Der Ort war gut gewählt, die Gästeschar bei der CDU-Veranstaltung 90 Minuten Politik jedoch sehr überschaubar. In der Cafeteria der ehemaligen Hochschule für Gestaltung (HfG) ging es um das Urheberrecht, was durch das angestrebte und derzeit viel diskutierte globale Abkommen ACTA genügend Brisanz hat. Dennoch waren nicht einmal 20 Gäste zu zählen, darunter die Veranstalter selbst.

Dabei konnte die CDU in dem Tübinger Rechtsprofessor Norbert Flechsig einen profunden Referenten aufbieten, dessen Position aber deutlich von der Jugendorganisation der Partei abweicht. Während der Professor die Frage, ob es überhaupt noch eines Urheberrechts bedarf, mit einem klaren Ja beantwortete, wollte der Vertreter der jungen CDU, Christof Nagel, zumindest eine Anpassung an die Zeit.

"Wir müssen das Urheberrecht auf jeden Fall ändern und von der analogen auf die digitale Welt übertragen", sagte der Stadtrat. Er kritisierte, dass die Erarbeitung des internationalen Handelsabkommens ACTA ein intransparenter Prozess gewesen sei und deshalb ad acta gelegt werden müsse.

Da wollte der Professor nicht mitgehen und hielt dagegen. Wiewohl Deutschland das Abkommen wegen anderer Schutzbestimmungen nicht wirklich brauche, eröffne ACTA die Chance, weltweit die Produktpiraterie einzudämmen und das geistige Eigentum zu schützen - auch und gerade in asiatischen Ländern. Formulierungen jedenfalls wie von der Piraten-Partei, die in ihrem Parteiprogramm von einem "veralteten Verständnis von so genanntem geistigen Eigentum" schreibt, erteilte er eine Absage.

Überdies führe die zunehmende Ausrichtung des Lebens auf die digitale Welt im Internet zu einer gewissen Vereinsamung, die den Aufbau sozialer Netzwerke erschwere und vor allem das Recht auf Anonymität angreife und den Persönlichkeitsschutz unterhöhle, wozu die Piraten überhaupt nichts sagen würden. "Wir brauchen das Urheberrecht, weil das auch ein Persönlichkeitsrecht ist und nicht nur den materiellen Schutz garantiert", sagte Flechsig, der deutliche Vorbehalte gegen die ebenfalls von den Piraten favorisierte "liquid Democracy" hat: "Wir kommen nicht zwangsläufig zu besseren Lösungen, wenn Hinz und Kunz mitreden."