Ulm Besuch der lebendigen Geisterbahn auf dem Volksfest

Sie sollen für den Grusel sorgen: Ralf, Raul und Thomas, die Geister-Belegschaft im „Old Shining House“ am gestrigen Dienstagnachmittag.
Sie sollen für den Grusel sorgen: Ralf, Raul und Thomas, die Geister-Belegschaft im „Old Shining House“ am gestrigen Dienstagnachmittag. © Foto: Volkmar Könneke Volkmar Könneke
EDWIN RUSCHITZKA 12.07.2016
Die lebendige Geisterbahn "Old Shining House" ist eine der Attraktionen auf dem Ulmer Volksfest. Wir haben die Monster besucht.

Man ahnt es nur, denn viel zu sehen ist im stockdunklen „Old Shining House“ nicht, wie die lebendige Geisterbahn auf dem Ulmer Volksfest heißt: Da kriecht eine Gestalt auf dem Boden. Sie streckt ihre Hand zum Fuß des Besuchers aus, fasst ihn an und krakeelt: „Uah, Menschen!“ Ein Untoter vermutlich. Entlang der spärlich leuchtenden Kerzen geht der kleine Fußmarsch weiter.

Da vorne tut sich wieder was – und plötzlich wird es infernalisch laut. Ein Mann mit einer Clownsmaske steht an einem Tisch, er schaltet eine Flex-Maschine ein und bearbeitet ein Stück Metall. Zum schrillen Geräusch kommt jetzt auch noch der Funkenflug. Das kleine Feuerwerk wirkt im Dunklen ganz nett. Wieder geht es durch den düsteren Gang ein Stück weiter, aber – ganz hinten ist schon der Ausgang zu sehen. Abermals wird es hinter einem ziemlich laut. Und man spürt warme Luft im Genick. Ein Zombie mit Schlapphut und einer klaffenden Wunde im Gesicht gibt sich zu erkennen, begleitet den Besucher bis zur Türe. Und das mit einer laufenden Kettensäge, allerdings ohne Kette. Schon ist der Spuk vorbei. Keine fünf Minuten hat’s gedauert.

Naja, die Gruseleffekte sind noch steigerungsfähig. Und mit nur drei Monstern ist das „Old Shining House“ an diesen Dienstagnachmittag auch nur spärlich besetzt. Normalerweise seien es doppelt so viele, sagt der Besitzer. Und ein Rundgang dauere zwischen fünf und zehn Minuten, manchmal sogar eine Viertelstunde.

Ludwig Barth, 26 Jahre alt und Schausteller in der vierten Generation, ist der Eigentümer des „Old Shining Houses“. Die Anlage sei relativ neu, früher sei er mit der „Gaudihütte“, also dem krassen Gegenteil, über die Volksmärkte gezogen. Und das war ein spaßiger Hindernisparcours. Die Geister, die er für „Old Shining House“ ruft, bekommt er über eine Agentur. Und so hängt draußen auch kein Schild „Monster zum Mitreisen gesucht.“ Es sind hauptsächlich Migranten, vor allem Rumänen, die er beschäftigt. Und die sprechen kein Wort Deutsch. Der einzige Deutsche derzeit, so Ludwig Barth, sei etwas schüchtern und wolle mit der Presse nicht reden.

Der Versuch, mit einem der Rumänen ins Gespräch zu kommen, wird vom ihm im Keim erstickt. Ludwig Barth grätscht sofort dazwischen: „Auskünfte nur über mich!“ Und so ist es unmöglich mit jenen zu reden, deren Vornamen Barth mit Raul, Ralf und Thomas angibt. Das Trio wird von 14 Uhr bis zur Geisterstunde fürs Erschrecken sorgen.

Laut Barth hat sein Personal Spaß an der Arbeit. Die Bezahlung würde auch stimmen, „sonst wären sie ja nicht dabei“. Für einige sei es ein Zweitjob oder sogar ein Hobby. Eine Art Drehbuch für den Gang durchs „Old Shining House“ gibt es nicht. Die lebendigen Geister würden ihre Grenzen erkennen. „Wenn Opa und Oma mit den Enkeln kommen, wird’s weniger gruslig.“ Und wenn zehn Jugendliche aus dem Bierzelt hinein wollen, würden die Geister schon mehr Register ziehen.

Mit dem ersten Wochenende in Ulm ist Ludwig Barth sehr zufrieden: „Die Ulmer“, so sagt er, „kann man gut erschrecken.“ Vielleicht auch mit dem Eintrittpreis. Der Gang durchs „Old Shining House“ kostet 4 Euro.

Das Ulmer Volksfest

Programm
Das Ulmer Volksfest in der Friedrichsau ist noch bis Schwörmontag geöffnet – unter der Woche von 14 bis 0 Uhr, sonntags ab 11 Uhr und am Schwörmontag ab 12 Uhr. Neben den üblichen Buden und teils sehr attraktiven Fahrgeschäften haben sich die neuen Macher Michael Steinmüller und Oliver Fischer wieder ein Begleitprogramm einfallen lassen: Am Dienstag soll mit Einbruch der Dunkelheit (20.30 Uhr) ein Musikfeuerwerk beginnen. Der Mittwochnachmittag steht im Zeichen der Familie mit ermäßigten Preisen. Am Donnerstag beginnt um 21.30 Uhr das Riesenrad-Dinner, das man im Internet (aktionen@ulmer-volksfest.de) buchen kann. Am Freitag startet um 20 Uhr der Lampionumzug. Und um 21 Uhr beginnt das Ballonglühen, aber nur bei gutem Wetter.