Target-Sprint Biathletin ohne Ski

Ihr Ziel fest im Visier hat Madlen Guggenmos: Sie will eine weitere WM-Medaille.
Ihr Ziel fest im Visier hat Madlen Guggenmos: Sie will eine weitere WM-Medaille. © Foto: Rudi Apprich
Dornstadt / Henri Gallbronner 30.08.2018

Biathlon ist eine der beliebtesten Wintersportarten. Den Reiz, den die Kombination aus Laufen und Schießen bietet, haben nun auch die Schützen für sich entdeckt: Nach der Premiere 2017 im thüringischen Suhl werden auch bei der jetzigen Weltmeisterschaft in Korea (1. bis 13. September) Titel im Target-Sprint vergeben. Die Titelverteidigerin bei den Juniorinnen kommt aus Mähringen und heißt Madlen Guggenmos.

Der Modus im Target-Sprint ist einfach. Der wesentliche Unterschied zum Biathlon ist natürlich, dass man nicht auf Langlauf-Ski, sondern zu Fuß unterwegs ist. „Außerdem sind die Strecken kürzer“, erklärt Madlen Guggenmos. Drei 400-Meter-Runden müssen die Teilnehmer absolvieren: „Dazwischen schießt man mit dem Luftgewehr.“ Das ist vergleichbar mit den Schülerklassen im Biathlon. Auch hier ist das Luftgewehr gefragt, das am Stand bleibt, während später das Kleinkalibergewehr auf dem Rücken mitgenommen wird.

Strafsekunden für Fehler

Die Ziele sind 35 Millimeter große Klappscheiben. Um sie zu treffen, dürfen 15 Schüsse abgegeben werden, nicht fünf wie im Winter. Wem das nicht reicht, der muss für jede Klappe, die nicht zu geht, zehn Sekunden Strafzeit absitzen. „Es gibt einen Vorlauf und die zehn Zeitschnellsten kommen ins Finale“, sagt Madlen Guggenmos.

Bevor sie im letzten Jahr zum Target-Sprint wechselte, war die 17-Jährige als Biathletin beim DAV Ulm aktiv. „Ich hab mit neun oder zehn Jahren angefangen“, erzählt die Mähringerin, die inzwischen auch als Übungsleiterin aktiv ist. Anfang 2017 entschloss sie sich, den Target-Sprint auszuprobieren – schließlich ist der DAV auch Schützenverein. „Ich habe mich ziemlich unerwartet für die WM qualifiziert“ – und sie auch gleich gewonnen. „Was ich gut finde, ist, dass die Führung sehr schnell wechselt“, sagt Madlen. Besonders vom Schießen hänge sehr viel ab: „Man hat selbst in der Hand, wie das Rennen verläuft.“

Die Ulmer um Abteilungsleiter Werner Rösch und Madlens Vater Stefan haben viel getüftelt, um die Biathlongewehre tauglich für die neue Disziplin zu machen. Beim Target-Sprint wird nämlich einzeln nachgeladen, während man beim Biathlon Magazine mit fünf Schuss hat. Mit Klebestreifen, verschiedenen Magazinen und Moosgummi wurde experimentiert. Zudem hat Madlen Guggenmos viel geübt, um das Nachladen zu perfektionieren. Wie genau es funktioniert, da will sich niemand in die Karten schauen lassen.

In Changwon im Südosten der koreanischen Halbinsel tritt die Mähringerin, die als einzige deutsche Juniorin am Start ist, auch in der Staffel an. Hier allerdings in der Aktivenklassen. Die Titelverteidigung hat Madlen Guggenmos natürlich im Hinterkopf, hat sie sich jedoch nicht explizit vorgenommen: „Ein großes Ziel für mich ist es, unter die Top Drei zu kommen.“ Stefan Guggenmos, der seine Tochter auch trainiert, traut ihr das natürlich zu.

Abseits der Wettkampfstrecke hat sie sich vorgenommen, Kontakte zu anderen Athleten zu knüpfen: „Die Briten und Italiener kennen wir ja schon, aber außerhalb Europas haben wir noch keine Connections“, sagt sie. Nach der WM ist sie dann eine Woche in Frankreich mit der Schule.  Danach steht noch ein weiterer internationaler Wettkampf bevor, diesmal in Großbritannien. Dazu nimmt der DSB im Target-Sprint je vier Athleten mit. „Da möchte ich auf jeden Fall noch mal fit sein“, sagt die 17-Jährige.

Gemischte Gruppe beim DAV Ulm

Am Dornstadter Biathlonzentrum hat sich um Madlen Guggenmos eine Trainingsgruppe für Sommerbiathlon gebildet. Cheftrainer ist Stefan Guggenmos. Die meisten starten beim traditionellen Sommerbiathlon, der über längere Laufstrecken führt.

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