Prozess Gericht: Brandstiftung in der Tiefgarage

Ulm / Hans-Uli Mayer 02.12.2016

Ein in der Mitte zerrissener 50-Euro-Schein vor der Wohnungstür eines russischen Akademiker-Paares sorgt in einem Prozess wegen Brandstiftung für Diskussionsstoff. War es eine Warnung? Und wenn ja, von wem?

Hintergrund ist die vertrakte Geschichte eines ausgebrannten Wagens in der Tiefgarage einer Ulmer Wohnanlage. Der Schaden ist groß und wird mit 300 000 Euro angegeben. Angeklagt ist der 33-jährige Sohn des Ehepaares, das zu diesem Zeitpunkt im Mai vor zwei Jahren auf Geschäftsreise in Moskau war.

Die Anklage glaubt an einen Rückfall des Mannes, dem ein halbes Jahr zuvor im Oktober 2013 der Führerschein nach einer Trunkenheitsfahrt entzogen worden war. In der Mainacht, so die Anklage, soll sich der 33-Jährige aber in der Wohnung der verreisten Eltern den Autoschlüssel besorgt und betrunken durch die Stadt gefahren sein.

Nicht ganz ohne Zwischenfälle, jedenfalls fand man weit weg von der Wohnung in Böfingen mehrere Wagenteile und an dem ausgebrannten Pkw überdies die passenden Unfallspuren. Aus Angst vor den Eltern, so die Anklage, soll der Mann den Wagen angesteckt haben, um die Spuren zu vertuschen.

Der Angeklagte schweigt

Zum Prozessauftakt am Donnerstag äußerte sich der Angeklagte nicht. Er war allerdings in jener Mainacht vor zwei Jahren vor der Tiefgarage festgenommen worden, in der der Wagen brannte. Der Mann war volltrunken und ohne rechte Begründung, warum er sich nach Mitternacht vor der Garage seiner Eltern aufhielt, obschon er selber in einem kleinen Ort im Alb-Donau-Kreis wohnt. Der Polizei gegenüber soll er die Tat bestritten haben.

Seine beiden am Donnerstag als Zeugen geladenen Eltern freilich ließen kein schlechtes Wort auf ihren Sohn kommen. Der habe seit seinem Führerscheinentzug keinen Schluck Alkohol mehr getrunken. Das Verhältnis sei unbelastet und konfliktfrei, sagten Vater und Mutter, man habe einen offenen und vertrauensvollen Umgang gepflegt.

Verteidiger Martin Rehfeldt hält indes eine Warnung für möglich, weil ein vom Vater vermittelter Autokauf durch russische Bekannte nicht ganz glatt gelaufen war. Sein Ansatzpunkt ist der zerrissene Geldschein, der von Polizeibeamten in der Brandnacht vor der Wohnung des Paares gefunden wurde. Der Prozess wird am 12. Dezember fortgesetzt.