Mit diesem Buch sei es wie mit einer Schachtel edler Pralinen, sagt Thomas Mahr: „Man kann sie gierig essen, oder den Genuss zelebrieren und in die Länge ziehen.“ Die Rede ist von der Anthologie „Der Fluss“ – so heißt die Buchempfehlung des Langenauer Buchhändlers, gemeint ist die Donau. Diese Sammlung, herausgegeben von Edit Király und Olivia Spiridon, sei die schönste Liebeserklärung an den Strom, sagt Mahr: „Am besten liest man das in kleinen Dosen. So währt die Freude am längsten.“ Die Anthologie sei das gelungene Ergebnis eines universitätsübergreifenden Projekts, das sich unter dem Titel „Danubylon“ zu Wort meldet.

Für den Buchhändler ist die Stärke des Buches, dass die Geschichten weder chronologisch noch geografisch eingeteilt sind, sondern nach Themen, wobei die Autorinnen jedes Kapitel mit einem klugen Essay einleiten. Unter dem Kapitel „versunkene Insel“ werde mit Egon Erwin Kisch oder Mircea Cartarescu der Mythos der Insel Ada Kaleh lebendig, die in den 70er Jahren einem Staudammprojekt zum Opfer fiel. Arnolt Bronnen berichte von einem Liebesdrama, das sich während des Hochwassers 1954 in Oberösterreich abgespielt hat.

Bibliophiles Ereignis

Die Texte wechseln laut Mahr zwischen Tagebuchaufzeichnung, Romanauszug, Gedicht und Reisebericht und verstärken das Bild der kulturellen Vielfalt. Eine Donauanthologie der anderen Art: „Die Geschichten sprudeln wie Donauwasser manches Mal wild durcheinander, dann wieder in ruhigerem Fahrwasser wohlgeordnet und reflektiert.“ Zum bibliophilen Ereignis werde das Buch durch viele Bilder, die weitere Geschichten erzählen. „Natürlich werden Donauenthusiasten Bekanntes wiederentdecken, doch das Buch ist eine so schillernde Donaufahrt, dass selbst der größte Donaukenner noch Neues entdecken wird.“

Info Edit Király und Olivia Spiridon (Hg.): Der Fluss. Eine Donau-Anthologie der anderen Art. Jung und Jung, 492 Seiten, 26 Euro.