Im Ulmer Biomüll ist viel zu viel Plastik. Das beklagen die Entsorgungsbetriebe der Stadt (EBU) schon seit langem. Sie wollten es aber ganz genau wissen und zogen deshalb eine übel riechende, unappetitliche Aktion durch. Der gesamte Biomüll eines Abfuhrtags aus Böfingen und Wiblingen wurde auf einen Gartenabfallplatz gefahren, ausgekippt und von mehreren Mitarbeitern in Schutzanzügen und Atemmasken durchwühlt und sortiert. Das Ergebnis war laut EBU-Geschäftsführer Thomas Mayer ernüchternd.

Biomüll aus zwei Ulmer Stadtteilen ausgekippt und sortiert

Plastik 90 Prozent des Biomülls war in Plastiktüten verpackt. Bezogen auf das Gesamtgewicht lag der Kunststoffanteil bei knapp vier Prozent – „ein absolutes K.o.-Kriterium für die Herstellung von gutem Kompost“.

Fremdstoffe Im Biomüll fanden sich darüber hinaus Windeln, Metalldosen, Alufolie, Glasflaschen, Arzneifläschchen, Tablettenverpackungen, Holz und ein Schuh.

Gefahrstoffe Die Mitarbeiter fischten sogar Batterien und Haushaltschemikalien aus dem Biomüll – Stoffe also, die im Kompost gefährlich sind. Warum sie im Bioabfall landen, ist den EBU unverständlich. Die Stoffe können kostenlos bei der Problemstoffannahme auf den Recyclinghöfen abgegeben werden.

Gelbe Karte für Müllsünder

Um den Anteil an Plastik und anderen Stoffen im Biomüll zu reduzieren, haben die EBU bereits im vergangenen Jahr eine Info-Kampagne gestartet. Alle Haushalte mit Biotonne wurden angeschrieben, es gab Plakate auf den Recyclinghöfen und Hinweise auf den Müllfahrzeugen. Dieses Jahr gehen die EBU einen Schritt weiter. Ab Mitte 2020 erhalten Biotonnen, die ganz offensichtlich falsch befüllt sind, eine gelbe Karte: einen gelben Aufkleber mit dem Hinweis auf den falschen Inhalt. Die beanstandeten Tonnen werden aber trotzdem geleert. Allerdings nicht mehr lang.

Ab 2021 werden falsch befüllt Biomülltonnen nicht mehr geleert

Denn ab 2021 gibt es die rote Karte. Auf dem roten Aufkleber weisen die EBU darauf hin, dass Plastiktüten, Flaschen und Co. selbst aussortiert werden müssen. Die EBU leeren diese Biotonnen nicht mehr. „Wir hoffen, dass es nicht so weit kommt“, sagte Mayer kürzlich im Entsorgungsausschuss. Für die EBU sei die rote Karte das allerletzte Mittel.

Um die Biotonne sauber zu befüllen, eignen sich laut Mayer Papiertüten beispielsweise von Bäckereien, Zeitungspapier oder spezielle Biomülltüten aus dem Handel. Der EBU-Chef hat sogar Verständnis dafür, dass manche ihre Bioabfälle in Plastiktüten von der Wohnung zur großen braunen Tonne bringen. Nur: Sie sollten dann den Bioabfall in die Tonne leeren und die Tüte in den Restmülleimer schmeißen.

Und wenn Fremde ihren in Plastik verpackten Biomüll in die am Straßenrand bereitgestellten Tonnen werfen? Dann können so genannte Schwerkraftschlösser helfen, sagt Mayer. Sie öffnen sich erst durch das Kippen am Müllfahrzeug. Wer ein solches Schloss will, muss es aber selbst kaufen.

Info Tipps zum sauberen Befüllen der Biotonne geben die EBU auf ihrer Homepage ebu-ulm.de

Nur die Hälfte der Haushalte hat eine braune Tonne


Biomüll
Rund 50 Prozent der Ulmer Bevölkerung sind an die Biomüllsammlung der EBU angeschlossen. Die andere Hälfte kompostiert selbst oder entsorgt den Biomüll auf andere Weise, beispielsweise in der Tonne des Nachbarn. Die Kontrolle ist aber schwierig und deshalb bisher großzügig.

Anschreiben
Die EBU wollen die eingesammelte Biomüllmenge erhöhen und dafür den Anteil der Biotonnen steigern. Zuerst werden alle Haushalte angeschrieben, die sich als „Eigenkompostierer“ veranschlagt haben. Sie müssen mit Foto dokumentieren, wie sie kompostieren. Im Frühjahr erhalten dann alle Haushalte, die keine Biotonne haben und die nicht selbst kompostieren, einen Brief. Sie sollen den EBU melden, wo und wie sie ihren organischen Abfall entsorgen. Denkbar wäre laut EBU, die Entsorgung des Biomülls nur noch in der engeren Nachbarschaft zuzulassen.