Stellenausschreibungen sind interessant - in zweierlei Hinsicht. Zum einen wegen der Sätze, die im Anzeigentext stehen. Zum anderen wegen der Sätze, die nicht im Anzeigentext stehen. So sucht die Hochschule Ulm beispielsweise einen Nachfolger für den scheidenden Rektor Achim Bubenzer. Dass der 65-Jährige in den Ruhestand tritt, ist in der Ausschreibung expressis verbis vermerkt. Die Uni Ulm sucht ebenfalls einen Nachfolger für ihren Präsidenten Karl Joachim Ebeling. Auch er ist 65 Jahre alt. Die Anzeige, die Mitte Dezember 2014 in überregionalen Zeitungen veröffentlicht wurde, verschweigt allerdings, dass der Präsident aus Altersgründen geht.

Ein Zufall nur? Nein, sagt ein Verwaltungsfachmann, der nicht genannt werden will, in der Regel stehe das in der Anzeige. Er spricht von einem "seltsamen Gebaren. Da will sich jemand was offenhalten." Ein Hintertürchen. Soll heißen: Ist kein Topkandidat unter den Bewerbern, könnte Ebeling in die Bresche springen. So er denn wollte. In den vergangenen Tagen hat sich jedenfalls der Hinweis aus dem Umfeld des Uni-Präsidiums verdichtet, Ebeling werde zwei weitere Jahre im Amt bleiben - um dann im Jahr 2017 an einen der Vize-Präsidenten zu übergeben: Prof. Axel Groß. Der 53-Jährige, der das Institut für Theoretische Chemie leitet, verantwortet seit 2012 als Vize-Präsident die Forschung an der Uni; zuvor war er Dekan und Prodekan der Fakultät für Naturwissenschaften sowie Studiendekan des Faches Chemie.

Gegen eine dritte Amtszeit Ebelings spricht nichts, zumindest kein Paragraph des Landeshochschulgesetzes (LHG). Der 65-Jährige könnte also nochmals antreten - und nach zwei Jahren abtreten. "Hochschulrat, Senat und Wissenschaftsministerium können das Amt eines hauptamtlichen Rektoratsmitglieds im wechselseitigen Einvernehmen vorzeitig beenden", heißt es in Paragraph 18, Absatz 5 LHG. Ebeling selber will dazu zunächst gar nichts sagen, um dann das Gerücht zu dementieren. "Sandkästen sind abgeschafft. Meine Planung ist, Ende August als Präsident abzutreten. Was danach kommt, weiß ich nicht." Nicht einmal die Zahl der Kandidaten, die sich um seine Nachfolge beworben haben, will der Physiker kennen.

Indes teilte Dr. Dieter Kurz, Vorsitzender des Universitätsrats, gestern über die Uni-Pressestelle mit, dass 14 Bewerbungen für die ausgeschriebene Stelle eingegangen sind. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der siebenköpfigen Findungskommission - ihr gehören jeweils drei Mitglieder des Universitätsrats und des Senats sowie ein Vertreter des Wissenschaftsministeriums an - gab Kurz bekannt, dass die Bewerbungsunterlagen in der nächsten Sitzung Anfang März gesichtet werden. "Die Findungskommission beschließt auf der Grundlage der eingegangenen Bewerbungen einen Wahlvorschlag mit bis zu drei Namen; dieser Wahlvorschlag bedarf des Einvernehmens des Wissenschaftsministeriums." Voraussichtlich Mitte Juni würden dann der Universitätsrat und der Senat in einer gemeinsamen Sitzung den Präsidenten wählen. Ob ernstzunehmende Kandidaten darunter sind, darüber schweigt sich Kurz aus. Verständlicherweise.

Uni-Kanzler Dieter Kaufmann war gestern in dieser Sache nicht erreichbar. Warum der Kanzler? Was hat er damit zu tun? Eigentlich nichts - und doch recht viel. Kaufmann soll - so wird kolportiert - Ebeling mehrmals gebeten haben, noch zwei Jahre anzuhängen. Was der Noch-Präsident mit launigen Worten kommentiert: "Ich lasse mich nicht bearbeiten. Weder von meiner Frau noch von sonst jemanden."