Neu-Ulm Blaues Auge

Werbung oder Kunst, das ist hier die Frage. Auf jeden Fall fällt der blaue Schriftzug am Brückenhaus in Neu-Ulm ins Auge.
Werbung oder Kunst, das ist hier die Frage. Auf jeden Fall fällt der blaue Schriftzug am Brückenhaus in Neu-Ulm ins Auge. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / CHRISTOPH MAYER 22.04.2016
Halbgötter in Weiß haben's auch nicht leicht. Sie dürfen zwar für sich Werbung machen. Aber nur sachlich, berufsbezogen, dröge eben - zum Beispiel hinsichtlich ihrer medizinischen Schwerpunkte. Jede andere Art der Reklame bringt Risiken und Nebenwirkungen mit sich.

Halbgötter in Weiß haben's auch nicht leicht. Sie dürfen zwar für sich Werbung machen. Aber nur sachlich, berufsbezogen, dröge eben - zum Beispiel hinsichtlich ihrer medizinischen Schwerpunkte. Jede andere Art der Reklame bringt Risiken und Nebenwirkungen mit sich. So jedenfalls regelt es Paragraph 27 der ärztlichen Berufsordnung.

Vor diesem Hintergrund fällt ein unübersehbarer, weil mannshoher Schriftzug im zweiten Stockwerk des Neu-Ulmer Brückenhauses ins Auge, im wahrsten Wortsinn ins Auge. Blau und weithin sichtbar leuchten von dort die vier Buchstaben A, U, G und E. Dass in eben jener Etage des erst kürzlich bezogenen Prachtbaus eine schicke Augenarztpraxis logiert, kann eigentlich kein Zufall sein.

Von Werbung will Isabella Obermeier vom "Augenzentrum Eckert" aber nichts wissen. "Das ist eine Skulptur und somit Kunst", sagt die Praxismanagerin. Man habe dem "architektonisch anspruchsvollen Gebäude etwas zurückgeben wollen" und sich vor dem Einzug mit dem Architekten und einem Schlosser zusammengeschlossen. Der Schriftzug sei ein Gemeinschaftsprojekt, inspiriert vom rot leuchtenden Sparkassen-S, mit dem das Geldinstitut einen Stock drunter auf sich aufmerksam macht.

Die Bayerische Landesärztekammer kennt den Schriftzug zwar noch nicht, hat gegen ihn aber offenkundig nichts einzuwenden. "Solange Ärztewerbung nicht irreführend, vergleichend oder anpreisend ist, sehen wir keine Probleme", sagt ein Sprecher auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Etwas zurückhaltender sieht die Stadtverwaltung die Sache. "Wir sind mit dem Praxisinhaber im Gespräch", sagt Daniela Reuther, persönliche Referentin von OB Gerold Noerenberg, die den Ball gleichwohl flach hält. Zwar lege die Stadt in Sachen Werbeanlagen auf ein einheitliches Erscheinungsbild wert. Aber ob es hier tatsächlich um Werbung gehe, sei offen - und eher unwahrscheinlich. Allerdings habe es auch Anwohnerbeschwerden gegeben, weil der Schriftzug nächtens zu hell leuchte.

Beschwerden? Die hat Praxismanagerin Obermeier bisher nicht zu hören bekommen. "Das Feedback war ausschließlich positiv." Schaut also so aus, als ob die Praxis mit einem blauen Auge davonkommt.

Hoffentlich kommen andere Fachärzte nicht auf die gleiche Idee und machen körperteilbezogen auf sich aufmerksam. Vor allem beim Proktologen will man sich das nicht vorstellen.

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