Hausgebrautes Bier und das Bierhandwerk standen am Wochenende im Mittelpunkt der „Haus- und Hobbybrauertage“ im Tagungszentrum Blaubeuren. Diese Veranstaltung der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland (VHD e.V.) findet jährlich an wechselnden Orten statt. In diesem Jahr war VHD-Mitglied Thomas Lill der Ausrichter vor Ort. Er braut sein „Pumator“ im „Brauzentrum Blaubeuren“ im Blaubeurer Ortsteil Sonderbuch.

Die „Haus- und Hobbybrauertage“ dienen dem Austausch von Gleichgesinnten und präsentieren das traditionelle Handwerk des Bierbrauens der Öffentlichkeit, wobei Interessierten Wege zum Bierbrauen aufgezeigt werden. Bei der 18. Auflage von Freitag bis Sonntag gab’s für die Haus- und Hobbybrauer sowie Besucher ein breites Programm. Das Spektrum reichte vom Verkosterseminar am Freitag bis zum Vortrag von Andrea Fadani vom Ulmer Brotmuseum über „Urgetreide“ am Sonntag. Außerdem nahmen 180 Leute an Exkursionen teil, die auch in die Brauerschule nach Ulm oder in die Berg-Brauerei nach Ehingen führten.

Rohstoffe zur Bierherstellung, Ausrüstung und Fachliteratur wurden beim Hausbrauermarkt im Foyer des Tagungszentrums mit angeschlossenem Bierbrauer-Flohmarkt präsentiert. Das Vierer-Team von „Vierbräu“ aus Erlangen deckte sich mit Hopfen und Spindeln zum Messen des Stammwürzegehalts ein. Das Hobbybrauerquartett besucht die Haus- und Hobbybrauertage jedes Jahr: „Hier trifft man viele andere Brauer zum Austausch und es gibt die Hausbrauerbiere zu probieren“, nannte Petra Paulsen den Grund.

Während das „Vierbräu-Team“ schon geübt ist in der Bier-Sensorik, sind Daniel Rueß und Martin Grupp aus Ulm noch Neulinge auf dem Gebiet. Seit einiger Zeit interessieren sie sich fürs Bierbrauen, jetzt wollen sie beide mit diesem Hobby beginnen. Zuerst haben sie beim Verkosterseminar ihre Geschmacksnerven geschult. „Es besteht eine Welt abseits der Fernsehbiere“, verwies Rueß auf die geschmackliche Vielfalt der Kleinbrauer. Beim Bierbrauermarkt bestaunten sie die vielen Malz- und Getreidesorten, die eine Vielfalt an Geschmacksmöglichkeiten bieten.

Von den Händlern war dort zu erfahren, dass Bierbrauen zu Hause im normalen Kochtopf ebenso möglich ist wie im Einkochtopf. Dazu gab es beim Markt kleine Anlagen, eigens konzipiert zur Bierherstellung. Welche Ergebnisse dabei herauskommen, zeigte die Bierverkostung mit Prämierung. Konzentriert verteilten 34 Teilnehmer bei der Verkostung ihre Punkte für die von Mitgliedern eingereichten 32 Biere. Dabei konnten sie jeweils eine von drei Sorten vergleichen: dunklen Weizenbock, Helles Spezial oder dunkles Roggenbier.

„Hausgebrautes“ wird zunehmend beliebter, wie die stetig steigenden Mitgliederzahlen bei der VHD zeigen. Inzwischen sind dort 500 Leute organisiert. „Der Weg geht hier weg vom Industriebier“, betonte der zweite Vereinsvorsitzende Walter Geißler. Das sei vergleichbar mit der gekauften Torte und dem selbst gebackenen Kuchen – eine Art „Landlust-Phänomen“.