Tempokontrolle Blitzer in der Frauenstraße erwischt Raser im Minutentakt

Der neue Blitzer an der Frauenstraße.
Der neue Blitzer an der Frauenstraße. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / swp 15.05.2017

„Auch wenn er manche ärgert, der Blitzer ist notwendig.“ OB Gunter Czisch lässt gar keine Zweifel aufkommen, was er von der neuen mobilen Messanlage in der Frauenstraße hält. „Das ist der pädagogische Versuch, das nachzuholen, was wir durch den Umbau der letzten Jahre nicht erreicht haben.“ Am Freitagabend tat der Blitzer denn auch das, was von ihm erwartet wird: Er blitzte – und das nicht zu knapp.

Allein zwischen 22.35 und 22.58 Uhr waren acht Fahrzeuge zu schnell unterwegs – und zwar in beiden Fahrtrichtungen, was eine der Spezialitäten des auf Laser basierten Messsystems „TraffiStar S350“ von Jenoptik ist. Erst unlängst hat die Stadt das teure Gerät angeschafft, das die erste Woche im Einsatz ist und schon ganze Arbeit leistet.

Derzeit ist es an der Frauenstraße aufgestellt, kurz vor der Bushaltestelle an der Einmündung der Radgasse. Am Freitagabend blitzt es fast im Minutentakt rötlich auf, wenn ein Fahrzeug mit mehr als den vorgeschriebenen 30 km/h erfasst wird. Um 22.35 Uhr trifft es einen SUV, zwei Minuten später einen Golf, um 22.41 Uhr wieder einen Golf, der zuvor an der Einmündung der Bockgasse erst noch richtig Gas gegeben hat, um aufs Bild zu kommen.

Um 22.43 Uhr wird ein Mercedes geblitzt, um 22.44 Uhr ein Audi, um 22.45 Uhr ein Smart. Um 22.55 Uhr wird ein weißer Jaguar geblitzt, dessen Fahrer nach der ersten Schrecksekunde extra aufs Gaspedal tritt – direkt gefolgt von einem Polo, den es um 22.58 Uhr erwischt. Zwischendurch macht sich eine Gruppe junger Nachtschwärmer ihren Spaß mit dem Gerät und posiert mit ihren Bierflaschen in der Hand vor dem Blitzgerät wie vor einer Kamera.

Rücksichtslose Fahrer

Der neue mobile Blitzer ist die zweite Kontrollanlage auf dem Altstadtring, nachdem vor Jahren als Reaktion auf mehrere schwere Unfälle bei illegalen Autorennen die stationäre Anlage an der Olgastraße installiert wurde. „Bei mir landen täglich Briefe auf dem Schreibtisch mit der Bitte um Tempokontrollen“, sagt Czisch. Vor allem der Altstadtring sei eine seit Jahren bekannte Gefahrenstelle, weshalb jetzt reagiert werden musste: „Manche fahren rücksichtslos und reagieren nicht auf die Tempo-30-Schilder.“

Der OB widerspricht auch der Darstellung, dass die Stadt Autofahrer abkassiere, um den Haushalt zu sanieren. Es sei vielmehr so, dass die Frauenstraße für viel Geld hergerichtet worden sei – nicht zuletzt, um sie attraktiver zu machen auch für Radfahrer und Fußgänger. Es gehe also um eine erzieherische Maßnahme, zumal niemand daran gehindert werde, sich an Regeln zu halten.

Im Übrigen sei der Effekt tatsächlich messbar, wie Rainer Türke von den Bürgerdiensten sagt. Die Situation auf der Olgastraße habe sich seit der Installierung der Messstation etwa auf Höhe des Justizgebäudes beispielsweise deutlich verbessert. Freilich habe sich das Problem etwas in die Frauenstraße verlagert, weshalb dort jetzt auch der mobile Messwagen steht. Die Anlage kann mehrere Tage ohne Personal betrieben werden.

100.000 Tempoverstöße im Jahr geahndet

Bußgelder Die Stadt ahndet etwa 100.000 Tempoverstöße jedes Jahr allein im Stadtgebiet. Im Durchschnitt belaufen sich die Bußgelder auf 20 Euro. Den großen Reibach mache die Stadt damit aber nicht, sagt OB Czisch, der von hohem Verwaltungsaufwand und hohen Anschaffungskosten für die Geräte spricht.

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