Verkehr Bewohner des Fischerviertels ärgern sich über Falschparker

Chirin Kolb 27.06.2017
Anwohner des Fischerviertels sammeln Unterschriften, weil Autos Feuergassen blockieren. Die Stadt sollen häufiger und schärfer kontrollieren.

Autofahrer, die an jeder sich bietenden Ecke parken, die Hauseingänge, Kreuzungen oder Feuergassen blockieren, sind ein Ärgernis für etliche Bewohner des Fischerviertels. 18 von ihnen haben einen Brief an OB Gunter Czisch und alle Gemeinderatsfraktionen unterschrieben, in dem sie ihrem Ärger Luft machen und Abhilfe fordern: in Form von häufigeren Kontrollen und intensiverer Ahndung. „Wir wollen keinen Polizeistaat“, heißt es in dem Brief. „Aber die Parkregeln sollten für alle gelten, vor allem wenn es die Sicherheit betrifft.“

Besonders betroffen seien Fischergasse, Schwörhausgasse, Gerbergasse, Auf der Insel, Kronengasse und Unter der Metzig. Dass das Viertel eine verkehrsberuhigte Zone ist, begrüßen die Anwohner. Nur: „Es wird nicht beachtet.“ Sie wünschen sich „ein besseres Miteinander“ und mehr Rücksichtnahme. Von den städtischen Bürgerdiensten fühlen sie sich allein gelassen und nicht ernst genommen.

Eine Anwohnerin schildert ihre Erfahrungen so: Sie habe sich schon mehrfach bei den Bürgerdiensten beschwert, auch Fotos von Falschparkern vorgelegt. Autofahrer, die beispielsweise auf der Brücke über der Blau parken, kriegen Strafzettel, hat sie beobachtet. „Ansonsten erlebt man Ignoranz und Arroganz.“ Um Erfolg zu haben, müsse man offensichtlich „unverschämt laut“ werden auf dem Amt. „Dann bekommt man alles toleriert, was ansonsten verboten ist.“

Das lässt Rainer Türke von den Bürgerdiensten nicht so stehen. Der Stadt sei das Problem durchaus bekannt, und sie tue auch was dagegen. Die Bürgerdienste seien außer sonntags täglich im Fischerviertel unterwegs, schreiben Verwarnungen und lassen, wenn es die Verhältnismäßigkeit erlaube, Falschparker abschleppen, die Feuergassen blockieren. Mehr ließen die personellen Möglichkeiten nicht zu.

Denn das Fischerviertel sei zwar wegen der wenigen Parkplätze und der engen Gassen ein schwieriges Terrain, es sei aber bei der Zahl der Verkehrsverstöße nicht besonders auffällig. „Das Fischerviertel ist im Vergleich mit anderen Innenstadtbereichen kein Schwerpunkt“, sagt Türke. Er will den Brief der Anwohner aber zum Anlass nehmen, das Thema mit den Mitarbeitern nochmal zu besprechen. 

Auch die Politik hat schon reagiert. Die SPD möchte das Parken im Fischerviertel in einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungs- und Hauptausschusses behandelt wissen. Bei zugeparkten Feuergassen „sollte jede Toleranz ein Ende haben“.

Ein Privileg haben die Bewohner des Fischerviertels allerdings: Sie dürfen als einzige in einem verkehrsberuhigten Bereich in Ulm mit einem Anwohnerparkausweis auch außerhalb der markierten Parkplätze parken. „Das wird toleriert“, sagt Türke. Die Stadt trage damit dem hohen Parkdruck im Fischerviertel Rechnung.

Dauert die Belieferung der Gaststätten zu lang?

Kritik Dass Gaststätten angedient werden müssen, ist für die Anwohner im Fischerviertel selbstverständlich. Allerdings müsse auch da die Feuergasse frei bleiben, schreiben sie. Außerdem „erscheint uns die Andienung oft weit länger zu dauern, als es tatsächlich notwendig ist“, heißt es in dem Brief an den OB und die Fraktionen.

Gastronomie Wenn Lieferlastwagen vor den Lokalen halten, kann es schon mal passieren, dass kein Auto mehr durchkommt, räumt Michael Freudenberg, der Inhaber des „Wilden Mann“, ein. Die Straßen im Fischerviertel seien schließlich schmal. Die Anlieferer achteten aber darauf, Platz zu lassen. Und wenn nicht, „dann muss man halt eben mal fünf Minuten warten“. Er wirbt um Verständnis: „Jeder Anwohner kriegt doch auch mal ein Päckchen von DHL.“ Freudenberg hat auch nicht den Eindruck, dass zu wenig kontrolliert werde – das weiß er aus eigener leidvoller Erfahrung, denn er hat keinen Anwohnerparkausweis, dafür aber den einen oder anderen Strafzettel.