Helga Malischewski (FWG) brachte es auf den Punkt: "Wir sind über unseren Schatten gesprungen, es ist nicht einfach, gegen eine Fachjury anzustimmen. Es war eine schwere Geburt, aber jetzt erwarten wir, dass die Akteure auch ihre Chance nutzen." Martin Ansbacher (SPD) sprach von einem "positiven Arbeitsdruck", Thomas Kienle (CDU) von einem "Quantensprung": Jetzt beginne die gewünschte Professionalisierung im Kinder- und Jugendtheaterbereich. Ralf Milde (FDP) kündigte eine "kritische Begleitung" der "Jungen Ulmer Bühne" (JUB) an.

Kulturbürgermeisterin Iris Mann dankte reihum und erinnerte auch an die gestiegenen Fördermittel im Kinder- und Jugendtheater: 123 000 Euro insgesamt mehr pro Jahr seien ein Wort. Und von den Zuschauerplätzen gab's lauten Applaus: von den erleichterten Machern. Ende des Jahres werden das Theater an der Donau und das Junge Akademietheater fusionieren, die Intendanz übernimmt Sven Wisser, die Geschäftsführung Angela Wingert, und Ralf Rainer Reimann von der AdK ist mit 50-Prozent-Auftrag als Regisseur und Dramaturg dabei.

Was bleibt, ist die Hauptspielstätte: das Alte Theater. Das befindet sich bekanntlich in einem sanierungsbedürftigen Zustand, aber eine kritische "Gefährdungsbeurteilung", so Kulturamtschefin Sabrina Neumeister, habe zumindest nur "verhältnismäßig überschaubare" Mängel festgestellt. Diese werden behoben. Ein Neubau fürs Kinder- und Jugendtheater: vorerst Wunsch, ja Traum. Sachlich gesprochen: "Es wird noch eine Weile dauern", so Iris Mann.

Und die durchaus umstrittene Fachjury: Sie darf bis Dezember 2017 weitermachen - da gab's allerdings dann doch drei Gegenstimmen.

Kommentar von Jürgen Kanold: Keine Ausreden mehr

Der Kulturausschuss hat vernünftig und auch lokalpolitisch korrekt entschieden: Man kann nicht einfach zwei gewachsene, anerkannte Kinder- und Jugendtheaterbühnen abwickeln, die zwar nicht nur das ganz große Theater machen, aber mit der bürgernahen "Spatzenwiese" oder der "Märchenjurte" auch solide Grundversorgung bieten. Dass die Fachjury deutlich mehr sehen möchte, ist durchaus verständlich. Wer möchte nicht ein bundesweit arriviertes Kinder- und Jugendtheater in seiner Stadt haben? Das allerdings ist mit 315 000 Euro pro Jahr nicht zu machen - von niemandem. Da müsste die Stadt, wie die Jury vor einem Jahr noch forderte, mindestens eine halbe Million Euro in die Hand nehmen. Und das marode Alte Theater ist dafür auch nicht der geeignete Hotspot. So ist nun Sven Wisser und seinem Team viel Glück zu wünschen. Ja, sie müssen wirklich professionell liefern. Die Fusion, der erhöhte Zuschuss, die neue Struktur: Ausreden gibt's jetzt keine mehr.