Die ersten optischen Eindrücke vermitteln nicht unbedingt ein veganes Flair: Die verschnörkelte Holztür, die den Eingang des „Bodhi“ ziert, lässt erahnen, wie es im Innenraum aussieht: dunkelbraune Stühle, hellbraune Tische, Holztheke. Die Grundausstattung eines bayerisch-schwäbischen Restaurants. Doch etwas ist anders. Aus den Boxen schallt Indie-Rock, von der Decke hängen Glühbirnen, es tummeln sich junge Leute. Die Nachfolge des Ulmer Lokals „Auf dem Kreuz“ – das Experiment eines Verrückten? Bei den Speisen jedenfalls nicht. Im klassischen „Bodhi-Pfanderl“ etwa, reihen sich Knödel, Blaukraut und ein Schnitzel aneinander. Doch auch hier ist etwas anders – das Schnitzel. Nicht aus Fleisch, sondern aus Soja.

Vision für das neue vegane Lokal

„Wer hier zum ersten Mal reinkommt, ist zunächst vielleicht etwas verwirrt. Aber mir gefällt der Kontrast zwischen Wirtshaus-Ambiente und veganer Küche. Und ich hoffe, vielen meiner zukünftigen Gäste auch“, sagt Betreiber Klaus Kuttner, der voraussichtlich Mitte September Ulms erstes veganes Restaurant eröffnet und den Alltag dort schon detailliert im Kopf hat. Uriges Flair, moderne Elemente und traditionelle Speisen ohne tierische Produkte – mit diesem Konzept ist der Gastronom bereits in München und Augsburg erfolgreich. Zwei „Bodhi“-Ableger betreibt er dort. Nun ist seine Geburtsstadt Ulm dran. „Ich will meiner Heimat etwas Gutes tun. Hier wird zu wenig für Veganer geboten“, sagt Kuttner.

Zum Veganen Lebensstil innerhalb eines Tages

Seine Überzeugung für die vegane Ernährung erlangte Kuttner demzufolge nicht in Ulm, sondern während seines Studiums in München. Damals, 2012, fing er an, sich für den veganen Lebensstil zu interessieren. Der Film „Earthlings“, der Tierquälereien in Massenbetrieben dokumentiert, und eine Rede des Tierrechtsaktivisten Gary Yourofsky machten Kuttner innerhalb eines Tages zum Veganer. „Ich wollte vegane Gerichte lernen, vernetzte, mich mit der Münchner Community“, erzählt er.

Das erste „Bodhi“ in München

Nach dem Studium entschloss er sich, die lokale Szene in München durch ein veganes Restaurant zu stärken. „Ziel war es zu beweisen, dass vegane Küche nicht nur nachhaltig, umweltschonend und ethisch vertretbarer ist, sondern auch lecker und abwechslungsreich sein kann“, sagt Kuttner. Das erste „Bodhi“ öffnete seine Türen 2013, in Augsburg ging Kuttner 2018 an den Start. „Ein veganes Lokal? In Augsburg? Die sind doch viel zu spießig! Das bekam ich oft zu hören“, so Kuttner.

Auch in Ulm gibt es Bedenken. Sabrina Fischäß, die einen veganen Restaurantführer für die Doppelstadt herausbringt, sagt: „Die Ulmer sind skeptisch, die vegane Szene noch nicht so groß.“ Trotzdem glaubt sie an Kuttner: „Wenn es hier einer schafft, dann er.“ Auch die Zahlen stärken ihn. Dem Statistikportal „Statista“ zufolge gibt es hierzulande knapp eine Million Veganer, 2016 waren es noch 800 000. Der Verein „ProVeg“ vermeldet eine steigende Anzahl veganer Restaurants in Deutschland. „Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten“, meint Kuttner. Citymanager Henning Krone pflichtet ihm bei: „Ich freue mich schon sehr auf Ulms erstes veganes Restaurant. Wir haben dadurch mehr gastronomische Vielfalt in der Stadt.“

Öffnungszeiten: Wann hat das Bodhi offen?

Bis es soweit ist, hat Kuttner noch einiges zu tun. In den kommenden Wochen bringen er und sein Team den von der Brauerei Gold Ochsen vermieteten Gastraum auf Vordermann. Draußen möchte er einen Außenbereich mit 30 Stühlen einrichten. Zunächst will Kuttner das Restaurant von Mittwoch bis Sonntag zwischen 17 und 23 Uhr öffnen. „Wenn die Ulmer das Angebot gut annehmen, werden wir die Zeiten ausdehnen und einen Brunch oder Mittagstisch anbieten“, sagt er.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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Im Jahr 2000 hatte Annette Braun die Gaststätte „Auf dem Kreuz“ übernommen. Nach einem Schicksalsschlag im vergangen Jahr kündigte sie den Pachtvertrag zunächst mündlich, widerrief dann zwei Wochen später. Das akzeptierte die Lokaleigentümerin, die Brauerei Gold Ochsen, jedoch nicht. Trotz Unterstützung der Anwohner und anderer musste Braun Anfang dieses Jahres aufhören. ak