Stadtentwicklung Besser leben am alten Eselsberg

Der alte Eselsberg, im Vordergund die Ladenzeile, wird zum Pilotprojekt.
Der alte Eselsberg, im Vordergund die Ladenzeile, wird zum Pilotprojekt. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Chirin Kolb 24.02.2018
Wie sehen die Wohnquartiere der Zukunft aus? Gemeinderat und Verwaltung planen ein Pilotprojekt am alten Eselsberg.

Mal nicht immer nur Neues planen und bauen, sondern den Blick auch fokussiert auf das Bestehende richten: Das hat sich der Ulmer Gemeinderat vorgenommen. Konkret geht es um die Stadtteile und Wohnquartiere, und natürlich soll da nicht alles bleiben, wie es ist. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie lässt es sich besser leben im jeweiligen Quartier?

Dabei spielt vieles eine Rolle, zum Beispiel Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangebote, Kinderbetreuung, Altersstruktur, aber auch Energie, Klima, Digitalisierung. Der Gemeinderat hat sich in seiner Klausur unter dem Titel „Ulm 2030 – Leben im Quartier“ darüber Gedanken gemacht. Heraus kam unter anderem diese Erkenntnis: Die Eingangsfrage kann nicht für alle Stadtteile und Quartiere gleich beantwortet werden, weil sie unterschiedlich sind und nicht über einen Kamm geschoren werden können. Ein paar Aussagen gelten trotzdem für alle Viertel:

  • Jedes Quartier hat seine eigene Identität, die gestärkt werden soll.
  • In jedem Quartier braucht es Orte zur Begegnung.
  • Wohnen und Arbeiten soll nah beieinander möglich sein.
  • Die Menschen, die im Quartier wohnen, wissen am besten, was sie wollen und brauchen. Sie sollen an der Entwicklung beteiligt werden.

Gemeinderat und Stadtverwaltung wollen einen Schwerpunkt auf die quartiersbezogene Stadtentwicklung legen. Weil es dabei nicht nur ums Planen und Bauen, sondern beispielsweise auch um Soziales, Verkehr und Bürgerbeteiligung geht, sollen im Rathaus mehrere Abteilungen zusammenarbeiten. Wie das funktionieren kann und wie man die quartiersbezogene Stadtentwicklung mit den Menschen im Viertel vorantreiben kann, soll in einem Pilotprojekt erarbeitet werden.

Die Stadtspitze und die Stadträte haben sich für das Pilotprojekt den alten Eselsberg ausgeguckt. Dort sei der Handlungsbedarf groß. In dem in den 1950er Jahren gewachsenen Quartier leben viele ältere Menschen. Und fast mittendrin entsteht ein neues Viertel. Im Baugebiet „Am Weinberg“ auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburg-Kaserne sollen in ein paar Jahren rund 2000 Menschen leben.

Dorothee Kühne (SPD) beschreibt die Situation am Eselsberg so: „Die Bewohner haben ein Jahrzehnt des Abwartens hinter sich.“ Die Straßenbahn- und Fernwärme-Baustellen haben den Bewohnern, Beschäftigten und Gewerbetreibenden arg zugesetzt. „Aufgestaute Probleme“ wie der Mangel an Parkplätzen müssten gelöst werden. Zudem gebe es am Eselsberg für die älter werdende Bevölkerung kein Pflegeheim.

Ideen für den alten Eselsberg sind etwa ein Wochenmarkt, ein Flohmarkt, eine Stadtteilbibliothek, Belebung der Dienstleistungszeile, Räume für Start-up-
Unternehmen. Was genau gewünscht ist, soll mit den Bürgern entwickelt werden. Eine wichtige Rolle soll die städtische Sanierungstreuhand (SAN)  spielen, weil sie Erfahrung hat mit der Quartiersentwicklung und der Bürgerbeteiligung. Im Pilotprojekt soll eine Modellmethode entwickelt werden, die übertragbar ist auf andere Stadtteile.

Die quartiersbezogene Stadtentwicklung passt gut zu anderen Programmen und Projekten, die ohnehin schon laufen:

Zukunftsstadt Ulm 2030 Ulm nimmt am Bundeswettbewerb „Zukunftsstadt 2030“ teil. Im Zentrum steht die Digitalisierung. In der derzeitigen Phase zwei geht es um konkrete Lösungsansätze. In Phase drei erhalten acht Kommunen für die Umsetzung bis zu einer Million Euro.

Quartier 2020 Ulm nimmt ebenfalls teil am Ideenwettbwerb „Quartier 2020 – gemeinsam gestalten“. Für den alten Eselsberg stehen drei Themen im Mittelpunkt: Pflege und Unterstützung im Alter, Bürgerbeteiligung, Ehrenamt und Bürgerengagement sowie Orte der Begegnung. Das Projekt soll Mitte des Jahres starten und ist auf drei Jahre angelegt.

Am Weinberg Das neue Wohnquartier mit rund 700 Wohnungen entsteht auf dem ehemaligen Hindenburg-Areal. Die Bürger können Anregungen einbringen und an der Entwicklung mitarbeiten.

Zukunftskommune@bw Ulm hat sich um die Teilnahme am Wettbewerb Zukunftskommune@bw beworben, den das Land im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie ausgeschrieben hat.

Wiblingen soll als nächstes dran sein

Quartiere In seiner Klausur zum Thema „Ulm 2030 – Leben im Quartier“ hat sich der Gemeinderat stellvertretend mit dem alten Eselsberg, Wiblingen, Oststadt und Jungingen befasst. Die Stadträte sind sich einig, dass eine Quartiersentwicklung in Wiblingen, vor allem am Tannenplatz, ähnlich wichtig ist wie am alten Eselsberg. Manche meinen sogar: eher wichtiger, weil Neu-Wiblingen durch einen hohen Anteil älterer Bewohner und Migranten besondere Probleme habe. FWG und SPD dringen deshalb darauf, Wiblingen als nächstes in die Quartiersentwicklung aufzunehmen.

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