Ulm Denkmalschutz aufgehoben: Beringerbrücke darf abgerissen werden

Es bröckelt und bröselt: Die teils durchgerostete Beringerbrücke ist deshalb seit Monaten mit Folien und Netz gesichert. Weil die Brücke für schwerere Lasten nicht mehr sicher ist, dürfen sie nur noch Fußgänger und Radfahrer nutzen.
Es bröckelt und bröselt: Die teils durchgerostete Beringerbrücke ist deshalb seit Monaten mit Folien und Netz gesichert. Weil die Brücke für schwerere Lasten nicht mehr sicher ist, dürfen sie nur noch Fußgänger und Radfahrer nutzen. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Chirin Kolb 15.12.2018
Der Denkmalschutz für die Beringerbrücke ist aufgehoben. Sie darf abgerissen werden, falls die Stadträte zustimmen.

Es waren, wie zu hören ist, lange Verhandlungen und intensive Diskussionen. Am Ende stand die Entscheidung: Der Denkmalschutz für die Beringerbrücke wird aufgehoben. Die Stadt Ulm hat sich mit ihrer Argumentation durchgesetzt, ihr Widerspruch gegen den verhängten Denkmalschutz war damit erfolgreich.

Wobei: Die unterschiedlichen Auffassungen über die Schutzwürdigkeit des mehr als 100 Jahre alten Bauwerks, das im Ulmer Westen die Bahngleise überspannt, bestehen weiter. Das Landesamt für Denkmalpflege hält die Brücke nach wie vor für ein Kulturdenkmal. Die Vertreter des Amts beugten sich am Ende aber ebenso wie das Regierungspräsidium Tübingen als Oberster Denkmalschutzbehörde den von der Stadtverwaltung und externen Sachverständigen zusammengestellten Fakten.

Demnach ist die Brücke so marode, dass sie nur mit einem Sanierungsaufwand von geschätzt 30 Millionen Euro erhalten werden kann. Und selbst in diesem Fall müssten so viele durchgerostete Bauteile ersetzt werden, dass von der ursprünglichen Konstruktion fast nichts übrigbleiben würde, sagt Helmut Kalupa von der Abteilung Baurecht. Die Denkmalpfleger kamen deshalb zu dem Schluss: „Der Erhalt der Brücke ist wirtschaftlich nicht zumutbar.“ Sie dürfe also doch abgerissen werden.

Ob sie abgebrochen wird, ist nicht sicher

Ob die Beringerbrücke tatsächlich abgebrochen wird, ist damit aber noch nicht gesagt. Oder vielmehr: ob sie ersatzlos wegfallen wird. Diese Lösung war der Stadtverwaltung bisher die liebste. Sie will die Kosten für eine Sanierung oder einen Neubau sparen und hält die Brücke von der Blaubeurer Straße zum unteren Eselsberg für verzichtbar.

Die Entscheidung aber liegt bei den Stadträten. Sie werden sich damit im nächsten Jahr befassen müssen. Die Bauverwaltung hat mehrere Varianten für eine Sanierung oder einen Neubau untersucht, die zunächst in Info-Veranstaltungen den Bürgern vorgestellt werden sollen. Bewohner des Eselsbergs und die Regionale Planungsgruppe hatten sich bereits für den Erhalt der Brücke stark gemacht. Zur Diskussion stehen folgende Varianten:

Denkmalgerechte Sanierung

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Brücke denkmalgerecht zu sanieren. Erstens: als reine Fuß- und Radwegverbindung. Das würde knapp 27 Millionen Euro kosten. Zweitens: als verkehrsberuhigte Brücke, die also auch von Autos im Schritttempo befahren werden darf. Kosten: knapp 30 Millionen Euro. In beiden Fällen geht Gerhard Fraidel, Leiter der Abteilung Verkehrsinfrastruktur, davon aus, dass die Restnutzungsdauer der Brücke bei 20 Jahren liegt.

Sanierung

Die einfachste, nicht denkmalgerechte Sanierung würde rund 18 Millionen Euro kosten. Autos dürften im Schritttempo fahren, die Brücke würde rund 20 Jahre halten.

Neubau

Auch bei einem Neubau gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei einem kompletten Neubau mit Autospuren hätte die Brücke eine Traglast von 60 Tonnen und könnte rund 80 Jahre lang genutzt werden. Die Kosten schätzt Fraidel auf rund 22 Millionen Euro. Denkbar wäre auch ein teilweiser Neubau mit einem alten, denkmalgerechten Abschnitt für rund 19 Millionen Euro. Das Problem: Der alte Abschnitt könnte höchstens 2,8 Tonnen tragen und wäre in voraussichtlich 20 Jahren vollends hinüber.

Mit einer Entscheidung ist voraussichtlich im Frühjahr zu rechnen. Bis dahin hofft Baubürgermeister Tim von Winning darauf, dass die Brücke nicht noch unsicherer wird. „Der Zustand ist so, dass kurzfristige Eingriffe nötig werden können.“ Soll heißen: dass die Brücke vollständig und damit auch für Fußgänger und Radler gesperrt werden muss.

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Geschichte der Beringerbrücke

1908 wurde die Brücke über den damaligen, kurz zuvor gebauten Rangierbahnhof fertig gestellt. Er trennte die nördlich und südlich davon gelegenen Stadtgebiete (heute: Am Bleicher Hag am unteren Eselsberg und Blaubeurer Straße) voneinander ab und zerschnitt eine bis dahin bestehende Wegverbindung.

1944 beschädigten Bombentreffer die Beringerbrücke schwer. Sie wurde 1959/60 repariert und in Teilen ersetzt. Bei weiteren Veränderungen kamen ein Gehweg und die Fernwärmeleitung dazu.

2006 wurde die Brücke wegen ihrer Schäden für mehr als 2,8 Tonnen schwere Fahrzeuge gesperrt. Nach weiteren Einschränkungen, die aber ebenfalls kaum beachtet wurden, dürfen Autos seit Oktober 2018 gar nicht mehr auf der Brücke fahren.

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