Biografie in Bildern

Noch sind die Räume in der Kohlgasse zur Renovierung geschlossen, der Blick über Carlos Cuenca-Ramirez Galerie ist aber zeitlos schön. Foto: Matthias Kessler
Noch sind die Räume in der Kohlgasse zur Renovierung geschlossen, der Blick über Carlos Cuenca-Ramirez Galerie ist aber zeitlos schön. Foto: Matthias Kessler
LENA GRUNDHUBER 24.01.2012
Carlos Cuenca-Ramirez ist mehr als ein Galerist, er ist selbst Künstler - und verkörpert ein Stück Ulmer Geschichte: Einst arbeitete er im studio f mit, seit 34 Jahren betreibt er seine eigene Galerie Cuenca.

Auf dem Foto im Treppenhaus sind zwei Ehepaare beim Mittagessen zu sehen, der andere Mann ist Günther Uecker. Ein signiertes Plakat von Max Bill hängt im Gang, der Stuhl im Atelier ist 45 Jahre alt und übrigens von Verner Panton. Auf diesen verwinkelten, vollgehängten und zugestellten Stockwerken ist alles Kunst oder Geschichte oder beides. Carlos Cuenca-Ramirez ist seit 34 Jahren Galerist, da sammelt sich was an.

In seinem Haus in der Kohlgasse stapeln sich die Zeugnisse eines Lebens, das schon immer mit der Kunst verwoben war, denn der 74-Jährige, geboren in Plieningen, ist selbst Künstler, hat Studien in Wien und New York betrieben, war jahrelang Bühnenbildner am Ulmer Theater, bevor er seine Galerie gründete. Bekannt ist er für seine Reißverschlussbilder, seine Objekte stehen in Museen und internationalen Skulpturenparks, in Ulm etwa auf dem Kunstpfad der Universität.

In den Atelier- und Magazinräumen häuft sich noch mehr als sonst, denn im kleinen roten Haus gegenüber, wo Ramirez die Kunst verkauft, ist derzeit kein Platz dafür: Die Galerie wird renoviert und erst in diesem Frühjahr wieder eröffnet. Zur Ausstellungsfläche mit den zwei Räumen auf 50 Quadratmetern kommt dann ein Wintergarten, "mehr Platz, aber weniger Wände", wie der ältere Herr trocken bemerkt. Zur Wiedereröffnung der Galerie neben dem schönen, spätgotischen Torbogen mit Münsterblick will er zusammen mit dem Plakatkünstler und Berliner Akademiepräsidenten Klaus Staeck Werke von Joseph Beuys zeigen, dem "Ziehvater von uns allen", sagt Ramirez. Schon 1978, im Gründungsjahr der Galerie, hat er Beuys ausgestellt.

"Eigentlich wollte ich einfach Kollegen zeigen", resümiert Ramirez seine Anfänge. Der Weg in die konkret-konstruktive Richtung sei da vorgegeben gewesen. Wohl auch durch seine intensive Mitarbeit im legendären studio f, der Galerie von Verleger Kurt Fried. In 110 Arbeitsstunden, so erzählt man sich, baute Carlos Cuenca-Ramirez damals den "Pavillon der Elemente" der Wiener Künstlergruppe Haus-Rucker-Co auf. Frieds Wohlwollen jedenfalls hatte er sich offensichtlich gesichert: "Das ist Kulturimpuls, wie er sein soll. Und kostet die Stadt keinen Pfennig", so schrieb der kritische Zeitungsmann dem Galeristen in sein Gästebuch. In diesen schwarzen Büchlein - es ist nicht nur eines - hat Ramirez die Geschichte seines kleinen Kunst-Unternehmens in einer regelrechten Collage aus Einladungen, Zeitungsartikeln und Gästebuch-Einträgen archiviert.

Früher im Nebenzimmer des Gasthofs "Zum wilden Mann" und in der Sebastianskapelle beheimatet, sei die Galerie nie als kommerzielle Veranstaltung gedacht gewesen, sagt er. Dafür sind die Namen in Büchern teils recht klangvoll: Rolf Glasmeier, Alf Lechner, James Reineking, Karlheinz Bux, Johannes Pfeiffer, Anton Stankowski, Ansgar Nierhoff oder eben Günther Uecker. "Es ist immer spannend gewesen bis jetzt", sagt Carlos Cuenca-Ramirez. Deswegen ist er immer noch dabei, auch jetzt noch als "Rentner" - die Berufsbezeichnung allerdings stammt von ihm selbst.

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