Das Geschäft der Weiterbildungsinstitute boomt - vor allem mit Integrationskursen für Flüchtlinge. "Wir hatten 2015 eine enorme Entwicklung", sagte Bernd Holzhofer vom Bfz Donauwörth-Ulm-Aalen beim Besuch von Oberbürgermeister Gerold Noerenberg. Daher expandiert das Bfz in der Neu-Ulmer Boschstraße mit einer Filiale in der Baumgartenstraße und mietet zudem Räume in der TFU. "Wir platzen aus allen Nähten", sagte Standortchefin Anja Ludwig. Es gibt auch eine Niederlassung in Illertissen.

Das Bfz (siehe Infokasten) befasst sich mit Jugendlichen, die sich in keiner Schule halten konnten; mit Langzeitarbeitslosen, die lernen müssen, wie man am Computer eine Bewerbungsmail schreibt; mit alleinerziehenden Frauen, die vielleicht nur noch eine Adresse im Frauenhaus haben; nun auch mit Flüchtlingen, nicht zuletzt jungen, unbegleiteten Migranten, die über Deutschkurse hinaus eine feste Tagesroutine einüben sollen.

Für das Bfz ist die Arbeit mit Flüchtlingen nicht neu. Man habe auch schon die Wellen mit Spätaussiedlern und Kontigentflüchtlingen erlebt, sagte Holzhofer, stets verbunden mit mehr Deutsch-Unterricht. Derzeit laufen allein neun Alphabetisierungskurse mit je zwölf Teilnehmern, auch für den Umstieg von der arabischen auf die deutsche Schrift.

Für die Bfz-Kurse, die oft von den Jobcentern, aber auch mit europäischen Sozialmitteln finanziert werden, gibt es in dem früheren Firmengebäude an der Ecke Dieselstraße neun Schulungsräume - davon drei mit Computern - sowie eine Metall- und Holzwerkstatt. In der Werkstatt sollen junge Leute, die zuletzt nur noch Misserfolge kannten, nach Ludwigs Worten wieder ein wichtiges Erfolgserlebnis haben: indem sie mal kleinere Projekte zum Abschluss bringen, wie Nistkästen für den Nabu bauen. Jugendliche machen etwa die Hälfte der Klientel aus. Sie werden von den 35 Mitarbeitern teils direkt an den Schulen betreut, wo sie den Mittelschulabschluss schaffen sollen - auch mit zehnmonatigen Intensivkursen.

Bei Langzeitarbeitslosen geht es darum, Menschen, die womöglich viele Jahre keine feste Arbeit hatten, wieder für die Berufswelt fit zu machen, teils mit Einzel-Coachings. Die Erfolgsquote beträgt hier 65 Prozent, sonst in dieser Gruppe 40 Prozent. Einigen Arbeitslosen fehlt vielleicht die Motivation: "Manche haben sich auf Hartz IV eingerichtet," sagte Anja Ludwig. Suchtprobleme müssen vor einem Kurs mit medizinischen Therapien gelöst sein. Aus Sicht Ludwigs muss die Prävention bei familiären und sozialen Problemen viel früher, nämlich schon in der Grundschule ansetzen.

Vor allem für junge Erwachsene gibt es auch Umschulungen, um höhere Anforderungen der Arbeitgeber besser zu erfüllen. Der Standort Ulm in der Kässbohrerstraße setzt noch früher an und betreut vor allem Lehrlinge in ihrer Ausbildung.

Berufsrückkehrerinnen mit teils guten Schulabschlüssen bilden in dem schwierigen Umfeld fast eine Elite: mit Vermittlungsquoten von 90 Prozent. Weitere Angebote richten sich an Behinderte. Das Bfz betreibt andererseits eine Transfergesellschaft für Surteco (Laichingen).

Bei der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit stehen Deutschkurse im Vordergrund. Für junge Migranten mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit und guter Vorbildung startet am 1. März beim Bfz Neu-Ulm auch der "Bayern-Turbo". Das Ziel: ein Praktikum oder eine Lehrstelle nach sechs Monaten. Mit den Alphabetisierungskursen unterrichtet das Bfz etwa 170 Flüchtlinge, Insgesamt sind es mit Ulm/Illertissen etwa 500 Teilnehmer pro Jahr.

OB Noerenberg fragte mit Blick auf die 1800 Flüchtlinge im Landkreis nach, ob es überhaupt noch genügend Deutsch-Lehrkräfte auf dem Markt gebe. "Das wird zunehmend schwieriger", sagte Anja Ludwig, die etwa 200 freie Dozenten einsetzt. Gleichwohl könne man durchaus weitere Kurse unterbringen.

Holzhauer machte nochmal die enormen Herausforderungen bei der Integration von Flüchtlingen deutlich: Das Bfz habe einen syrischen Auto-Mechaniker zunächst in einer regionalen Werkstatt untergebracht. Er könne prima einen Auspuff austauschen, ihm fehlten jedoch Elektronik-Kenntnisse. Wenn ihn die Werkstatt ohne nachgewiesene Qualifikation einstellt, riskiert der Betrieb seine Zertifizierung.

Das Stamm-Team des Bfz übernimmt vor allem die sozialpädagogischen Aufgaben - beispielsweise auch in der ambulanten Jugendhilfe, wo die Mitarbeiter nach Maßgabe des Jugendamts direkt in den betroffenen Familien beraten.

Bfz: Daten und Fakten

Trägerschaft Träger des Bfz (Berufliches Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft) ist das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft (Bbw), das wiederum von 33 Verbänden, 10 Unternehmen und 12 Förderern getragen wird.

Organisation Es gibt in Bayern und im angrenzenden Baden-Württemberg insgesamt 24 solcher Beruflichen Fortbildungszentren mit 180 Nebenstellen, mit 9500 Mitarbeitern, davon 1622 Zeitarbeiter. Umsatz 2014: 425 Millionen Euro.

Einzugsgebiet Das Bfz Donauwörth-Ulm-Aalen ist ein "Flächen-Bfz" mit Hauptsitz Donauwörth und Standorten in Aalen, Schwäbisch Gmünd, Dillingen, Biberach, Ehingen, Günzburg, Illertissen, Krumbach, Neu-Ulm, Nördlingen und Ulm.