Neu-Ulm Brücke über den Kreisverkehr

Blick in die Zukunft: An der Europastraße (B 10) soll an der Otto-Hahn-/Otto-Renner-Straße eine Brücke entstehen
Blick in die Zukunft: An der Europastraße (B 10) soll an der Otto-Hahn-/Otto-Renner-Straße eine Brücke entstehen © Foto: Stadt Neu-Ulm
Neu-Ulm / BERND RINDLE 18.06.2016
Wirtschaftlichkeit vor Ästhetik: Die zum Kreisel werdende Kreuzung Otto-Hahn-/Otto-Renner-Straße in Neu-Ulm wird weitläufig überbrückt.

Drunter oder drüber war die Frage, mit dem sich der Neu-Ulmer Stadtrat hinsichtlich des weiteren Ausbaus der Europastraße zu befassen hatte. Nachdem die Kreuzung an der östlichen Stadteinfahrt als letztes Nadelöhr ausgemacht worden war, soll die B 10 auf Neu-Ulmer Gemarkung nun endgültig zur Stadtautobahn werden. Ein Vorhaben, das im weiteren Zusammenhang auch mit dem geplanten vierspurigen Ausbau der Bundesstraße durchs Pfuhler Ried Richtung Nersingen korrespondiert.

Zu diesem Behufe hat das Staatliche Bauamt Krumbach zwei mögliche Varianten der Über-, beziehungsweise Unterquerung der Kreuzung vorgelegt. Obwohl die Stadt nicht Herr des Verfahrens ist, sondern der Bund, muss sie knapp die Hälfte – 48,5 Prozent – der Kosten tragen. Dafür darf sie zumindest entscheiden, welche der vorgelegten Lösungen umgesetzt werden soll, was sich letztlich an den Kosten orientieren sollte und nicht an städtebaulicher Ästhetik.

Was die Krumbacher Beamten anzubieten hatten, war einerseits die Version „Hochlage“ – eine 300 Meter lange Brücke samt acht Meter breiter Fahrbahn über die zum Kreisverkehr umzubauende Kreuzung. Die Variante „Tieflage“ sieht dagegen eine lichte Unterführung vor, ähnlich des bereits bestehenden Trogs an der Kreuzung Europa-/Reuttier Straße. Während sich der kommunale Kostenanteil für die Brücke auf 2,27 Millionen Euro beläuft, würde die Unterführung mit 4,38 Millionen Euro fast das Doppelte verschlingen, da diese Lösung eine umfangreiche Kanalverlegung erfordert, was von der Stadt alleine zu schultern wäre.

 Angesichts dessen hielt man es im Gremium mit dem römischen Dichter Ovid, wenngleich in abgewandelter Form: „Ich sehe das Bessere und folge dem Günstigeren.“ Unumwunden sagte Markus Krämer: „Eines ist klar: Besser wäre es für die Stadt, unten durch zu fahren.“ Obwohl die Brücke für den Stadtbaudirektor einen „erheblichen Eingriff in das Stadtbild“ darstellt, beugt er sich der Vernunft: „Das Kostenargument kann keiner von der Hand weisen.“ Auch nicht sein Chef. „Am Anfang war für mich klar, dass wir unten bleiben“, bekannte OB Gerold Noerenberg. „Ich bin aber sehr schnell umgekippt, denn das mit dem Kanal kostet uns ein Schweinegeld.“

Nicht aus Überzeugung, aber dafür „mit Bauchgrimmen“ kündigte Rainer Juchheim (Grüne) an, dass seine Fraktion der Brücke „wegen des Grundsatzbeschlusses, die Europastraße zu ertüchtigen“ zustimmen werde. „Unauffällig wird dieses Bauwerk nicht“, sagte Johannes Stingl (CSU), der es als „städtebauliche Herausforderung“, aber „vertretbares Vorhaben vor dem Hintergrund der Sparsamkeit“ bezeichnete.

„Wir können damit leben, sind aber alle nicht ganz begeistert“, wollte Antje Esser (SPD) nicht verschweigen, dass das Modell Tieflage „die elegantere Lösung“ wäre. Für die Brücke spreche immerhin „die bessere Sichtbarkeit der Gewerbetreibenden“. Während Andreas Schuler signalisierte, dass die Freien Wähler „auch zustimmen werden“, begrüßte Albert Obert (Bürger pro Neu-Ulm) den Entwurf: „Wir meinen, Neu-Ulm präsentiert sich immer großstädtischer, da gehört auch so eine Brücke dazu.“

Dieser Ansicht waren Gerhard Hölzel und Ulrich Seitz (beide SPD) nicht: Als einzige verweigerten sie der Brücken-Variante ihre Zustimmung.