Gastronomie Besenwirtschaft statt Ferkelstall

Sie üben schon mal das Servieren: Landwirt Winfried Walter mit seinen Söhnen Benedikt (links) und Manuel.
Sie üben schon mal das Servieren: Landwirt Winfried Walter mit seinen Söhnen Benedikt (links) und Manuel. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Carolin Stüwe 11.08.2018

Ein Radfahrer schaut von außen durch die Glastür und fährt dann enttäuscht weiter. Denn die neue Besenwirtschaft zwischen Gögglingen und Unterweiler wird zwar morgen beim Hoffest der Öffentlichkeit vorgestellt, öffnet für Gäste aber erst am 20. September. Winfried Walter ist Schweinezüchter, Schweinemäster, Biogasanlagenbetreiber, Legehennenhalter, Erdbeeranbauer, derzeit stellvertretender Gögglinger Ortsvorsteher und CDU-Stadtrat. Jetzt will er sich mit 60 Jahren noch an die Theke stellen und Bier, Wein und Most ausschenken – ein langgehegter Wunsch.

Seine Frau Gudrun (53) hat bereits Ideen, was auf der Speisekarte stehen könnte: Spanferkel, Vesperteller, Wurstsalat, Käseplatte und Flammkuchen. Ihre vier erwachsenen Kinder, deren Freunde sowie Verwandte wollen tüchtig mithelfen, wenn „Walters Hof-Wirtschaft“ nach dem Prinzip der Besenwirtschaften saisonweise einige Wochen lang geöffnet hat. Dazu musste das Ehepaar bei der IHK und beim Gesundheitsamt Lehrgänge besuchen.

Als Fachkräfte verarbeiten bisher schon zwei Metzger das hof­eigene Schweinefleisch in der Wurstküche. Und es stehen ein Koch und eine Küchenhilfe parat. Denn der rund 100 Quadratmeter große Gastraum mit Platz für bis zu 80 Gäste kann auch privat für Feiern gemietet werden.

Walters Sohn Manuel (31) hat das Studium der Agrarwissenschaft bereits abgeschlossen, will den Hof übernehmen und hat seine Bachelorarbeit über „Einkommensalternativen in der Landwirtschaft“ geschrieben. Gudrun Walter bringt es auf den Punkt: „Die Tierhaltung bringt doch nicht mehr viel ein.“ Also hat Winfried Walter seine Muttersauen zur Ferkelzucht von zuletzt 220 auf 150 Tiere reduziert und in einem ausgesiedelten Stall im Illertal untergebracht.

Anstelle des alten Ferkelstalls wurde innerhalb von 15 Monaten neben „Walters Hoflädele“ die Wirtschaft gebaut. Ein Zimmermann aus dem Allgäu hat das große Vordach gebaut, das fast bis an den Nussbaum reicht. So können die Gäste auch draußen sitzen und die Aussicht auf Koppeln des benachbarten Reiterhofs genießen. Im Herbst ist dann eh der Mais in der Biogasanlage verschwunden, so dass man eine freie Sicht hat bis zum Hochsträß.

Im Innern der Wirtschaft gibt es mehrere Hingucker: An der Decke wurden als Schallschutz schmale Bretter aus Lärchenholz montiert, allerdings alle „hochkant“ und mit Rändern und Astlöchern, wie der Baum gewachsen ist. Die metallenen Halbrund-Lampen sollen an die Infrarot-Wärmelampen für die Ferkel erinnern, und in den Toilettenvorräumen wurden emaillierte Schweinetröge als Waschbecken eingebaut. Von der Idee sei die Innenarchitektin Doris Armbruster aus Rammingen gleich begeistert gewesen.

Ziegelsteine aus Sachsen

Die Ziegelwände stammen jedoch nicht vom alten Ferkelstall, sondern die Ziegelsteine hat sich Walter extra aus Sachsen geholt. Die übrige Deko ergibt sich je nach Jahreszeit, denn Gudrun Walter ist gelernte Floristin. Im Winter liefert die Biogasanlage Energie für die Fußbodenheizung – unter den gebrauchten Gasthaus-Tischen aus dem Elsaß.

Nachdem Winfried Walter dies alles aufgezählt hat, schaut er einmal um sich und sagt: „Jetzt ist es doch mehr geworden als nur eine kleine Besenwirtschaft.“

Hoffest mit “Staffel-Blech“

Besichtigung Mittagessen im Maisfeld, die Kapelle „Staffel-Blech“ und die Kinder können Ponys reiten. Um 11 Uhr beginnt am Sonntag, 12. August, das Hoffest bei Walters, Abzweig von der Kirchberger Straße zwischen Gögglingen und Unterweiler.

11

Uhr ist morgen, Sonntag, der Startschuss für das Hoffest bei Walters am Abzweig von der Kirchberger Straße zwischen Gögglingen und Unterweiler. Es gibt Musik, Ponyreiten und Essen.

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