Ulm Blautalcenter beendet einen umfangreichen Umbau

Der neue Foodcourt im Blautalcenter hat schon ein Maskottchen, da bietet sich natürlich ein Selfie an.
Der neue Foodcourt im Blautalcenter hat schon ein Maskottchen, da bietet sich natürlich ein Selfie an. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / FRANK KÖNIG 06.11.2015
Das Blautalcenter schließt die Sanierung ab und macht dabei auch Punkte im Wettbewerb mit der neuen Glacis-Galerie. Der neue Foodcourt im Center eröffnet am Samstag und ist auch architektonisch sehenswert. Mit einem Kommentar: Millionen für neue Läden.
Das Blautalcenter setzt mit der Eröffnung der neuen Restaurant-Zone „Speiserei“ am Samstag den Schlusspunkt hinter eine längere Sanierungsphase. Die Hypo-Tochtergesellschaft Wealthcap hat für den Eigentümerfonds annähernd 15 Millionen Euro in die Revitalisierung der 1997 erbauten Einkaufs-Mall an der Blaubeurer Straße gesteckt. Im Zentrum stand dabei der Austausch der schadhaften Bodenfliesen auf den zwei Etagen des Centers. Allein der Neubau des Foodcourts, wie die Ansammlung von Restaurants im Erdgeschoss genannt wird, hat jedoch vier Millionen Euro gekostet.

Die sehenswerte Optik, die sogar an Restaurant-Bereiche in internationalen Shopping-Malls erinnert, stammt vom Augsburger Architekturbüro Aha, das zwar aus dem Ladenbau kommt, jedoch darüber hinaus nach den Worten von Wealthcap-Geschäftsführer Stefan Klemmer wichtige Gestaltungsakzente im Blautalcenter gesetzt hat.

Der Foodcourt im Erdgeschoss war wegen des Umzugs ein halbes Jahr geschlossen und geht am Samstag in erweiterter Form mit 375 Sitzplätzen in zehn gastronomischen Outlets an den Start – darunter Filialisten wie Subway, aber auch lokalen Gastronomen wie „Acker und Weide“ mit regionalen Burgern und Salaten, wie bisher Henry’s Coffee World, Asia Wok, Aladin plus neu Thai Cuisine, Ciao Bella als Italiener und Staib. Mit den zwei Restaurants auf der oberen Etage – wo im Asia-Restaurant noch bis 18. November der Brandschutz nachgerüstet wird – sind es zwölf Anbieter. Mr. Chicken war am Donnerstag als erster auf und gefragt, mit Schlangen an der Kasse.

Das Blautalcenter kann auch im übertragenen Sinn einige Baustellen schließen. Klemmer hat soeben einen Mietvertrag für die Nachfolge von Euronics unterzeichnet, wo sich der vorzeitige Auszug, wie berichtet, bis Ende Januar verzögert. Da es sich beim Nachfolger nicht mehr um einen Elektromarkt handelt – weil auch Euronics-Vorgänger Promarkt gescheitert war – müssen mit dem Rathaus noch Genehmigungsgespräche zum Sortiment geführt werden, berichtete Klemmer.

Für eine Aufwertung sorgt derweil die Bestseller-Gruppe, die auch in der City einen sehenswerten Laden eröffnet hat: für Vero Moda sowie Jack & Jones. Das Konzept im Center ist gleich, auch hier wurde die Ladenfassade aufgewertet.

Nur zwei kleinere Läden stehen nach Insolvenzen leer, wie Klemmer einräumte. Er hofft, dass nach der Modernisierung des Centers, auch mit Toiletten, die Frequenz zunimmt, insbesondere nun im Weihnachtsgeschäft. Bei der Sanierung wurde auch an Kleinigkeiten gedacht, nämlich Spielmöglichkeiten. Wobei das Drachenschiff, für das soeben ein Name gesucht wurde, eigentlich weit mehr als nur ein Spielgerät ist. Wealthcap hat sich dieses Objekt 200.000 Euro kosten lassen.

Was noch übrig bleibt, ist die Erneuerung der Aufzüge. Klemmer ist zuversichtlich, dass das Center im Wettbewerb mit der Glacis-Galerie mithalten kann. In sozialen Foren sei auch Thema, dass im Blautalcenter anders als bei der Konkurrenz in Neu-Ulm das Parken und der Gang auf die Toilette kostenlos seien.

 

Ein Kommentar von Frank König: Millionen für neue Läden

Es ist schon überraschend, welche Summen weiter in den Ausbau des stationären Handels fließen: in der Region zuletzt mit der Glacis-Galerie, nun mit dem Abschluss der Sanierung im Blautalcenter, vom nächsten Jahr an in das neue Megaprojekt Sedelhöfe gegenüber vom Hauptbahnhof. Bemerkenswert ist auch der entkernte und neu ausgebaute Gondrom, in dem die dänische Bestseller-Gruppe aufwendig ihre Modemarken Vero Moda und Jack & Jones inszeniert.

Dies alles geschieht vor dem Hintergrund florierender Online-Shops und zunehmender Bestellungen im Internet, damit nachlassender Frequenz in den Innenstädten. So wurden zuletzt in einer samstäglichen Stunde in der Hirschstraße nur etwa 6000 Passanten gezählt, während der Wert im Spitzenjahr 2012 bei 8600 lag. Die Händler führen diese Entwicklung auf die Schließung des Parkhauses Sedelhöfe und die zunehmenden Baustellen zurück. Das wird vorerst aber nicht besser.

Daher ist das Engagement der Investoren in Ulm lobenswert, natürlich untermauert durch positive Bevölkerungszahlen und den ICE-Ausbau. Gleichwohl bleibt überraschend, wie sich das schon in die Jahre gekommene Blautalcenter zurückgemeldet hat – mit einem erfrischenden Stil, nun auch im Foodcourt. Hoffentlich funktioniert das von einem Fonds und seinen Investoren finanzierte Konzept, obwohl es bald keinen Elektromarkt mehr gibt – wie ihn die Glacis-Galerie aber mit dem Media-Markt hat.

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