Wonnemar Betreiber gibt Wonnemar zurück - Uneinig über Sanierungsfinanzierung

Die Fahnen vor dem Wonnemar wehen noch nicht auf Halbmast. Ende 2016 wird der Betreiber aus dem Pachtvertrag aussteigen.
Die Fahnen vor dem Wonnemar wehen noch nicht auf Halbmast. Ende 2016 wird der Betreiber aus dem Pachtvertrag aussteigen. © Foto: Matthias Kessler
EDWIN RUSCHITZKA 20.04.2016
Das Wonnemar-Freizeitbad geht wieder an die Städte Ulm und Neu-Ulm zurück. Der Betreiber, die Interspa aus Stuttgart, wird den Pachtvertrag über den 31. Dezember diesen Jahres hinaus nicht verlängern. <i>Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka: Kommunal heißt die Lösung.</i>
Die Nachricht schlug gestern Nachmittag ein wie eine Bombe: Die Interspa aus Stuttgart wird den Pachtvertrag für das Freizeitbad, das Freibad und die Eislaufanlage auf Neu-Ulmer Gemarkung nicht mehr verlängern. Er läuft also am 31. Dezember 2016 aus. Diese Mitteilung erreichte am Mittwoch gegen 14 Uhr die beiden Städte und gegen 16.30 Uhr die Medien. Als Grund für den überraschenden Ausstieg hat das von Interspa beauftragte Ulmer Pressebüro Unstimmigkeiten über die Finanzierung der Folgen der anstehenden Umbauarbeiten angegeben.

Interspa-Geschäftsführer Volker Kurz selbst war zunächst nicht zu sprechen. Er wird in der Pressemitteilung dahingehend zitiert, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, das Bad unter finanziell unangenehmen Bedingungen weiter zu führen. Tatsächlich aber, so der Ulmer OB Gunter Czisch auf Anfrage, hat es im Verhältnis der beiden Städte zur Interspa schon länger Unzufriedenheiten gegeben.

Der von beiden Stadtratsgremien beschlossene Plan sah vor, dass das Wonnemar-Freizeitbad noch in diesem Jahr umfassend saniert wird – entsprechend den Wünschen des Betreibers. Ein eigener, vom Spaßbad abgetrennter Thermalbereich sollte entstehen. Das hätten sich die beiden Städte 2,7 Millionen Euro kosten lassen. Das Bad wäre elf Wochen geschlossen gewesen. Streit gab es in den vergangenen Wochen darüber, wer für die Ausfallkosten während der Schließung aufkommt. Laut Interspa-Pressemitteilung sollen das Angebot beider Städte und die Vorstellungen des Betreibers um 200.000 Euro auseinander gelegen haben. Unter diesen Bedingungen hat Interspa die Reißleine gezogen, auch deswegen, weil das Bad in den vergangenen fünf Jahren ein Minus im siebenstelligen Bereich erwirtschaftet haben soll.

Dass der Betreiber des Bads rechnen müsse und keine Miesen machen wolle, sieht der Ulmer OB Gunter Czisch ein. Er habe sich zusammen mit dem Ulmer OB Gerold Noerenberg zuletzt sehr intensiv um eine Einigung bemüht. Aber auch die beiden Städte müssten rechnen, und diese hätten der Interspa dann ein definitiv letztes Angebot vorgelegt. Mehr wollte Czisch zu den Details nicht sagen.

Der Ulmer OB gab aber auch zu, dass „der Geduldsfaden der beiden Städte zuletzt nicht mehr der längste war“. Sprich: Das Verhältnis zum Betreiber sei doch ziemlich angespannt gewesen, bedingt auch durch die öffentlichen Diskussionen über das Bad. Czisch meinte damit wohl die jüngsten Preiserhöhungen, die vor allem zu Lasten von Familien gegangen waren. „Wir mussten klar Schiff machen“, sagte der Ulmer OB, der Wert darauf legt, dass die Monate bis zu Übergabe ordentlich über die Bühne gehen.

Die beiden Städte würden jetzt Plan B aus der Schublade ziehen. Dieser sehe vor, dass das Freizeitbad, das Freibad und die Eislaufanlage im neuen Jahr vorübergehend wieder von der Freizeitanlagen Neu-Ulm Betriebsgesellschaft (FZG), einer Tocher der Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft (Nuwog), betrieben wird. Das war bis 2010 der Fall, als Wolfgang Stichlers Atlantis GmbH das Freizeitbad den beiden Städten übergeben musste. Zuvor hatten die Städte das Freizeitbad für zehn Millionen Euro saniert.

Wie es auf lange Sicht weiter geht, so Czisch, müssten die Stadtparlamente festlegen. Die Frage sei, ob die Freizeitanlagen wieder in einer kommunalen Form betrieben werden. Oder ob der Betrieb wieder zur Pacht ausgeschrieben wird. Letzteres hofft Peter Tittel nicht, der Betriebsratsvorsitzende im Wonnemar. „Die Belegschaft würde sich sicher wünschen, wenn das Bad, in welcher Form auch immer, kommunal betrieben wird. Auch wünscht sich für die Belegschaft, dass die Monate bis zum Ausscheiden der Interspa gesittet über die Bühne gehen. Tittel hatte die Nachricht am Mittwoch im Internet gelesen. Der Betriebsrat sei in keiner Form eingebunden gewesen. „Für die Interspa existieren wir einfach nicht“. Wohl aber habe man geahnt, dass in den nächsten Wochen etwas Bedeutendes geschehen werde.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Kommunal heißt die Lösung

Es ist schon bemerkenswert, dass der neue, schwarze Ulmer OB Gunter Czisch, kaum im Amt, an der Rückgabe des Freizeitbads in die Hände der Kommunen maßgeblich mitbeteiligt war, während der einst rote OB Ivo Gönner dem privaten Pächter stets die Treue hielt. Das ist aber nur eine Nebensächlichkeit.

Der Geduldsfaden, so Czisch, sei bei ihm und seinem Neu-Ulmer Kollegen Gerold Noerenberg nicht mehr der längste gewesen. Wohl wahr! Was mussten die beiden Städte nicht alles schlucken: Gleich bei der Übernahme 2011 Diskussionen über zu hohe Eintrittspreise, auch Ende des vergangenen Jahres wieder, als das Wonnemar die Familien mit satten Aufschlägen zur Kasse bat. Und dann auch immer wieder Klagen über die fehlende Sauberkeit im Bad, über Personalmangel und hygienebedingten Beckenschließungen durch die Gesundheitsbehörden. Fürs Renommee war das alles andere als gut.

In ein paar Monaten ist das Geschichte, und alle hoffen, die dass die restliche Zeit gesittet über die Bühne geht. Dem kann man sich im Sinne der Beschäftigten und der Badegäste nur anschließen.

Und dann? Ein Kardinalfehler wäre es, die Städte würden sich einen neuen Pächter suchen. Nein! Die Lösung kann nur eine kommunale sein, in welcher Form auch immer. Eine Freizeitanlagen-Gesellschaft oder so etwas ähnliches muss her, in der alle Bäder, Hallen und was sonst noch dazu passt, betrieben werden. Und das bitte gemeinsam.