Es war dieser Ort, der Albrecht Ludwig Berblinger am 31. Mai 1811 zum Verhängnis wurde: Von der Adlerbastei startete er seinen Gleitflugversuch, und der Sog der kühlen Donau ließ ihn abstürzen. Nun können alle Menschen aber an genau dieser Stelle hoch hinaus. Am Donnerstagabend ist das Berblinger-Denkmal des Münchner Künstlerduos Brunner + Ritz eröffnet worden. Genau 250 Jahre und ein Tag nach Berblingers Geburtstag.

Geneigter Treppen-Turm an der Donau

Ein Jahr haben Planung und Bau des 20 Meter hohen, um zehn Grad geneigten Treppen-Turms gedauert. 750.000 Euro hat das Werk schlussendlich gekostet und vielen Verantwortlichen auch reichlich Nerven. Doch nun wurde eine Installation gefeiert, die „das Potenzial hat, als Wahrzeichen für unsere Stadt zu stehen“, wie Kulturbürgermeister Iris Mann strahlend sagte.
Oberbürgermeister Gunter Czisch freute sich, endlich mit den Feierlichkeiten des Berblinger-Jahrs beginnen zu können – die Corona-Krise hat das Programm in Mitleidenschaft gezogen. Das Berblinger-Denkmal sei ein Kunstwerk, das Kraft ausstrahle, Erfindergeist, Innovation und Mut symbolisiere. Zudem sei es „einfach schön“, sagte Czisch. Und einfach schön sei auch, dass ein Vorhaben, das zu scheitern drohte, nun doch gelungen sei.

Der Berblinger-Turm als begehbares Kunstwerk

Man müsse eben den Mut haben, in Kauf zu nehmen, dass nicht alles gelingt, sagte Czisch. Und die Energie, nach vorn zu schauen – auch das eine Botschaft dieses Tages. Nicht zuletzt gehe es um Teilhabe: Denn es ist ein begehbares Kunstwerk: „Also rauf auf den Turm“, forderte Czisch die Menschen auf: „Nach oben steigen und weit blicken. Das sollte uns alle beflügeln.“
Künstler lasse ihre Werke meist für sich selbst sprechen. So hielt es auch Johannes Brunner von Brunner + Ritz. Dafür dankte er vielen Leuten für eine „außergewöhnliche Anstrengung“: allen Verantwortlichen und Mitstreitern bei der Stadt Ulm von der Museumschefin über die Kulturabteilung bis zum Gebäudemanagement, aber auch Kranführern, Sockelbauern, Schlossern und App-Programmierern. Brunner wünscht allen Ulmern und Gästen, dass sie nun nach oben steigen und nachspüren, wie sich Berblinger einst da oben auf der Adlerbastei gefühlt haben mag.
An diesen historischen Moment erinnerte auch der Autor Johannes Schweikle in seiner Laudatio. Er hat dem Berblinger in dem Roman „Fallwind“ 2011 ein literarisches Denkmal gesetzt und entwarf nun das Bild eines kühnen, selbstbewussten, auch trotzigen Mannes, der die Welt zum Besseren verändern wollte.
Wie der Utopist und Pionier Berblinger zur Witzfigur wurde? Nun, wer etwas wage, der beschäme die Bequemen, sagte Schweikle. „Und sind wir seit 1811 wirklich weiter gekommen?“ Traurig, aber wahr: Auch heute brauche die Gesellschaft Figuren, „auf die man gefahrlos mit dem Finger zeigen kann“. Umso wichtiger sei es, den Pionier nun mit dieser „kühnen Skulptur“ zu ehren,
„Er startete nicht zu früh“, sagte Schweikle über Berblinger. „Er startete am falschen Ort. Wie schön, dass er endlich ein angemessenes Denkmal bekomme.“ Der falsche Ort ist nun ein richtiger und guter Ort geworden.

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Stufen führt die Wendeltreppe auf die Plattform des Berblinger-Turms. 20 Meter ist die Stahl-Installation vom Sockel bis zur Spitze hoch, gut 30 Tonnen wiegt sie insgesamt.