Region Brauer in der Region lehnen Fracking zur Erdgasförderung ab

Brauer sind Verfechter des Reinheitsgebots und des reinen Trinkwassers. Aus diesem Grund halten sie nichts von Fracking, der umstrittenen Methode der Erdgasförderung. Foto: Lars Schwerdtfeger
Brauer sind Verfechter des Reinheitsgebots und des reinen Trinkwassers. Aus diesem Grund halten sie nichts von Fracking, der umstrittenen Methode der Erdgasförderung. Foto: Lars Schwerdtfeger
Region / CAROLIN STÜWE THOMAS STEIBADLER 03.06.2013
Fracking ist eine Gefahr fürs Wasser und damit fürs Bier - zumindest nach Ansicht der Brauwirtschaft, die sich gegen die umstrittene Gasfördermethode ausspricht. Hiesige Brauer schwören auf ihr Wasser.

Hopfen und Malz - Gott erhalts. Die Hefe ist ohnehin ein Naturprodukt. Aber ist das Wasser in der Erde künftig noch rein genug, um zu Mineralwasser, alkoholfreien Getränken und Bier veredelt zu werden? Der Deutsche Brauer-Bund wehrt sich jetzt entschieden gegen die Erdgasfördermethode Fracking (Hydraulisches Aufbrechen), die in den USA schon gang und gäbe ist. Der Brauer-Bund befürchtet eine "langfristige Beeinträchtigung der wasserführenden Schichten im Boden", wobei noch offen ist, ob Fracking in Deutschland überhaupt im großen Stil und per Gesetz zugelassen wird.

"Wir stellen uns hinter den Brauer-Bund, weil man die Auswirkungen des Frackings noch gar nicht abschätzen kann", sagt Stefan Voggesser. Der Marketingleiter von Gold Ochsen vertraut bislang dem reinen Wasser von der Schwäbischen Alb, das die Ulmer Brauerei aus ihrem eigenen, 234 Meter tiefen Brunnen fördert. Was da sprudelt, wird pro Jahr zu insgesamt 660 000 Hektolitern - ein Hektoliter sind 100 Liter - Bier und alkoholfreien Getränken wie Pepsi verarbeitet. Dieses Wasser werde regelmäßig auf seine Qualität hin geprüft.

Braumeister Artur Russ von der Söflinger Kronenbrauerei verwendet zum Bierbrauen das "hervorragende Stadtwasser", das alle Ulmer trinken. Er muss es nur noch enthärten von 15 auf 3 bis 4 Härtegrade, je nach Biersorte. Zum umstrittenen Fracking meint Russ, dass das Mineralwasser durchs Fracking viel gefährdeter sei. "Denn Bier wird anderthalb Stunden lang bei mehr als 100 Grad gekocht."

Eine klare Meinung hat auch Werner Zoller, Brau- und Malzmeister und Inhaber der Brauerei Schlössle im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen: "Sollte unsere Trinkwasserversorgung von Fracking betroffen sein, so hat ein Großteil der Bevölkerung darunter zu leiden, nicht nur eine kleine Brauerei." Er lehne Fracking deshalb persönlich ab, sagt Zoller. Das Schlössle verwendet beim Brauen ebenfalls das streng kontrollierte Trinkwasser der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm.

Auch Ebbo Riedmüller vom Barfüßer in Ulm und Neu-Ulm "dreht einfach den Wasserhahn auf" und zählt sich absolut zu den Fracking-Gegnern. "Man muss den Amerikanern nicht alles nachmachen." Es gehe nicht an, dass man überall in der Natur eingreift, "damit ich irgendwo ein Gas herkriege". Würde das Wasser verunreinigt, wäre das eine Katastrophe.

Nicht geschimpft ist Lob genug. Wenn also Jörg Gnann, Braumeister der Pflug-Brauerei in Hörvelsingen, mit dem Rohstoff Wasser "recht zufrieden" ist, kommt das einer Lobeshymne gleich. Die gebührt in diesem Fall dem Zweckverband Wasserversorgung Ulmer Alb. Der pumpt Trinkwasser, das im Tiefbrunnen im Kleinen Lautertal gewonnen wird, unter anderem in den Langenauer Teilort. Pro Jahr verbrauchen die Gnanns 2,5 bis 2,7 Millionen Liter in ihrem Familienbetrieb. Dazu gehören außer der Brauerei eine Gaststätte und die Landwirtschaft. Die Leitung mit dem Brauwasser sei extra verplombt, sagt Gnann, und alle drei Wochen werden Proben gezogen. Im Labor der Landeswasserversorgung in Langenau nehmen Fachleute den flüssigen Rohstoff des Pflug-Biers unter die Lupe. Einige Male im Jahr untersuche auch das Wissenschaftszentrum Weihenstephan, das zur Technischen Universität München gehört, Proben aus Hörvelsingen. Grund zur Beanstandung habe es noch nie gegeben, sagt Gnann. Das werde auch so bleiben, ist der Braumeister überzeugt. Völlig zu Recht gelten seiner Meinung strenge Regeln für den Trinkwasserschutz. An die müsse er sich als Landwirt halten, und an denen werde auch die Erdgasindustrie nicht vorbeikommen. Gleichwohl bleibe er ein kritischer Beobachter der Fracking-Diskussion.