Schule Deutschkurs statt Ferien für 19 Geflüchtete in Ulm

Kurz vor der Prüfung: Ein Teil von insgesamt 19 Geflüchteten, die ihre Deutschkenntnisse vertieft haben.
Kurz vor der Prüfung: Ein Teil von insgesamt 19 Geflüchteten, die ihre Deutschkenntnisse vertieft haben. © Foto: Matthias Kessler
ulm / ulrike schleicher 04.09.2018

Also ich bin dankbar für dieses zusätzliche Angebot. Aber es macht nur Sinn, wenn man Interesse hat, ein Ziel vor Augen und versucht, weiter zu kommen.“ Der 21-jährige Ahamad Haidary hat offensichtlich keinerlei Probleme, sich auf Deutsch auszudrücken. Trotzdem ist er einer von 19 Geflüchteten im Alter von 19 bis 31 Jahren, die in den vergangenen Wochen keine Ferien hatten, sondern im Klassenzimmer geschwitzt haben, um ihre  Deutschkenntnisse zu verbessern.

Problem ist Lesen und Schreiben

„Sprechen können die meisten hier schon sehr gut. Es hapert eher am Lesen und Schreiben“, weiß Sabine Hanslovsky vom Bildungsinstitut fakt.ori in Söflingen, unter dessen Dach der siebenwöchige Kurs gelaufen ist. Ein Pilotprojekt, das mit Geld aus dem Integrationspakt des Landes finanziert wurde, das aber war erst Mitte Mai frei gegeben worden. In Kooperation mit der Stadt, dem Alb-Donau-Kreis, IHK, der Handwerkskammer und anderen musste alles deshalb kurzfristig auf die Beine gestellt werden.

Lesen und Schreiben ist wichtig, denn alle, die hier teilnehmen, beginnen im Laufe dieses Monats eine Ausbildung oder gehen in eine Berufsfachschule. Das war die Voraussetzung für eine Teilnahme. „In der Berufsschule müssen sie die Prüfungsaufgaben verstehen – das heißt, sie müssen gut lesen können – und schreiben auch, weil oft Kleinigkeiten an den Endungen eines Wortes den Sinn verfälschen“, erklärt Sabine Hanslovsky.

Es sei nicht einfach gewesen, den Kurs zu organisieren. „Welche Lehrmittel nehmen wir, damit es für alle passt“, beschreibt sie es. Denn die Sprachkenntnisse sind durchaus unterschiedlich. Oder: Wie können die Teilnehmer die Schulräume in Söflingen erreichen? Zum Beispiel wohnt einer in Untermarchtal hinter Ehingen. „Da fahren in den Sommerferien kaum Busse“, erklärt Anja Schlegel, die für Integration beim Alb-Donau-Kreis zuständig ist. Oder: Manche seien noch zur Schule und zum Praktikum gegangen, als der Kurs Mitte Juli begonnen hatte. Und: Wo bekommen wir die Lehrer her?

Aber mit vereinten Kräften hat es geklappt und hinter den Teilnehmern liegen sieben Wochen Büffeln. „Das ist schon toll, alle anderen hatten Ferien und die Schüler hier mussten im Klassenzimmer schwitzen“, sagt auch Christine Grunert von der Koordinierungsstelle Internationale Stadt Ulm anerkennend.

Für Ahamad Haidary keine Frage: „Ich habe meinen Hauptschulabschluss hier gemacht und nach einem Praktikum in einem Autohaus eine Werkstattlehre begonnen.“ Nun wechsle er die Lehrstelle: „Hier lerne ich nochmal etwas – das ist gut.“

Freundliche Atmosphäre

Auch sein Landsmann aus Afghanistan, Wakilahmad Hassansade, ist froh über das Angebot. Der 30-Jährige war in seiner Heimat selbstständiger Stuckateur und hat jetzt einen Ausbildungsvertrag als Bauarbeiter. „Ich habe drei Kinder und eine Frau, die müssen versorgt sein.“ Begeistert über die freundliche Atmosphäre im Kurs und wie viel er nochmal gelernt hat ist auch Sowe Kemo aus Gambia, der eine Ausbildung zum Elektriker beginnen wird. Zuhause habe er beim Film und in Musikstudios als Soundingenieur  gearbeitet. „Dass ich die Ausbildung jetzt machen kann, freut mich“, sagt der 31-Jährige.

So gut die Aussichten sind und so motiviert die Schüler – alle Drei plagt die Sorge um ihren weiteren Aufenthalt in Deutschland. „Wir wissen nichts“, sagt Haidary. Das sei bedrückend.

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Herkunft Die Teilnehmer stammen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea, Gambia, Indien, Togo. Mit Bestehen des Kurses haben sie das B1-Zertifikat. Kommendes Jahr soll wieder so ein Kurs stattfinden. Mitgeholfen haben auch viele ehrenamtliche Helfer, Lehrer und Beratungsstellen. Sie haben die Teilnehmer empfohlen.

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