Ulm Bilder aus dem alten Ulm

Ulm / YASEMIN GÜRTANYEL 30.12.2013
Das erste Nabada, das erste Donaufest, aber auch Bilder aus der Nazizeit. Das alles ist bei den Ulm-Filmtagen vom 2. bis 6. Januar zu sehen.

Sein Geld verdient Günter Merkle, Geschäftsführer der Ulmer Protel Film&Medien GmbH, mit Werbefilmen für die Industrie. Auch für die Werbefilme der Stadt Ulm zeichnet seine Firma verantwortlich. In diese Filme wird immer wieder historisches Filmmaterial eingearbeitet - was zu einer Art Hobby für Merkle geworden ist. "Ich schaue halt, dass zwischendurch die Kosten wieder etwas reinkommen", sagt er.

Auch die Ulm-Filmtage, die er in Kooperation mit der Lichtburg zum ersten Mal veranstaltet, sind nicht in erster Linie aus kommerziellen Gründen entstanden. Merkle geht es um den Film an sich, wie er sagt. Etwa darum, die historischen Ulmfilme, deren erste Folge in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv 2004 auf DVD erschienen ist, in HD-Qualität zu zeigen - erweitert um diverse Szenen. "Wir bekommen immer wieder zusätzliches Material zugeschickt", erzählt er. Beispielsweise von Menschen, die die historischen Ulm-Filme gesehen hatten und Filmmaterial zuhause haben.

Geplant ist, die Filme alle zwei Jahre zu aktualisieren und im Kino zu zeigen. Denn die Ulm-Filmtage sollen von nun an regelmäßig stattfinden - und keineswegs nur alte Filme zeigen. "Ich hoffe, dass auch junge Filmemacher aufmerksam werden und Interesse zeigen, mitzumachen", sagt Merkle.

In der ersten Auflage wird zunächst vor allem das ältere Publikum bedient. Gezeigt wird etwa das erste Nabada aus dem Jahr 1927 und das erste Fischerstechen sogar von 1922. Auch die düsteren Ulmer Zeiten werden nicht ausgelassen, so sieht man etwa im Jahr 1943 Soldaten die historische Altstadt besichtigen - das Material wurde dann für einen Nazi-Propagandafilm benutzt, erzählt Merkle. Auch Ereignisse aus neuerer Zeit sind festgehalten, etwa das erste Donaufest aus dem Jahr 1998. Die Kommentare zum Film hat Merkle selbst eingesprochen, dazu improvisiert Hannes Kalbrecht auf dem Piano. "Damit die 70 Minuten auch kurzweilig werden", meint Merkle.

Außerdem gezeigt werden zwei Filme der aus Neu-Ulm stammenden Regisseurin Sibylle Tiedemann: "Kinderland ist abgebrannt" über Ulm in den 30er Jahren und die Fortsetzung "Briefe aus Chicago", wo es um eine Ulmer Familie im Exil geht.

Info Die Ulm-Filmtage finden von Donnerstag, 2., bis Montag, 6. Januar, in der Lichtburg statt. Den Beginn machen die "Ulmer Feste", gefolgt von den Filmen Sibylle Tiedemanns, an den beiden letzten Tagen kommen die "Historischen Ulm-Filme". Beginn jeweils um 11 Uhr.