Blechlabor harmoniert mit Münsterorgel

CHRISTA KANAND 03.06.2013
Werke aus fünf Jahrhunderten: Das Bläserensemble Blechlabor und Münsterorganist Friedemann Johannes Wieland boten Hochglanzformat im Münster.

Tobias Rägle, Bassposaunist bei den Ulmer Philharmonikern, ist ein meisterlicher Arrangeur. Werke aus fünf Jahrhunderten hat er exklusiv für das von ihm 2007 gegründete Blechlabor eingerichtet und dabei dem typischen Sound aus fünf Trompeten, Horn, vier Posaunen, Tuba und Schlagwerk (am Samstagabend wegen Erkrankung ausgefallen) besonderen Tribut gezollt.

Anders als der Name "Blechlabor" vermuten lässt, steht das Aufgebot aus professionellen Musikern aus dem süddeutschen Raum unter Rägles umsichtig-dezenter Leitung auf höchstem Niveau, ob im Kollektiv oder in Soloparts. Mit der Ouvertüre aus Bachs Orchestersuite Nr. 3 eröffnete das brillante Ensemble unter der Mittelschiff-Kanzel festlich das Benefizkonzert für die Musikstiftung Ulmer Münster.

Feine, blechgerechte Arrangements spannten den Bogen zwischen Tradition und Innovation, zwischen lupenreiner Transparenz und strahlkräftig orchestraler Fülle. Facettenreich wechselte die versierte Gruppe Positionen, Instrumente und Dämpfer sowie musikalische Stilsphären, etwa von Renaissance-Meister Orlando di Lasso zu Otto Respighis spätromantisch-folkloristischen Tänzen.

Gut inszeniert ergänzte Münsterorganist Friedemann Johannes Wieland das 90-minütige Ereignis auf der Hauptorgel. Nach Buxtehudes großartiger Ciaconna C-Dur bot er mit dem Posaunen-Quartett Zsolt Gárdonyis zeitgenössisch moderne Fantasie über ein ungarisches Danklied, danach zwei Solo-Stücke von Lefébure-Wély: bezaubernd die romantische Meditation, klanggewaltig dagegen Sortie in Es-Dur.

Auf begeisterte Zustimmung traf auch Andreas Gräsles zeitgenössische "Sequentia de Sancto Maximo". Ihre Hildegard-von-Bingen-Melodie vermählte sich mit Björks "Dancer in the Dark"-Ouvertüre, wobei drei im Kirchenschiff verteilte Trompetensolisten die leider kaum 150 Zuhörer hallend umspielten. Nach Händels Concerto Grosso op. 6 Nr. 1 und Mendelssohn-Bartholdys Choralbearbeitung "Nun danket alle Gott" bot die Zugabe "Palladio" von Karl Jenkins weiteren Hörgenuss.