Begegnungsstätte Böfinger Kaffeetreff suchen Helfer

Böfingen / Verena Schühly 14.02.2018
Er war in Böfingen der erste seiner Art: Der ehrenamtliche Kaffeetreff im Bürgerzentrum besteht seit gut zehn Jahren.

Wenn wir eine richtige Torte da haben, ist die ratz, fatz weg. Auch wenn die Leute sagen: Eigentlich wollte ich gar keinen Kuchen essen ... – aber der sieht einfach so lecker aus.“ Lieselotte Finkele-Antelmann überlegt kurz und vergleicht es dann mit dem Lied von Udo Jürgens: „Aber bitte mit Sahne“. Seit gut zehn Jahren gibt es die „Kaffeekannen“ im Bürgertreff Böfingen: Jeden Montagnachmittag serviert ein Kreis Ehrenamtlicher Kaffee und selbstgebackene Kuchen. Sie bieten damit den Rahmen, damit die Besucher Kontakte knüpfen, in Ruhe plauschen können und dabei eben auch besagte Torten oder Kuchen genießen können. Mit dem Erlös unterstützen die Kaffeekannen von Anfang an soziale Projekte.

Angefangen hatte es 2007 mit einer Umfrage der Ulmer Heimstätte, was sich die Bürger Böfingens in ihrem Stadtteil wünschen. Finkele-Antelmann hatte damals einen Teil der Interviews geführt. Bei der Auswertung haben alle Interviewer festgestellt, dass sich Jung und Alt in einem einig waren: Es gibt nichts, wo man sich in Böfingen mal gemütlich hinsetzen kann. „Da haben wir gesagt: Das machen wir selbst – und 14 Tage später hat’s unser Café gegeben“, erinnert sich die rührige 69-Jährige an den 5. Mai 2007.

Inzwischen haben die Kaffeekannen zwar Konkurrenz bekommen durch örtliche Bäckereifilialen und Initiativen anderer Gruppen, doch der Montagnachmittag von 14.30 bis 16.30 Uhr ist gesetzt und es kommen immer jeweils so um die 15 Besucher. In den Anfangszeiten waren es allerdings mehr als doppelt so viele.

Gleich geblieben ist auch: Die beiden Ehrenamtlichen, die an dem Tag zuständig sind, müssen vorher auch backen. „Wir haben wirklich zwei begnadete Bäckerinnen, deren Torten sehen aus wie vom Konditor. Wenn ich selbst an der Reihe bin, gibt es entweder einen ,Faulen-Weiber-Kuchen’ – das ist ein Käsekuchen ohne Boden – oder einen Rührkuchen“, erzählt Finkele-Antelmann. Denn die Geduld, sich länger in die Küche zu stellen, hat sie nicht, das gibt sie unumwunden zu. „Ich persönlich mag das Backen nicht.“

Einmal im Jahr schürt der Kreis seine Backofen richtig an: Beim Sport-Festival „Böfingen in Bewegung“ übernehmen die Kaffeekannen die Bewirtung mit Kuchen – und da gibt es bis zu 18 verschiedene Sorten zur Auswahl.

Die Preise sind seit den Anfangstagen stabil: 1 Euro für ein Stück Kuchen, 1,50 Euro für ein Stück Torte, 50 Cent für eine Tasse fair gehandelten Kaffees. Den Erlös behalten die Kaffeekannen nie für sich, sondern unterstützen soziale Einrichtungen, um vornehmlich den Böfingern was Gutes zu tun. Mehr als 7000 Euro sind über die Jahre zusammengekommen. Finkele-Antelmann: „Früher haben wir oft für den Hort gespendet, als es den noch gab.“ Im vergangenen Jahr gingen 500 Euro an die Gustav-Werner-Schule als Zuschuss zum Kauf eines neuen Kleinbusses und 560 Euro hat die katholische Kirchengemeinde bekommen.

Neulinge willkommen

Weitere 300 Euro gingen an das Friedensdorf, eine Initiative, die verletzten Kindern aus Krisen- und Kriegsländern eine medizinische Behandlung in Deutschland ermöglicht. Denn der einzig verbliebene Mann der Gruppe, Helge Herbert, engagiert sich auch in dieser Initiative. Damit die Besucher wissen, wo ihr Geld hinkommt, hängen die Kaffeekannen immer Plakate auf. A propos Helfer: Der Kreis wird immer kleiner. „Aktuell sind wir nur noch vier Frauen und ein Mann“, bedauert Lieselotte Finkele-Antelmann. Sie hofft, dass sich bald ein paar Neue zum Mitmachen finden. „Es wäre toll, wenn wir wieder so viele wären, dass jeder nur alle vier oder sechs Wochen drankommt.“ Die Suche gestaltet sich nicht so einfach: „Ich muss mich immer wieder wundern: Es gibt in Böfingen ja einen Haufen Leute, darunter viele Rentner, aber ich verstehe nicht, dass sie alle nichts machen wollen.“

Die gebürtige Altenstadterin, die seit über 25 Jahren in Böfingen lebt, hingegen ist ihr ganzes Leben lang für andere im Einsatz: „Ich war 45 Jahre lang im ehrenamtlichen Rettungsdienst.“ Außerdem ist sie im Arbeitskreis Kultur der Regionalen Planungsgruppe (RPG) des Stadtteils aktiv. „Ich bin halt eine Macherin.“

Info Wer Interesse hat, bei den Kaffeekannen mitzumachen, kann sich bei Sonja Weiß unter Telefon (0731)
176 70 30
melden.