Die Rahmendaten kennt man: Rund 20 Bands mit rund 100 Musikern aus ganz Deutschland, die ohne Gage spielen, 50 ehrenamtliche Helfer, rund 1000 Besucher, die dafür sorgen dass etwa 10 000 Euro an Hilfsprojekte in aller Welt fließen. Darauf hat sich der Ulmer Musikmarathon in den vergangenen 15 Jahren eingependelt. Am Samstag gibt es die 16. Auflage. Und doch ist diesmal alles anders.

Wegen des Coronavirus hat Bayern Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern untersagt. „Wir wissen nicht, was kommt: Wir gehen davon aus, dass der Marathon stattfindet. Sollte es Vorgaben vom Land oder von der Stadt geben, werden wir sie erfüllen“, sagt Mitorganisator Tobias Schmid. Sprich: Sollte die Maximalzahl von Besuchern doch noch begrenzt werden, werden einfach weniger Menschen ins Roxy gelassen. Schmid ist der Vorsitzende des Vereins „Einsatz – Musik für Menschen in Not“, der den Musikmarathon jedes Jahr organisiert und mit seinen Vereinsmitgliedern schon seit Monaten an dem Event arbeitet.

Geld fließt an drei Projekte

„Mit dem Geld, das wir einspielen, helfen wir Menschen, die noch ganz andere Probleme haben, als die Ausbreitung des Coronavirus“, erinnert die stellvertretende Vorsitzende Johanna Homburger daran, dass die Konzertreihe, deren Erstauflage unter dem Eindruck des Tsunamis in Südostasien entstanden war und in den vergangenen 15 Jahren  140 000 Euro für diverse  Hilfsprojekte eingespielt hat, keinen kommerziellen Zweck verfolgt.  Die Einnahmen dieses Jahres sollen an ein Straßenkinderprojekt im brasilianischen Guarabira, an den Ulmer Verein Cicla, der Menschen in den Armenvierteln von Peru hilft, und an die Ulmer Ortsgruppe des Vereins „Ingenieure ohne Grenzen“ fließen, die ein Wasserversorgungsprojekt in Kenia unterstützen will.

Roxy-Auswärtsspiel mit Felix Lobrecht abgesagt

Einfach weitermachen ist also die Devise beim Musikmarathon – und auch im Roxy. Wobei das nicht so einfach ist: Das Ulmer Kulturzentrum hätte auch die ausverkaufte Show von Comedian Felix Lobrecht am 2. April in der Ratiopharm-Arena veranstaltet – die jetzt abgesagt ist. „Uns sind da die Hände gebunden“, sagt Geschäftsführer Christian Grupp. Man suche aber bereits nach einem neuen Termin. Grupp rechnet damit, dass Baden-Württemberg dem Beispiel Bayerns folgen wird. Sollte dies so kommen, werde das Roxy bei Veranstaltungen wie dem Konzert der Band Sisters of Mercy (24. März) die Zahl der Karten im Vorverkauf limitieren. Zudem geht der Roxy-Chef davon aus, dass wegen Corona ganze Tourneen platzen und so Löcher ins Programm reißen. „Es gibt da eine große Unsicherheit“, sagt Grupp.

Lesung im Museum Brot und Kunst fällt wegen Corona aus

Von so einer Absage betroffen ist das Charivari, wo eigentlich am Donnerstag der amerikanische Bluesrock-Sänger und -Gitarrist Sean Chambers mit Band auftreten sollte (wir berichteten). Die ganze Tour fällt nun flach: Seine Mitmusiker kommen zum Teil aus Italien, weshalb, so Chambers in manchen europäischen Ländern mit Einreiseproblemen bis hin zur Quarantäne zu rechnen gewesen sei. Auch das Museum Brot und Kunst zählt inzwischen zu den Opfern des Virus. Die in Berlin lebende Schriftstellerin Priya Basil, hat ihre Lesung am Freitag abgesagt. Laut Museumschefin Isabel Greschat kommt ihre Lesereise in den Süden nicht zustande, weil der zweite Termin in der Region, am Donnerstag in Schwäbisch Hall, vom Veranstalter wegen des Virus abgeblasen wurde. Auch sonst leidet das Museum im Salzstadel unter der derzeitigen Lage: „Wir haben viele Absagen von ausländischen Schülergruppen, die nicht reisen dürfen.“

Beim Musikmarathon geht man übrigens davon aus, dass alle Auftritte wie geplant stattfinden. Bislang, heißt es von den Veranstaltern, habe keine Band abgesagt.

Welche Band wann spielt


Die Bands spielen beim Musikmarathon im Roxy im 15-Minuten-Takt. Los geht es bereits um 18 Uhr, die erste Band ist Voltkid (19 Uhr). Die Reihenfolge: Chabezo (19.20 Uhr), Endlich Rudern (19.40), Seda (19.55),  John Garner (20.10), Lienne (20.30), Rauke (20.45), Madanii & Llucid (21.05), Emanzenpanzer (21.25), Telquist (21.45), Moli (22.05), Eau Rouge (22.25), Lionlion (22.45), Drens (23.05), Deadnotes (23.25), Kann Karate (23.45), Youth Okay (0.05), All Bricks (0.25) und Beat The Dancefloor (0.45).

Die Tickets kosten zehn Euro. Wer will, darf mehr bezahlen.