Straßenbahn Brückenschlag der Straßenbahnbrücke ist vollendet

Kurz vor 12 Uhr hat die Straßenbahnbrücke das Widerlager an der Kienlesbergstraße erreicht (unten), zur Freude der Verantwortlichen. An dieser wichtigen Stelle des Stadtbilds wurde besonderer Wert auf die Ästhetik gelegt. Die wellenartige Konstruktion ist ein Entwurf des renommierten Londoner Büros Knight.
Kurz vor 12 Uhr hat die Straßenbahnbrücke das Widerlager an der Kienlesbergstraße erreicht (unten), zur Freude der Verantwortlichen. An dieser wichtigen Stelle des Stadtbilds wurde besonderer Wert auf die Ästhetik gelegt. Die wellenartige Konstruktion ist ein Entwurf des renommierten Londoner Büros Knight. © Foto: Volkmar Könneke
Chirin Kolb 29.04.2017
Bei den Bauarbeiten für die Straßenbahnlinie 2 ist ein erster Meilenstein erreicht. Ein „Tag großer Freude für Ulm“, findet Finanzbürgermeister Martin Bendel.

Punktgenau hat alles gepasst. Die Straßenbahnbrücke ist nach 270 Metern zentimetergenau da angekommen, wo sie hin sollte: am Widerlager an der Kienlesbergstraße. Und genau in dem anvisierten Zeitrahmen. Ohne größere Zwischenfälle während der bisherigen Bauzeit und vor allem: ohne Unfälle. Für Finanzbürgermeister Martin Bendel ist deshalb klar: „Das ist ein Tag großer Freude für Ulm.“

Das auch deswegen, weil mit dem vollendeten Brückenschlag über die Bahnanlagen ein Meilenstein des Projekts Linie 2 erreicht sei. Die Straßenbahnbrücke sei „ein wunderbares Zeichen dafür, was Ingenieurskunst und gute Koordination vollbringen können“, sagte Bendel beim Pressetermin. Der Bürgermeister dankte allen Beteiligten. Auch Anwohnern und Bürgern, denn der Straßenbahnbau bringe für sie etliche Belastungen und verkehrliche Einschränkungen mit sich.

Der Bau der Brücke sei „sehr, sehr komplex und schwierig“, sagte der neue Geschäftsführer der SWU Verkehr, André Dillmann. Gerade auch wegen des Zugverkehrs und der Bauarbeiten der Deutschen Bahn an der Neubaustrecke nach Stuttgart.

Auch am Freitag verfolgten etliche Interessierte, wie sich die Brücke Zentimeter um Zentimeter dem Widerlager näherte. Die 270 Meter lange Stahlkonstruktion, die in ihrem Endzustand 2500 Tonnen wiegt, wurde Stück für Stück Richtung Kienlesbergstraße geschoben. Im letzten, elften Verschub mussten 40 Meter überwunden werden. Kurz vor 12 Uhr war es geschafft.

Nun ragt der auffällige rote Vorbau-Schnabel an der Brücke auf die Kienlesbergstraße. Er war nötig, damit bei jedem Verschub das nächste sichere Auflager gut erreicht werden konnte, sagt SWU-Projektleiter Thomas Harter. Der Schnabel verhinderte, dass die Brücke wegkippte wegen ihres Gewichts. Jetzt, da das Widerlager erreicht ist, muss der Schnabel weg. Er zieht nun wegen seines Gewichts die Brücke gewissermaßen runter. Deshalb wird er nächste Woche abgetrennt.

Baugrund sorgt für Mehrkosten

Überhaupt ist die Brücke längst nicht in ihrer endgültigen Lage. Sie ruht noch nicht auf ihren eigentlichen Pfeilern, sondern auf einer Hilfskonstruktion, gut zu erkennen an der ebenfalls roten Farbe. Die Brücke wird im Mai und Juni um mehr als drei Meter abgesenkt – ebenfalls Zentimeter um Zentimeter. Nach dem Absenken wird die Brücke mit ihren Stützpfeilern verschweißt.

Auch dann ist sie noch lange nicht fertig. Auf den Stahl kommt eine 20 Zentimeter dicke Betonschicht, in die die Gleise mit einer Spezialmasse eingegossen werden. Außerdem fehlen beispielsweise Fahrleitungen und Beleuchtung. Im Sommer nächsten Jahres soll die Brücke aber „weitestgehend betriebsbereit“ sein, sagte Ralf Gummersbach von den SWU, der Projektleiter für den Bau der Linie 2. Im Spätsommer 2018 sollen dann die ersten Straßenbahnen im Probebetrieb über die Brücke fahren.

Insgesamt liegen die Baukosten für die Linie 2 inklusive Erweiterung des Betriebshofs und Anschaffung der Straßenbahnwagen bei 250 Millionen Euro. 18,5 Millionen davon entfallen auf die Brücke – 2,5 Millionen mehr als ursprünglich geplant.

Die Mehrkosten sind vor allem dem schwierigen Baugrund geschuldet, sagte Gummersbach. Das Karstgestein, das auch der Bahn bei ihrem Bau zu schaffen macht, war immer wieder für Überraschungen gut und offenbarte Hohlräume, wo trotz aller Sondierungen keine vermutet worden waren. Die Auswirkungen beschreibt Gummersbach so: „Manche Bohrpfähle mussten doppelt so lang werden.“

Aus „Bellevue“ wurde nichts

Historie Ursprünglich war überlegt worden, die Straßenbahn Richtung Eselsberg auf der Neutorbrücke fahren zu lassen. Diese Idee schied schnell aus, berichtete Projektleiter Ralf Gummersbach. Die Neutorbrücke ist zu schmal für Begegnungsverkehr und hätte auf Dauer Lasten von 60 Tonnen nicht ausgehalten. Also fiel die Entscheidung für eine neue Brücke.

Haltestelle Auf der neuen Brücke hätte nach ersten Überlegungen eine Haltestelle eingerichtet werden sollen. Sie hatte auch schon einen Namen: „Bellevue“ wegen der guten Aussicht über die Bahnanlagen und die Stadt. Doch die Haltestelle wäre zu teuer geworden – vor allem, weil extra ein Steg als direkter Zugang vom Kienlesberg her hätte gebaut werden müssen.