Ulm / BIANCA FRIESS  Uhr
Nicht nur die deutschen Brezeln haben es ihnen angetan: Von ihrer Tour durch Ulm nehmen brasilianische Bäcker einige Anregungen mit. Die Technologie der Schapfenmühle beeindruckte die Besucher.

Am so genannten Plansichter der Schapfenmühle verstummen die Besucher. Sie scheinen sich alle Details genau einprägen zu wollen. Erst vor der Tür erklärt Müllermeister Georg Dinkel den genauen Zweck der lärmenden Maschine: Hier werden Schrot, Mehl und Grieß voneinander getrennt. Die Gruppe hört interessiert zu, ab und an gibt die Dolmetscherin eine Zwischenfrage weiter.

Hintergrund des Rundgangs durch die Ulmer Schapfenmühle ist ein Besuch brasilianischer Bäcker. Eine Bildungskooperation mit der Handwerkskammer Ulm soll den 31 Besuchern das deutsche Knowhow näherbringen. Der Fokus liege auf der Produktvielfalt, aber auch auf Trends, Techniken und Rohstoffen, sagt Yasmin Schneider von Handwerk International Baden-Württemberg, der Gesellschaft, die den Besuch mit koordiniert hat.

Wichtig sei außerdem, den Brasilianern die Grundzüge einer dualen Berufsausbildung näher zu bringen, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. "In Brasilien arbeitet man drei Monate mit, dann ist man Bäcker", sagt er.

Gestartet ist die Delegation aus dem südlichen Brasilien auf der Bäckerei-Messe iba in München. Am Mittwoch stand dann eine Führung durch die Bäckerei Staib und die Schapfenmühle in Ulm auf dem Programm. Alle seien sehr interessiert an den Produktionsabläufen, meint Mehlich. Das bestätigt auch Müllermeister Dinkel, der die Führung leitet. "Man merkt, dass hier Fachleute dabei sind", sagt er. Die Fragen seien manchmal recht speziell.

Es geht hinauf auf den höchsten Getreideturm der Welt - rund eine Minute braucht der Aufzug, um die Höhe von 115 Metern zu erreichen. Oben bietet sich den Besucher ein Ausblick über Ulm bis zu den Alpen - "das gibt es auch nur ein paar Mal im Jahr", betont der Müllermeister. Er nutzt den Ausflug auf die Plattform, um den Brasilianern die Vorzüge von Dinkel zu erklären. Während die einen mit Hilfe der Dolmetscherin eine Diskussion über den Eiweißgehalt dieses Getreides in Gang bringen, nutzen andere den Ausblick lieber für Gruppenfotos.

Was sie an der deutschen Backkultur am meisten beeindruckt, ist die große Vielfalt an Broten, sagt eine Brasilianerin. Bei ihr Zuhause gebe es fast nur Weißbrot. In Deutschland sei die Technologie zudem viel weiter, ergänzt ein Besucher, der in seiner Heimat eine eigene Bäckerei hat. Die Produktionshalle von Staib sei deshalb für ihn sehr beeindruckend gewesen.

Begeistert wirkt die Delegation auch von den deutschen Brezeln. Doch ob sich das Laugengebäck in Brasilien durchsetzen könnte? Das glauben sie dann doch eher nicht.

Das Projekt

Bildung Die Handwerkskammer Ulm hat eine Kooperation mit dem brasilianischen Verband Senai aufgebaut, der die berufliche Aus- und Weiterbildung in der Industrie fördert. Der Fokus liegt auf dem Wissenstransfer sowie auf dem Aufbau von Grundzügen beruflicher Bildung in Brasilien. Das Projekt bezieht gängige Handwerksberufe sowie Berufe in Zusammenhang mit erneuerbaren Energien ein.