Musiktage Beschwingte, sommerliche Klänge

Burkhard Schäfer 03.07.2017

„Calmus“ – dieser Name steht schon seit Jahren für Stimmkunst der besonderen Art. Das Leipziger Ensemble (Isabel Jantschek, Sopran; Sebastian Krause, Countertenor; Tobias Pöche, Tenor; Ludwig Böhme, Bariton und Manuel Helmeke, Bass) war nicht zum ersten Mal Gast der Sommerlichen Musiktage. Am Sonntag durften die fünf Musiker die nunmehr seit 60 Jahren stattfindende Traditions-Reihe im Stadthaus eröffnen, gemeinsam mit dem Ulmer Kammerchor „Vox Humana“ und seinem Dirigenten Christoph Denoix sowie dem Klavierduo Ferhan & Ferzan Önder.

Das allererste „Wort“ hatten aber die Sänger von „Vox Humana“, die zum Auftakt das beschwingte Madrigal „Sing we and chant it“ von Thomas Morley anstimmten. Calmus kam erst beim anschließenden Madrigal „Risonanza di Echo a 8“ von Hans Leo Hassler ins Spiel. Gleichsam aus dem „Off“ heraus übernahmen die Leipziger die Rolle des Echos, was der Darbietung eine wunderbare Raumwirkung verlieh.

Unvergleichlich intensiv

Nach zwei weiteren Madrigalen von Palestrina hatte Calmus die Bühne zunächst für sich allein. Zeitgenössische Shakespeare-Vertonungen standen auf dem Programm, von dem Finnen Jaakko Mäntyjärvi und dem Briten John Tavener. Diese modernen Madrigale begeisterten, nicht nur auf Grund ihrer harmonisch reichen Fraktur und Raffinesse, sondern vor allem auch in der unvergleichlich intensiven Art, mit der sie vom Weltklasse-Ensemble dargeboten wurden. Evozierten Mäntyjärvis „Four Shakespeare Songs“ noch ein winterliches Finnland, wurde es anschließend sommerlicher. Die „Liebeslieder-Walzer“ von Johannes Brahms standen für pure beschwingte Lebensfreude.

Den vierhändigen Klavierpart, den Brahms‘ Opus 52 vorschreibt, übernahm das Duo Ferhan & Ferzan Önder. Auch nach der Pause saßen die Zwillinge wieder am Klavier, mit einer Auswahl der „Neuen Liebeslieder“ op. 65.  Calmus, Vox Humana und die Zwillinge lieferten eine in jeder Hinsicht bezwingende Darstellung dieser Kassenschlager, die bis heute nichts von ihrer Popularität verloren haben.

So toll das war: Den größten Applaus fuhren dann aber anschließend doch die Musiker von Calmus ein – und zwar mit der „Walpurgisnacht“, die der 1930 geborene Komponist Harald Banter eigens für das Ensemble geschrieben hat. Es war die pure Wonne, allein nur dem Stimm-Funkenflug zu lauschen, den Calmus mit diesem die Zuhörer buchstäblich verhexenden Walpurgisfeuerwerk entfachte. Ein buchstäblich bezaubernder Abend.

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