Buchtipp Buchtipp des Monats: Philip Roths Roman „Amerikanisches Idyll“

Christiane Hofmann mit ihrem Tipp.
Christiane Hofmann mit ihrem Tipp. © Foto: Lars Schwerdtfeger
lgh 11.08.2017
Wiedergelesen: Buchhändlerin Christiane Hofmann empfiehlt Philip Roths Roman „Amerikanisches Idyll“.

Vor 20 Jahren ist das Buch erschienen, das Christiane Hofmann von der Buchhandlung Hofmännle empfiehlt: Philip Roths „Amerikanisches Idyll“, das 1998 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Roth erzählt die Geschichte des ehrbaren amerikanischen Bürgers Seymour Levov, dessen Lebensplan zerbricht.

Levov ist groß, vital, seit jungen Jahren Spitzensportler. Er wird bewundert und hofiert, ein Unverwundbarer, ein strahlender Held, man nennt ihn „den Schweden“. Levov heiratet eine Schönheitskönigin, macht Karriere als Handschuhfabrikant, bezieht ein herrliches Anwesen auf dem Land; seine hübsche Tochter Merry ist sein Augenstern. Merry ist begabt, in der Schule ein Ass, hat eigenständige intelligente Gedanken. Auf die Frage der Lehrerin „was ist das Leben?“ lautet Merrys Antwort: „Das Leben ist nur ein kleiner Zeitraum, in dem man lebendig ist“. Dieses erste Kapitel ist mit „Erinnerungen an das Paradies“ überschrieben, danach ändern sich die Zeiten dramatisch. Der Krieg in Vietnam ist auf dem Höhepunkt, Merry mutiert zur militanten Gegnerin und zündet eine Bombe. Hier beginnt die Klage um die verlorene Tochter, beginnen die verzweifelten Versuche, sie ins bürgerliche Familienleben zurückzuholen.

Ein Buch, das Fragen aufwirft

Roths Sätze seien perfekt, oft knapp, der Roman behandle Grundfragen unseres Daseins voller Nachdenklichkeit und Melancholie, sagt Hofmann. „Als ich das Buch gelesen hatte, habe ich sofort die erste Seite wieder aufgeschlagen und es zum zweiten Mal gelesen, mit noch mehr Genuss.“ Eine Frage habe sie sich nicht beantworten können: „Schildert Roth den Untergang der Rechtschaffenen oder die Verblendung einer gesettleten Oberschicht? Eventuell ist sich der Autor da selbst nicht ganz sicher.“ Für Christiane Hofmann schließen sich Fragen an: Was ist verkehrt an ihrem Leben,  was um alles in der Welt ist weniger verwerflich als das Leben der Levovs?

Info Philip Roth: Amerikanisches Idyll. Rowohlt, 576 Seiten, 10.99 Euro.