Nach Brückeneinsturz auf A10 Brücken: Keine Einsturzgefahr in Ulm und Neu-Ulm

Viele Brücken (hier die Beringerbrücke) sind Sanierungsfälle oder gar abrissreif.
Viele Brücken (hier die Beringerbrücke) sind Sanierungsfälle oder gar abrissreif. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm/Neu-Ulm / Christoph Mayer 15.08.2018
Auch wenn viele Bauwerke marode sind, ist in Ulm/Neu-Ulm eine Katastrophe wie in Genua fast ausgeschlossen, sagt ein Experte.

Wie sicher sind die Brücken in Ulm und Neu-Ulm? Nach dem Brückeneinsturz am Dienstag in Genua bekommt diese Frage Brisanz: Denn dass an städtischen Brückenbauwerken vieles im Argen liegt, ist bekannt (siehe Infokasten) und immer wieder Thema in der SÜDWEST PRESSE. Umfangreiche Sicherheitschecks, Sanierungsmaßnahmen und Sperrungen waren in den vergangenen Monaten die Folge und hatten neben Verkehrsbeschränkungen auch eine kommunalpolitische Debatte ausgelöst.

Grund zur Panik besteht Gerhard Fraidel zufolge nicht. Der Leiter der Abteilung Verkehrsinfrastruktur bei der Stadt Ulm  legt Wert auf die Feststellung, dass man alle sanierungsbedürftigen oder gar irreparabel beschädigten Bauwerke regelmäßig unter die Lupe nehme, stets nach dem Vier-Augen-Prinzip. „An manchen Brücken, wie der durch Rost besonders in Mitleidenschaft gezogenen Beringerbrücke, kontrollieren wir sogar täglich.“

Alarm via Monitor

Zudem gebe es weitere Sicherungssysteme. So sei an der Adenauerbrücke eine Monitoring-Anlage installiert. „Sie registriert jede Veränderung und meldet sie an den TÜV weiter.“  Konkret heißt das: Biegt sich die Brücke unter der Last eines Sattelschleppers, ist das in Ordnung. Würde sie danach nicht in ihre Ausgangsposition zurückkehren, würde das einen Alarm auslösen.

Die Ende Juni teilgesperrte Gänstorbrücke soll Fraidel zufolge in den nächsten Wochen ein ähnliches Konzept erhalten. Dort gehe man sogar einen Schritt weiter und messe mittels eines akustischen Systems: Das „höre“, wenn sich in der Struktur etwas verändere. „Das ist das Modern­ste, was es gibt.“ Auch an der Ludwig-Erhard-Brücke seien Sensoren eingebaut.

Bleibt die Frage: Schützen diese Maßnahmen vor einem plötzlichen Einsturz, wie er offenbar in Genua vorlag? Fraidel zufolge ja. Ob eine Brücke schlagartig oder angekündigt versage, hänge maßgeblich von der Bauweise ab. Nach Gesprächen mit Statikern tendierten hiesige Brücken im Fall des Falls zu angekündigtem Versagen. „Man würde sehen, wenn das Bauwerk durchhängt und könnte reagieren.“

Nur eine Ausnahme nennt Fraidel: Bei einer B-10-Brücke über die Blau in Höhe der Firma Schwenk handele es sich um eine so genannte Sigma-Spannstahlbrücke, die dazu tendiere, schlagartig zu versagen. Aktuell sei da aber nichts zu befürchten: „Sie wird regelmäßig geprüft, es gibt keine Auffälligkeiten.“

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Die größten Sorgenkinder

Schäden Der Sanierungsbedarf an Ulmer Brücken ist hoch. Viele sind in die Jahre gekommen, zudem hat die Verkehrsbelastung stark zugenommen. Die größten Sorgenkinder:  die Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm – sie soll ersetzt werden, die Kosten trägt der Bund; die Wallstraßenbrücke und Brücke übers Blaubeurer Tor; die Ludwig-Erhard-Brücke nördlich des Hauptbahnhofs, bei der Schäden an der Fußgängerbrüstung auftraten; die seit Ende Juni teilgesperrte Gänstorbrücke über die Donau. Die Beringerbrücke in der Weststadt, sie ist seit Ende 2017 komplett für den Autoverkehr gesperrt.

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