Kommentar Vergewaltigung im Ulmer Gefängnis: Billige Ausreden

Wie können solche massiven Übergriffe in einem Gefängnis unter den Augen des Wachpersonals passieren, fragt unser Redakteur Rudi Kübler.
Wie können solche massiven Übergriffe in einem Gefängnis unter den Augen des Wachpersonals passieren, fragt unser Redakteur Rudi Kübler. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Rudi Kübler 11.09.2018
Sich herauszureden, dass es in Gefängnissen immer wieder zu Gewalttaten kommt, ist zu einfach, meint Rudi Kübler.

Abscheulich und widerwärtig sind die Vergehen, derer sich ein 19-jähriger Häftling der Justizvollzugsanstalt schuldig gemacht hat. Um diese persönliche Schuld ging es im Prozess vor der 3. Großen Strafkammer am Landgericht Ulm, der gestern nach fünf Verhandlungstagen beendet war. Acht Jahre Haft sind durchaus angemessen für das, was der verurteilte Straftäter einem Zellengenossen angetan hatte. Ärzte im Uni-Klinikum diagnostizierten einen Nasenbein- und einen Jochbeinbruch, Hämatome im Gesicht, Schürf- und Risswunden an Armen und Beinen, blaue Flecken an Brust und Rücken, mehrere gebrochene Rippen, ein geplatztes Trommelfell und schließlich die lebensgefährliche Darmverletzung.

Um diese Taten ging es – „nicht um die Verfehlungen der Justizvollzugsanstalt. Das zu beurteilen steht uns nicht an“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Wie aber können solche massiven Übergriffe in einem Gefängnis unter den Augen des Wachpersonals passieren? Wenn die Justizwachtmeister bei Hämatomen im Gesicht nicht einschreiten, wann dann? Wenn der Anstaltsarzt bei derart schweren Verletzungen nicht reagiert, wann dann?

Sich damit herauszureden, dass es in deutschen Vollzugsanstalten immer wieder zu Gewalttätigkeiten kommt, ist zu billig.

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