Kindeswohl Bessere Vernetzung in Ulm als in Staufen

Ulm / Verena Schühly 09.08.2018

Der Missbrauchsfall Staufen hat mangelnde Absprache und Fehleinschätzungen von Behörden offenbart. Könnte das auch in Ulm passieren? „Ulm ist besser gewappnet, weil hier alle Akteure stark vernetzt sind“, sagt Bettina Müller, die Leiterin des Kinderschutzbunds (KSB) Ulm/Neu-Ulm. Beispielsweise im Arbeitskreis Kindeswohlgefährdung, der sich regelmäßig trifft und dem unter anderem Jugendamt, städtische Kinderschutzstelle und KSB angehören.

Ein für Müller „gutes Modell“ ist das Ulmer Hilfsprozess-Management der Einzelfälle, in das die Expertise des KSB fest eingebunden ist – in der Moderatorenrolle. „Da sitzen wirklich alle Beteiligten, die mit einer Familie zu tun haben, an einem Tisch. So reduzieren wir Schnittstellen- und Kommunikationsprobleme.“ Und so fließen die Erfahrungen aller in die gemeinsame Einschätzung der Gefährdung ein.

Der KSB wirkt auf mehreren Ebenen: Zum einen als nicht-staatliche Stelle, an die sich Betroffene wenden können und die Hilfswege aufzeigt. Zum anderen sensibilisiert er in Infoveranstaltungen Erzieher, Lehrer und Eltern für das Thema. Drittens gibt es extra Angebote für Jungs, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, „weil die sich noch schwerer tun, sich jemandem anzuvertrauen, als Mädchen“. Sie sagt, dass in der Region jährlich 80 bis 110 Kinder Opfer sexueller Gewalt werden: „Diese Zahl ist seit Jahren konstant.“

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