Die Erleichterung, dass alles einigermaßen glimpflich ausgegangen ist, ist Axel Hommel, dem Vorsitzenden der Christlichen Pfadfinder Blaustein (CPB), anzumerken. "Wir sind alle wohlbehalten zurück", sagt der 44-Jährige. Eine Gruppe der Pfadfinder war in der Nacht zum Freitag vergangener Woche vor der isländischen Küste in Seenot geraten und musste von der Küstenwache gerettet werden. Was Hommel als Skipper und Miteigner des Segelschiffs "Falado von Rhodos" trotzdem schmerzt: Der Zweimaster ist verloren, liegt nun auf dem Grund des Atlantik. Die Crew, bestehend aus fünf erwachsenen Betreuern und sieben Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren, war zu einem einwöchigen Törn, ausgehend von der Küstenstadt Keflavik, aufgebrochen. Für den vorletzten Tag hatten sie sich einen relativ großen Schlag von 60 Seemeilen, das sind etwa 110 Kilometer, vorgenommen.

Dass sie bei Einbruch der Nacht noch auf See sein würden, war vorgesehen, sagt Hommel. "Das ist bei so großen Etappen normal, zumal wir uns auch noch nach den Gezeiten richten mussten."

Nicht normal war aber, dass die "Falado von Rhodos" immer mehr mit Wasser voll lief. "Das Wasser stieg schneller als die Pumpen es absaugen konnten", berichtet Hommel. Als die Lage nach einer halben Stunde nicht besser wurde, habe er den Seenotruf abgesetzt.

Um diese Zeit, gegen 23.20 Uhr, befand sich die "Falado" etwa zwölf Seemeilen vor der Küste. Das Wetter war laut isländischer Küstenwache zwar nicht besonders gut. Bei leichtem Regen und etwa vier Meter hohen Wellen könne aber von Sturm, wie es in ersten Meldungen geheißen hatte, keine Rede sein.

Dass sich die Rettung über mehrere Stunden hinzog, lag daran, dass zunächst die Besatzung eines kleineren Fischerboots zu Hilfe kommen wollte. Wegen der unruhigen See kam das kleine Schiff aber nicht längsseits an die "Falado" heran. Das klappte laut Küstenwache erst, als größere Rettungsschiffe kamen. Zur Sicherheit war auch ein Helikopter zum havarierten Segler geflogen, wurde aber nicht benötigt, betont Hommel. "Wir hätten eigentlich vor allem Pumpen gebraucht", meint er. Die Küstenwache habe aber nur zwei Pumpen mitgeschickt - und die "Falado" sank. Schuld war offenbar ein Leck unterhalb der Wasserlinie. Wie dieses Leck entstehen konnte, ist Hommel ein Rätsel. "Es war ein Holzschiff, da läuft immer etwas Wasser rein, das liegt an der Bauweise mit Planken", sagt er. Bis zu diesem Tag sei mit der "Falado", die immerhin 44 Jahre alt geworden ist, aber nie etwas passiert. "Sie hat einmal die Welt umsegelt und mehrmals den Atlantik überquert, auch mit mir an Bord", sagt Hommel, von Beruf Elektro-Ingenieur. "Es gab nicht einen Verletzten in der Zeit." Aber als Seemann müsse man immer damit rechnen, dass ein Schiff verloren gehen könne, fügt er hinzu.

Seine Crew habe hervorragend reagiert, sagt der Skipper: "Die Kinder waren toll, alle haben mitgeholfen und Nerven bewahrt." Drei der sieben Jugendlichen waren Hommel zufolge zum ersten Mal auf hoher See, der Rest sei erfahren. Denn die Blausteiner Pfadfinder unternehmen öfter Segeltörns. Axel Hommel ist nicht nur Vorsitzender der Christlichen Pfadfinder Blaustein, sondern auch der Eignergemeinschaft des Schiffes. "Ich bin ein Vollblutsegler", sagt er über sich selbst.

Die in Berichten isländischer Medien erhobenen Vorwürfe, seine Crew sei nicht gut ausgerüstet gewesen, weist er entschieden zurück. Ein Drittel der Besatzung hatte Wache, der Rest lag wegen der fortgeschrittenen Stunde schon in den Kojen und schlief. "Dass die dann vielleicht nicht alle voll angezogen sind, ist normal, denke ich", sagt Hommel. "In einer Notsituation muss es schnell gehen." Er selbst sei mit am schlechtesten bekleidet gewesen, "ich habe mich natürlich zuerst ums Schiff gekümmert." Alle Jugendlichen hätten Rettungswesten und Lifelines getragen, auch seien Rettungsinseln an Bord gewesen.

Im medizinischen Sinne unterkühlt war Hommel zufolge keiner der Jugendlichen, das habe eine Ärztin bestätigt. "Was nicht heißt, dass uns nicht kalt war." Mehr als einen Schrecken hätten die Jugendlichen wohl nicht davongetragen, meint Hommel. Bald nach der Heimkehr aus Island am vergangenen Sonntag habe er die Eltern im persönlichen Gespräch ausführlich über das Geschehen informiert.

Etwas Positives kann der Blausteiner dem Unglück auch abgewinnen. "So etwas schweißt im Pfadfindersinne zusammen", sagt er. Und fügt hinzu: "Wir werden auf jeden Fall wieder segeln gehen."

Die "Falado von Rhodos"