Ulm Bissiges Alter

Ulm / BEATE STORZ 27.02.2013
Alter schützt vor Bissigkeit nicht. Alt und bissig sind die Damen des Kabaretts "Alter-Naive" mit ihrem Luxusherrn. Sie singen und sketchen sich bereits warm. Vor Anfragen können sie sich kaum retten.

Die SÜDWEST PRESSE ist schuld. "Alt, lustig, mutig, sucht. . ." inserierte eine Rentnerin - beileibe nicht auf der Suche nach dem rüstigen Traummann, sondern nach Gleichgesinnten, die mit ihr ein Rentnerkabarett gründen wollen. Das ist noch gar nicht so lange her, ein Jahr ungefähr, und heute sind die "Alter-Naiven", wie sie sich nennen, dermaßen begehrt, dass vom Ruhestand keine Rede mehr sein kann. Zwischen 60 und 100 sind die sieben Damen, die sich den Luxus eines Herrn gönnen, und stehen ständig unter Strom.

Auch jetzt. Sie proben, denn ihr nächster Auftritt steht bevor. Einer von vielen. Ein bisschen vermessen wäre es, von der Welttournee der "Alter-Naiven" zu sprechen, aber das ist Definitionssache: "Wir sind in Ulm, um Ulm und um Ulm herum", sagt Heide Schmidt. "Wir touren zwischen Elisa-Stift und Offenhausen, zwischen Oberelchingen, Unterweiler und dem Eselsberg. Also doch fast die ganze Welt."

Gegründet wurde das Seniorenkabarett von Erika Miecznik. Die "Alter-Naiven" treffen sich jeden Dienstag. Da wird braingestormt, auf dass die Ohren rauchen und die Hirne kochen. Es ist das Alltagsgeschehen, das die acht Senioren auf die Schippe nehmen, aber natürlich aus der weisen Sicht der Reife, die den Rentnern zu Eigen ist. "Unsere Sketche entspringen unserem Denken und unserer Generation", sagt sie. "Aber es geht nicht um den Rollator-Alltag, obgleich ich persönlich genau diesen Alltag gerade leidgeprüft kennen lernen muss."

Das aktuelle Programm heißt "Alltagsspitzen". Bei den Sketchen geht es beispielsweise um Patienten im Wartezimmer, um die einmalige Erfahrung, seinen Platz zufällig neben einem wüsten Hypochonder ergattert zu haben und noch die Bekanntschaft einer Dame zu machen, die das Wartezimmer lediglich als Lesesaal für die neuesten Frauenzeitschriften missbraucht. Zum Olymp der Trendyness maingestreamter Bestager gehört es, eine Pilgerreise zu machen und dem Jakobsweg zu folgen. Klar, dass die "Alter-Naiven" sich darüber ebenso lustig machen wie über den Trend, die deutsche Sprache mit Anglizismen zu überhäufen, um sich selbst modern zu geben. "Blöd nur, wenn man dadurch so modern wird, dass einen der eigene Enkel nicht mehr versteht", meint Erika Miecznik.

Nicht fehlen darf die beliebte Castingshow "Deutschland sucht den Superrentner", ein Sketch, in welchem sich die Kabarettisten über Rollator-Slalom und Dessous-Show mit sexy Angora-Unterwäsche lustig machen. Damit ist ein durchaus ernster Hintergedanke verbunden: Auf der Bühne wird eine Anleitung vermittelt, wie Ältere mit dem Fahrkartenautomaten am Hauptbahnhof umzugehen haben. "Mit so etwas haben wir Senioren einfach ein Problem", meint Frido Mandera. "Im Ernst: Es gibt bereits Kurse für Senioren, wie man mit diesem modernen Zeugs umgehen soll."

Info Der nächste Auftritt der "AlterNaiven" ist am Samstag, 2. März, um 14 Uhr im Club Orange der Ulmer Volkshochschule im Rahmen der Freiwilligenmesse. Eintritt frei.