Mit so regem Besuch hatte der Linken-Kreisverband Ulm/Alb-Donau wohl nicht gerechnet. Mehr als 80 Besucher drängten sich beim ersten Neujahrsempfang der Partei im Hinterzimmer des Kornhauskellers, darunter auch Stadträte von Grünen, SPD und FWG. "Es ist uns wichtig, künftig stärker an die Öffentlichkeit zu gehen", hatte Kreisverbandsvorsitzende Eva-Maria Glathe-Braun zu Beginn gesagt. Wohl auch, um dem in den vergangenen Monaten durch überwiegend negative Schlagzeilen geprägten Erscheinungsbild der im Flügelstreit liegenden Bundespartei etwas entgegenzusetzen.

Hinzu kommt "der jüngste Paukenschlag", wie es die Tübinger Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel formulierte: Die kürzlich bekannt gewordene Beobachtung führender Genossen durch Verfassungsschützer, die "ein absoluter Skandal" sei. Man werde kriminalisiert, nur weil man den Kapitalismus mit seinen negativen Auswirkungen in Frage stelle. "Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen." Hauptrednerin Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, schlug einen großen Bogen. Von Stuttgart 21 ("Die infrastrukturelle Entwicklung findet überwiegend auf Druck und zum Nutzen der Unternehmen statt") bis zur Euro-Krise, bei der das Gros der Bevölkerung von den Politikern für dumm verkauft werde. "Es gibt keine Staatsschuldenkrise, sondern eine Verteilungskrise", sagte Leidig.

In fast allen EU-Staaten habe man den öffentlichen Sektor durch Senkung der Steuern in den vergangenen Jahren ausbluten lassen - zugunsten höherer Unternehmensgewinne. "Die reichsten Griechen haben 200 Milliarden Euro auf Schweizer Banken deponiert." Und auch in Deutschland seien die Vermögen der 100 Reichsten 2011 um 6 Prozent auf 300 Milliarden Euro angewachsen. Nur die Einführung einer Vermögenssteuer "in beträchtlichem Ausmaß" könne das Auseinanderdriften der Gesellschaft stoppen. Konkret: eine einmalige 30- bis 50-prozentige Abgabe. "Wer mehr als eine Million Euro besitzt, soll die Hälfte abgeben."

Das Abendprogramm bestand nicht nur aus Politik. Sängerin Mia Constantine trug zwischen den Reden Brecht-Lieder und Selbstgereimtes vor, dazu gab es Freibier. Das Budweiser lief am besten.