Die Klasse 9b des Kepler-Gymnasiums hat klare Vorstellungen davon, was die Zukunft bringen soll: 17 Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für ein Studium, zwei für ein Jahr Pause nach der Schulzeit, niemand für eine Ausbildung. Das ergab eine Abfrage von Lehrerin Judith Walter, zuständig an der Schule für die Berufsorientierung. Sie leitete, gemeinsam mit Nicolette Reepschläger, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Ulm, am Donnerstagmittag eine Stunde zur Berufsorientierung.

Das Besondere daran: Auf einer Schulbank saß Kultusministerin Susanne Eisenmann neben Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Agentur für Arbeit. Eingeladen hatte dazu die Ulmer Agentur, und zwar ans Kepler, „weil wir uns intensiv mit der Berufsfindung auseinandersetzen“, wie Schulleiterin Karin Weidner-Reuter sagte. Am Kepler ist man stolz auf die „eigenen Bausteine“ (Walter) wie etwa den Tag zur Berufsfindung mit Vertretern von IHK, Handelskammer, Hochschulen.

Eisenmann lobte den „klug aufgesetzten Prozess“ am Kepler. Den wolle sie sich näher anschauen, da er als Modell für andere Schulen im Land dienen könnte. Wie berät man nun Schüler in Sachen Berufswahl? Mit einer Show à la Herzblatt. Den Partner fürs Leben findet man dabei zwar nicht, meinte Beraterin Reepschläger. Aber durchaus eine berufliche Richtung, eine Antwort auf die Frage: „Wer passt zu mir?“

Argumente für Studium, Ausbildung oder eine einjährige Pause

Für die Show arbeiteten die Schüler in Gruppen. Sie mussten Argumente finden, nämlich Argumente für eine Ausbildung, fürs Studium, für ein Jahr Pause. Show-Kandidat Art befragte, abgeschirmt hinter einer Trennwand, die Kandidaten, etwa so: „Was kannst du mir bieten?“ Oder „Kandidat zwei, wie sieht es bei dir mit Geld aus?“ Am Ende entschied  sich Schüler Art für Kandidat drei, Schüler Sefa, der die einjährige Pause nach der Schulzeit vertrat. Art war überzeugt von Argumenten wie „bei mir hast du ein bisschen Ruhe von der Schule, kannst ein bisschen verdienen“. Wie Art erging es einigen Schülern. Nach einer erneuten Abfrage stimmten nur noch zwölf Jugendliche fürs Studium, dafür sieben für eine Pause.

Ministerin Eisenmann fand an dieser Runde sichtlich Gefallen. Sie war von dem Konzept angetan, „Berufsorientierung niederschwellig in den Schulen anzubieten“, wie sie sagte. Ihre Botschaft an die Lehrer: Sie ist durchaus offen für eine Verlängerung der Schülerpraktika Bors oder Bogy, die bisher einwöchig sind.

Am Ende der Stunde wurde Eisenmann von den Schülern interviewt. Einer fragte: „Können Sie Mathe abschaffen?“ Eisenmanns Antwort: „Nein. Oder vielleicht könnte ich es, aber das will ich gar nicht.“