Blasmusik Blasmusiker-Treffen in Neu-Ulm

Die sinfonische Blasmusik steht im Fokus des viertägigen Kongresses, der am Donnerstag im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus startet. Zu den Gästen zählen prominente Komponisten wie Philip Sparke und Jacob de Haan.
Die sinfonische Blasmusik steht im Fokus des viertägigen Kongresses, der am Donnerstag im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus startet. Zu den Gästen zählen prominente Komponisten wie Philip Sparke und Jacob de Haan. © Foto: Alexandra Link
Neu-Ulm / Helmut Pusch 16.01.2018

Die Zahlen sind beeindruckend: 70 Dozenten, sieben Orchester, rund 30 Hersteller von Instrumenten und Verlage sowie hunderte von Musikern treffen sich von Donnerstag bis Sonntag im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus. Dort findet der Internationale Blasmusik Kongress statt. Es ist der erste seiner Art in Deutschland, ein Versuchsballon, allerdings ein ausnehmend hochklassig besetzter.

Veranstaltet wird dieser Kongress von der Firma Innovative Blasmusik Konzepte aus Herrenberg. Dahinter stehen Alexandra Link und Miriam Tressel, beide sind Holzbläserinnen. Miriam Tressel spielt Klarinette, Ale­xandra Link Flöte – in mehreren Ensembles. Und Alexandra Link kennt auch die andere Seite der Szene, war jahrelang die Vertreterin des weltweit größten Blasmusik-Verlages De Haske Hal Leonard. Für den organisierte sie auch immer wieder Treffen der vom Verlag vertretenen Komponisten mit Dirigenten und Musikern. „Die waren ausgesprochen beliebt – vor allem bei den Komponisten, die ja ansonsten in ihrem Kämmerlein vor sich hin arbeiten und nur selten auf Menschen treffen, die ihr Werke letztlich aufführen.“

Als Alexandra Link den niederländischen Verlag verließ, wurde sie immer wieder auf diese Treffen angesprochen. „Da gibt es also ein Bedürfnis“, konstatierte sie und sann auf Abhilfe, schaute auch mal über den großen Teich. Dort gibt es in Chicago die Midwest Band Clinic, das weltweit größte Treffen von Blasmusikern.

Dorthin reisen jedes Jahr etwa 17 000 Teilnehmer – Musiker, Dirigenten, Komponisten. Dort gibt es Workshops zur Weiterbildung, aber auch so genannte Reading Sessions: Konzerte, in denen Orchester die neuen Werke der Komponisten vorstellen. Kein Wunder, dass solch erfolgreiche Tonschöpfer wie Jacob de Haan, Hubert Hoche, Marco Pütz, Jan Van der Roost  und Philip Sparke gerne nach Chicago reisen. Und die sind auch alle in Neu-Ulm mit dabei, stellen ihre Neuigkeiten in eben solchen Reading Sessions vor.

Auch wenn die Midwest Clinic bei der Planung des Neu-Ulmer Kongresses Pate stand: „Wir sind meilenweit vom Erfolg dieser Messe entfernt“, sagt Alexandra Link bescheiden. Zudem lasse sich so ein Erfolg in Europa nicht wiederholen – aus einem ganz einfachen Grund: „Von Kanada bis zur Grenze Mexikos wird Englisch gesprochen.“ Schon die europäische Vielsprachigkeit verhindere so einen massiven Zustrom wie in Chicago.

Link nennt noch einen weiteren Unterschied: „In den USA läuft alles über die Schulen. Vor allem die Highschools bieten Brassbands an. In Europa spielt sich das Meiste in den Vereinen ab“, erklärt Alexandra Link. Aber auch hier habe sich einiges geändert. Die Ausbildung sei in den vergangenen Jahren immer besser geworden, auch weil sie mittlerweile meist in den Händen von professionellen Lehrern an den Musikschulen liegt.

Die Qualität der Vereine und Orchester in der Region war einer der Gründe, den ersten Kongress in Ulm/Neu-Ulm zu veranstalten. Schließlich ist das Philharmonische Orchester der Stadt Blaustein aktuell das beste Laien-Orchester Deutschlands, die Junge Bläserphilharmonie gehört in ihrer Klasse ebenfalls zur Spitze. Ermittelt wird das alle vier Jahre beim deutschen Orchesterwettbewerb, der das vergangene Mal in Ulm und Neu-Ulm stattfand. Und da stießen Alexandra Link und Miriam Tressel auch auf das Edwin-Scharff-Haus. „Das ist ideal für unseren Kongress. Es hat verschieden große Säle, Seminarräume und ein angeschlossenes Hotel.“

Auch wenn die Orchester der Region zur Spitze gehören, im Rahmenprogramm des Kongresses und in den Reading Sessions sind nur das Kreisverbandsjugendblasorchester (KJVBO) und dessen Dirigent Franco Hänle dabei. „Wir wollten möglichst verschiedene Ensembles aus diversen Regionen präsentieren“, erklärt Link. Und das KVJBO decke gleich zwei Genres ab: Es sei ein Jugend-, aber auch ein Auswahlorchester. Das Betriebsorchester kommt von Voestalpine in Österreich, und das Genre Stadtkapelle vertreten die Musiker aus Wertingen. Die weiteste Anreise haben die Musiker der Unio Musical Alqueriense. „Wir wollten unbedingt ein Orchester aus Spanien dabei haben“, erklärt Link. „Das ist aktuell das interessanteste Blasmusik-Land. Und die Musiker werden ausschließlich zeitgenössische Werke spanischer Komponisten aufführen.“

Beim Blick ins Kongressprogramm fallen neben KVJBO-Dirigent Franco Hänle noch weitere Ulmer Namen auf: Dieter Kraus etwa leitet zwei Saxophon-Workshops, und Trompeter und Sänger Volker Dubovy sollte über die richtige Atmung referieren, hat aber krankheitsbedingt abgesagt.

Sieben öffentliche Konzerte

Konzerte Beim Kongress wird nicht nur gefachsimpelt. Es gibt auch öffentliche Konzerte im Scharff-Haus. Am Donnerstag spielen das Kreisverbandsjugendblasorchester (18 Uhr mit Gastdirigent Jacob de Haan) und die Mu­sique Militaire Grand-Ducale Luxemburg (21 Uhr mit Gastdirigent Jan Van der Roost), am Freitag die Bläserphilharmonie Wertingen (18 Uhr) und die Unio Musical Alqueri­ense (21 Uhr), am Samstag das Voestalpine Blasorchester (18 Uhr) und die Bläserphilharmonie Baden-­Württemberg (21 Uhr). Den Schlusspunkt setzt das Musikkorps der Bundeswehr am Sonntag, 12 Uhr. Das komplette Programm:
www.ib-kongress.de

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